WahlsystemDie zehn wichtigsten Fakten zur US-Wahl

Wahlmänner, Swing States, The Winner Takes It All-Prinzip – das Wahlsystem der USA ist unübersichtlich und kompliziert. Die zehn wichtigsten Fakten zum US-Wahlsystem von Tobias Kurfer

Rund 200 Millionen Wahlberechtigte

An diesem Dienstag wählen die US-Bürger zum 57. Mal einen Präsidenten. Wahlberechtigt ist jeder Bürger ab 18 Jahren, der in einem der 50 Bundesstaaten oder in der Hauptstadt Washington lebt. Ausgenommen davon sind Bewohner von Außengebieten wie etwa Puerto Rico , illegale Einwanderer, Häftlinge und ehemalige Gefängnisinsassen, denen das Bürgerrecht aberkannt wurde . Insgesamt sind rund 200 Millionen Amerikaner stimmberechtigt.

Registrierung als Wahlhürde

In den USA gibt es keine Meldeämter, deshalb müssen sich Wahlberechtigte registrieren lassen, bevor sie ihre Stimme abgeben können. Die sogenannte Registrierungshürde gilt als ein Grund für die relativ niedrige Wahlbeteiligung in den USA.

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Die Wahl des Präsidenten

US-Präsident kann jeder werden, der in den Vereinigten Staaten geboren wurde und bei Amtsantritt mindestens 35 Jahre alt ist. Eine Legislaturperiode dauert vier Jahre. Eine Wiederwahl ist nur ein Mal möglich.

Die Parteien bestimmen ihren Spitzenkandidaten lange vor der Wahl. Meist konkurrieren mehrere Bewerber bei den Vorwahlen in den Bundesstaaten um die Stimmen der Basis. Der Sieger wird im Spätsommer auf nationalen Parteitagen von den Delegierten offiziell nominiert. Der Kandidat präsentiert dann auch seinen Stellvertreter, den Anwärter auf das Amt des Vize-Präsidenten.

Die Wahlmänner und das "The Winner takes it all"-Prinzip

Der US-Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt durch das sogenannte Wahlmännergremium (Electoral College). Das US-Wahlverfahren läuft daher in mehreren Stufen ab: Am 6. November wählen die US-Bürger zunächst die 538 Wahlmänner und Wahlfrauen. Das Wahlmännergremium wählt dann im Dezember in geheimer Abstimmung den neuen Präsidenten.

Die Wahl ist entschieden, sobald ein Kandidat die Mehrheit von 270 Wahlmännerstimmen erreicht hat. Die Zahl der Wahlmänner variiert in den Bundesländern je nach Bevölkerungsstärke. Kalifornien etwa verfügt über 55, das kleine Delaware über 3.

Weiter gilt in 48 Staaten die Regel, dass sämtliche Wahlmännerstimmen an den Kandidaten gehen, der die Mehrheit der Stimmen erhält (The-Winner-Takes-It-All-Prinzip). Einzige Ausnahmen sind die kleinen Staaten Maine und Nebraska: dort werden die Wahlmänner proportional zum Wahlergebnis geteilt.

Ringen um die "Swing States"

Eine entscheidende Rolle bei der Wahl spielen traditionell die Swing States. Das sind jene Bundesstaaten, in denen das Ergebnis knapp ist. Um sie wurde im Wahlkampf deshalb besonders heftig gerungen. Als Swing States oder Wechselstaaten gelten unter anderem Florida, Ohio , Pennsylvania und Virginia.

Gewinnen mit der Minderheit der Wähler

Eine Folge des sogenannten Mehrheitswahlrechts ist, dass ein Kandidat Präsident werden kann, obwohl nicht die Mehrheit der Wähler für ihn gestimmt hat: Der republikanische Kandidat George W. Bush etwa kam vor zwölf Jahren auf 47,9 Prozent der Stimmen, sein demokratischer Kontrahent Al Gore holte 48,4 Prozent – einen halben Prozentpunkt mehr. Doch Bush hatte 271 Wahlmänner hinter sich, Gore nur 266. Der Republikaner wurde zum Präsidenten gewählt.

Kandidaten, die nicht für eine der beiden großen Parteien der Demokraten und Republikaner antreten, haben in diesem Mehrheitswahlsystem so gut wie keine Chancen. Der Unternehmer Ross Perot etwa gewann bei den Wahlen 1992 und 1996 zwar 18,9 beziehungsweise 8,4 Prozent – erhielt jedoch keine Wahlmännerstimme. Bei den letzten beiden Wahlen lagen allen Kandidaten kleinerer Parteien unter einem Prozent. 

Leserkommentare
    • deDude
    • 06. November 2012 10:14 Uhr

    ... man darf gespannt sein wie das Rennen ausgeht. Ab wann kann man eigentlich erfahrungsgemäß mit den ersten belastbaren Hochrechnungen rechnen?

    Eine Leserempfehlung
    • hairy
    • 06. November 2012 10:23 Uhr

    1 - Dieses Wahlsystem ist nicht sonderlich demokratisch.
    2 - Wie auch in anderen Laendern verstehen die meisten Waehler nicht, was es heisst, fuer die eigenen Interessen zu stimmen.

    10 Leserempfehlungen
  1. wenns auch kompliziert geht.
    Das Wahlmänner in den Zeiten des wilden wilden Westens sinnvoll waren, ist unbestritten.
    Aber die Zeiten haben sich geändert (oder doch nicht?)
    Es ist mMn auch in den USA heutzutage möglich, aus dem entlegensten Dorf die Stimme für einen der beiden Kandidaten direkt abzugeben, ohne den Umweg über Wahlmänner und mittlerweile auch Wahlfrauen (was für ein Fortschritt).
    Ich will ja nicht sagen, daß das deutsche Wahlrecht -gibts denn ein gültiges?- einfach zu durchschauen ist, besonders was die Überhangmandate betrifft, aber eine so wichtige Wahl durch archaische Unzulänglichkeiten mitentscheiden zu lassen, finde ich schon sehr aus der Zeit gefallen.
    Haben die noch Lochkarten?

    6 Leserempfehlungen
    • a.bit
    • 06. November 2012 10:43 Uhr

    "dort werden die Wahlmänner proportional zum Wahlergebnis geteilt."
    2004 und 2008 gingen alle Stimmen in Maine an den Kandidaten der Demokranten, 2004 alle in Nebraska an den Republikaner, 2008 R4-D1.

    Richtig wäre vielmehr gewesen, dass je 2 Stimmen an den Gewinner des Staates gehen und je 1 an den Gewinner jedes Congressional Districts. Also auch Winner-takes-all, nur bei kleinerer geographischer Unterteilung.

    • Slater
    • 06. November 2012 11:49 Uhr

    scheint eine Initiative hin zu etwas mehr Demokratie zu sein,
    ohne schwierige Verfassungsänderung würden bei Teilnahme von Staaten mit 270 Wahlmännern diese Staaten genau mit der Mehrheit der Stimmen insgesamt wählen, das wäre ja die Lösung
    http://de.wikipedia.org/w...

    nur die Frage, wieviele Einzelstaaten mitmachen,
    mit Kalifornien 2011 zuletzt fast 50% erreicht,
    der Stand in den anderen Staaten erstaunlich unübersichtlich für so ein wichtiges Gesetz mit 70% Zustimmung in der Bevölkerung,

    dass bei den Republikanern die Ablehnung doppelt so hoch ist wie bei den Demokraten spricht für deren Auffassung,
    und da schreiben manche noch dass nur die Medien die Demokraten hypen.., hier ein Beleg, nicht dass es nicht schon genug gäbe

    -----

    die Wahl mit der Mehrheit der Stimmen wäre allerdings auch nur halbe Miete, so wie 1992 mit Sieg bei 43% für Clinton gegenüber 37,5% Bush + 18,9% Perot kann es letzlich auch nicht sein,
    es braucht mehrere Wahlgänge bis zur Stichwahl,

    ansonsten ist eine Aufsplittung wie etwa Grüne Partei in Deutschland fast unmöglich, alle 'Aufrechten' sind zu den Demokraten verdammt

    Eine Leserempfehlung
  2. -Irankrieg-Niederlage der USA
    -Zweiter 9/11
    -Handelskrieg mit China
    -Dollar- und Fiskal-Totalschaden
    -Wirtschaftliche Stagnation wie seit 20 Jahren in Japan
    -Selbstgebackene Klimakatastrophen
    -Soziale Unruhen wie in der Sowjetunion
    -Ständige Kriesgszündelei
    -Militärische Niederlage in Nahost
    -Militärische Niederlage in Afrika

    3 Leserempfehlungen
    • Suryo
    • 06. November 2012 12:17 Uhr

    Wozu Fakten? Die Meinungen vieler ZEIT-Foristen zu den USA sind doch dadurch ohnehin nicht zu erschüttern. Vielen gelten die USA ja als das Böse schlechthin. Man braucht sich doch nur die Kommentare unter einem beliebigen Artikel zu Syrien, Iran, China, oder Russland anzuschauen, um festzustellen, daß es genug Zeitgenossen gibt, für die die erwähnten Länder im Vergleich zu Amerika nicht nur das kleinere Übel, sondern nachgerade Bastionen der ethischen und verantwortungsvollen Politik darstellen...

    Eine Leserempfehlung
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    • Slater
    • 06. November 2012 12:36 Uhr

    glaube kaum dass dort Syrien & Co. gelobt werden,
    vielmehr ist es so wie bei Steinbrück und CDU:

    über die bekannt schlechten muss man gar nicht erst groß Worte verlieren, deren Stand ist bekannt, deren Unterstützung außer Frage,
    aber gerade da wo die richtigen zuhörenden Menschen sitzen, wo das eigene entschieden wird, da ist es umso wichtiger in Nuancen zu justieren

    USA sind gegenüber Europa Kriegstreiber, Romney gegenüber Obama noch zwei Ebenen schlechter, aber selbst Romney gegenüber Putin & Co. eine weiße Weste,

    nicht unbedingt menschlich, alle Länder der Erde haben letzlich dieselben Figuren, wobei Bildung/ Erziehung ein wenig mäßigt,
    hauptsächlich ist es aber der gesellschaftliche Grad der Kontrolle/ des Rechts, der entscheidet, ob jemand nur mit Banken andere ruiniert oder schlimmeres..

    (ohne jetzt totale Kontrolle eines Polizeistaates zu fordern, da gibt es auch wieder diese Nuancen..)

  3. Nach meiner Auffassung darf es nur darum gehen, neue Kriege oder vergleichbare Eskalation durch diplomatisches Geschick zu vermeiden. Das dürfte nach meiner unmaßgeblichen Meinung eher Barack Obama gelingen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, tk
  • Schlagworte Präsident | Repräsentantenhaus | Ross Perot | Swing | US-Präsident | USA
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