US-Wahl Warum ich Romney liebe und Obama wähle

Unser US-Kolumnist Eric T. Hansen hat sich entschieden – schweren Herzens: In Mitt Romney sieht er das gute alte Amerika, Barack Obama ist sein Präsident für die Zukunft.

Selbst in Singapur kommt man nicht an der US-Wahl vorbei: Bei "Billy Bombers" können die Gäste abstimmen, indem sie den Obama-Burger oder den Romney-Fleischklops bestellen.

Selbst in Singapur kommt man nicht an der US-Wahl vorbei: Bei "Billy Bombers" können die Gäste abstimmen, indem sie den Obama-Burger oder den Romney-Fleischklops bestellen.

Damals war die Welt noch in Ordnung: Der Mittelstand war stark, Frauen konnten noch kochen, Männer Geld verdienen. Familien waren noch intakt, in der Garage stand ein Auto für ihn und eins für sie. Sonntags ging man in die Kirche, gut und böse, schwarz und weiß waren noch sauber getrennt.

Ich rede natürlich von den Fünfzigern. Das nennen wir Amerikaner die Eisenhower-Ära, nach dem deutschstämmigen Präsidenten, der zur Zeit des amerikanischen Wirtschaftswunders amtierte. Das ist die Zeit, für die Mitt Romney steht wie kein anderer.

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Er frisiert sich wie eine Figur aus der Fernsehserie Mad Men, seine Frau kann mit Sicherheit kochen, er hat mindestens zwei Wagen in der Garage stehen. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle, dass er regelmäßig in die Kirche geht. Und sein Kinn! Haben Sie sein Kinn gesehen? Das nennen wir ein presidential chin. Wäre das echte Leben ein Comic, wäre Romney jetzt schon Präsident.

Wenn Amerikaner und Europäer vom Tod der Mittelklasse und vom Abstieg der USA sprechen – oder gar, wie eine große Zeitschrift kürzlich hoffnungsvoll verkündete, vom "Untergang eines großen Landes" –, meinen sie damit diese Glanzzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Es war eine Phase voller Fortschrittsglaube, Optimismus und Pioniergeist, geprägt von der starken Mittelklasse, die jetzt verschwindet – und eigentlich nicht mehr als ein flüchtiger Augenblick im Lauf unserer Geschichte.

Wir wissen nicht, wo das Arbeitsamt ist

Trotzdem ist es schwierig, sich ein anderes Amerika vorzustellen. Selbst die vielen Deutschen, die heute den Untergang der USA vorhersagen, hängen noch an diesem nostalgischen Amerikabild. Ich glaube, wären die Deutschen Amerikaner, müssten sie alle Romney wählen.  

Denn genau da setzt Romney an. Er hat nämlich ein Zaubermittel, mit dem er diese Zeit zurückrufen will: amerikanische Werte.

Eric T. Hansen

Eric T. Hansen ist Amerikaner, Buchautor (Planet Germany) und Satiriker, der sein halbes Leben in Deutschland lebte, heute in Berlin. Sein neues Buch Planet America ist im September erschienen. Auf ZEIT ONLINE erklärt er einmal in der Woche die Eigenheiten seiner Heimat.

Dieser Wahlkampf drehte sich nicht um Inhalte, sondern rein um Werte: Familiensinn, Gläubigkeit und Eigenständigkeit zum Beispiel. Auch ich liebe diese Traditionen: Sie sind nicht aus der Luft gegriffen, sind keine bloße Rhetorik, sie sind Teil eines jeden Amerikaners, ob er will oder nicht, und Romney versteht das besser als Obama.

Als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam, war ich bestürzt: Schon junge Menschen wussten genau, wie sie Arbeitslosengeld und Sozialunterstützung von Staat bekommen. Wer einen Job suchte, ging gleich zum Arbeitsamt. Man stelle sich das vor: Der uralte amerikanische Brauch, einfach die gelben Seiten aufzuschlagen und die Firmen anzurufen, für die man arbeiten wollte, war hier völlig unbekannt!

Wir Amerikaner wissen nicht mal, wo das Arbeitsamt ist und was es genau macht, bis wir völlig am Boden liegen. Selbst dann tun wir uns schwer, dorthin zu gehen: Hilfe vom Staat anzunehmen, ist eine Art moralische Kastration. Das versteht Romney.

Amerika soll nicht Europa werden

Wir Amis – wir alle, nicht nur ein paar ominöse Schmarotzer irgendwo – sind jedoch mit der Zeit immer abhängiger vom Staat geworden. Das geht mir, wie vielen meiner Landsleute, gegen den Strich. Ich will nicht, dass mein Amerika am Ende noch solche Gewohnheiten annimmt wie Europa. Ich will, dass wir unabhängig, eigenständig, eigensinnig, einfach eigen bleiben.

All das repräsentiert Romney. Barack Obama steht für etwas anderes.

Leser-Kommentare
  1. wollen wir hoffen, dass es hilft! Und statt Mondlandungen demnächst funktionierende Brücken, Eisenbahnen, öffentliche Gesundheitsvorsorge, Schulen etc. Think small!

    21 Leser-Empfehlungen
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    • Kilon
    • 06.11.2012 um 16:45 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Kommentaren zum konkreten Artikelinhalt. Danke. Die Redaktion/kvk

    Lese ich das richtig, ein Deutscher möchte die Amerikaner über funktionierende Eisenbahnen belehren? Schon mal von der deutschen Bundesbahn gehöhrt? Das letzte Mal blieb ich mit ihr in einen Tunnel stecken. In Kalifornien überstehen die Brücken übrigens Beben der Stärke 5 regelmäßig - da muss man nicht Wissenschaftler verklagen, wenn sie mit den Vorhersagen danebenliegen, wie im alten Europa. Etwas vorsichtiger argumentieren, insbesondere wenn man im Glashaus Europa sitzt, dass sich ja derzeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

    Das Problem mit derartigen Aussagen ist doch wohl eher der ewige europäische Minderwertigkeitskomplex gegenüber den USA, sodass man sich zunehmend verzweifelter den vermeintlichen Untergang Amerikas herbeiredet, umso schwieriger die Euro Krise, PISA Krise, Gesundheitskrise, Rentenkrise, etc werden. Im übrigen nannte man 7.5% Arbeitslosigkeit in Deutschland vor wenigen Jahren schon einen Aufschwung - so unterschiedlich sind die Maßstäbe.

    Ich stimme dem Author zu - sowohl Romney als auch Obama wären gute Präsidenten. Doch auch ich werde heute Abend Obama wählen - er steht für eine Zukunft die Europa noch nicht einmal erahnen kann.

    Tjaja die gute alte Deutsche Bundesbahn, die es seit 1994 schon nicht mehr gibt. So ist das wenn man nicht informiert ist. Aber das kennt man ja von unseren amerikanischen Freunden. Da wird auch schon mal der Iran mit dem Irak verwechselt.
    Aber mal im Ernst, wenn die USA ein so gut ausgebautes Netz an Bahn, Autobahn etc. hätten wären sie sicher nicht unglücklich, oder?
    Aber wendet euch mal schön von allem was euch einengt. Ich verspüre keinen Minderwertigkeitskomplex einem Land gegenüber, dass keine Gesundheitskrise haben kann, weil es kein vernünftiges Gesundheitssytem habt, das keine Rentenkrise haben kann, weil es kein vernünftiges Rentensystem hat und dass schon überhaupt keine Währungskrise hat, weil die Nationalbank Geld druckt, bis der Dollar nix mehr wert ist.
    Aber ich würde auch Obama wählen.

    • Kilon
    • 06.11.2012 um 16:45 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Kommentaren zum konkreten Artikelinhalt. Danke. Die Redaktion/kvk

    Lese ich das richtig, ein Deutscher möchte die Amerikaner über funktionierende Eisenbahnen belehren? Schon mal von der deutschen Bundesbahn gehöhrt? Das letzte Mal blieb ich mit ihr in einen Tunnel stecken. In Kalifornien überstehen die Brücken übrigens Beben der Stärke 5 regelmäßig - da muss man nicht Wissenschaftler verklagen, wenn sie mit den Vorhersagen danebenliegen, wie im alten Europa. Etwas vorsichtiger argumentieren, insbesondere wenn man im Glashaus Europa sitzt, dass sich ja derzeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

    Das Problem mit derartigen Aussagen ist doch wohl eher der ewige europäische Minderwertigkeitskomplex gegenüber den USA, sodass man sich zunehmend verzweifelter den vermeintlichen Untergang Amerikas herbeiredet, umso schwieriger die Euro Krise, PISA Krise, Gesundheitskrise, Rentenkrise, etc werden. Im übrigen nannte man 7.5% Arbeitslosigkeit in Deutschland vor wenigen Jahren schon einen Aufschwung - so unterschiedlich sind die Maßstäbe.

    Ich stimme dem Author zu - sowohl Romney als auch Obama wären gute Präsidenten. Doch auch ich werde heute Abend Obama wählen - er steht für eine Zukunft die Europa noch nicht einmal erahnen kann.

    Tjaja die gute alte Deutsche Bundesbahn, die es seit 1994 schon nicht mehr gibt. So ist das wenn man nicht informiert ist. Aber das kennt man ja von unseren amerikanischen Freunden. Da wird auch schon mal der Iran mit dem Irak verwechselt.
    Aber mal im Ernst, wenn die USA ein so gut ausgebautes Netz an Bahn, Autobahn etc. hätten wären sie sicher nicht unglücklich, oder?
    Aber wendet euch mal schön von allem was euch einengt. Ich verspüre keinen Minderwertigkeitskomplex einem Land gegenüber, dass keine Gesundheitskrise haben kann, weil es kein vernünftiges Gesundheitssytem habt, das keine Rentenkrise haben kann, weil es kein vernünftiges Rentensystem hat und dass schon überhaupt keine Währungskrise hat, weil die Nationalbank Geld druckt, bis der Dollar nix mehr wert ist.
    Aber ich würde auch Obama wählen.

    • TDU
    • 06.11.2012 um 15:57 Uhr

    "Auch das ist übrigens ein alter amerikanischer Wert: der Glaube an die Zukunft und den Fortschritt."

    Da ist es, was im Gegensatz zur USA, die Vorteile der 68iger und Hippie Generation sind auch hierulande unbestreitbar, Deutschland verloren gegangen ist.

    4 Leser-Empfehlungen
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    • R_IP
    • 06.11.2012 um 20:01 Uhr

    wer denn den sog. >Fortschritt< untergräbt. Die durchaus arbeitswillige deutsche Bevölkerung ist es jedenfalls nicht....

    Wie ich schon einmal schrieb: Immer diese neoliberalen Kommentare von TDU, tse tse tse....

    • R_IP
    • 06.11.2012 um 20:01 Uhr

    wer denn den sog. >Fortschritt< untergräbt. Die durchaus arbeitswillige deutsche Bevölkerung ist es jedenfalls nicht....

    Wie ich schon einmal schrieb: Immer diese neoliberalen Kommentare von TDU, tse tse tse....

  2. 3. Kritik

    Ich kaufe das nicht ab, dass die Amerikaner nicht wie Europa werden wollen. In erster Linie geht es ums ganze Gegenteil: viele Amerikaner hassen Veränderung. Sie widersprechen ihrem eigenen 'Pioniergeist', mit dem Jahrzehnt für Jahrzehnt nur die Erfolge, nicht aber Schweiß, Blut und Tränen gemeint waren, die zu diesen führten. Obama steht für letzteres: er zielt auf gutes Regieren ab, und das hat an sich nichts mit einer Stärkung des Staates zu tun. Im Grunde gibt es so etwas wie starke Staaten gar nicht. Nur Machtsmissbrauch oder eben good governance. Die Nazis, Islamfaschisten oder die Ronald Reagans und George Bush Jrs dieser Welt haben alle entweder ihre Macht missbraucht oder schlicht nicht gut regiert. Dass sich ein solcher in Amerika auf ein freies Land beruft, ist ein billiger Trick. Dass so viele Amerikaner darauf reinfallen ist hingegen sehr enttäuschend.

    Und Kritik üben möchte ich auch am hier benutzten Begriff 'Schmarotzer'. Sowas kann man in Theaterstücke einbauen, aber nicht in einen politischen Artikel. So etwas wie Schmarotzen gibt es nicht. Wenn ein Mensch Hilfe braucht, dann gib ihm Hilfe, aber nicht zum Preis seiner Freiheit - das schiene mir eine viel bescheidenere Denkweise zu sein, auch als Kritik an überbordender Sozial-Verwaltungsstaatlichkeit geeigneter.

    16 Leser-Empfehlungen
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    ... Sie haben noch nie mit einem Amerikaner gesprochen.

    • birba
    • 06.11.2012 um 16:47 Uhr

    "Viele Amerikaner" und weiss, dass was jetzt kommt nur allgemeiner Vorurteilsquatsch ist.
    Man nennt das auch passive voice.

    ... Sie haben noch nie mit einem Amerikaner gesprochen.

    • birba
    • 06.11.2012 um 16:47 Uhr

    "Viele Amerikaner" und weiss, dass was jetzt kommt nur allgemeiner Vorurteilsquatsch ist.
    Man nennt das auch passive voice.

    • xpeten
    • 06.11.2012 um 16:01 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich konstruktiv. Danke. Die Redaktion/kvk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    seh ich´s grad. "schwarz und weiß" waren noch sauber getrennt. igitt... furchtbarer Satz, bitte diesen Unsinn streichen. Ironie da deplatziert.

    Das hat er doch sarkastisch gemeint. Und satirisch trifft er damit einen Knackpunkt konservativer Befindlichkeit.
    Auf unsere Gesellschaft übertragen, könnte so ein Widersprüchlichkeit und Irrwitz konservativer Klischees enttarnender Spruch lauten:
    "... und es gab noch keine Gastarbeiter".
    Gruss, sk

    seh ich´s grad. "schwarz und weiß" waren noch sauber getrennt. igitt... furchtbarer Satz, bitte diesen Unsinn streichen. Ironie da deplatziert.

    Das hat er doch sarkastisch gemeint. Und satirisch trifft er damit einen Knackpunkt konservativer Befindlichkeit.
    Auf unsere Gesellschaft übertragen, könnte so ein Widersprüchlichkeit und Irrwitz konservativer Klischees enttarnender Spruch lauten:
    "... und es gab noch keine Gastarbeiter".
    Gruss, sk

  3. Eric T. Hansen: "Wir Amerikaner wissen nicht mal, wo das Arbeitsamt ist und was es genau macht"

    Kann ja vorkommen, wissen manchmal Asiaten, Afrikaner oder Europäer auch nicht.

    Aber wenn US-Amerikaner noch nicht mal wissen, dass Amerika ein Kontinent ist, so ungefähr zwischen Süd- und Nordpool gelegen, und die USA nur ein Teil davon, dann muss man sich schon Gedanken machen.

    22 Leser-Empfehlungen
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    • Psy03
    • 06.11.2012 um 16:34 Uhr

    "Wir Amerikaner wissen nicht mal, wo das Arbeitsamt ist und was es genau macht"

    But soon you all will be, wenn es so weiter geht.
    Und da ist es egal ob Mit(t) Romney, oder ohne ihn.

    > Aber wenn US-Amerikaner noch nicht mal wissen,
    > dass Amerika ein Kontinent ist, ....

    Natürlich wissen die das. Ich weiß es auch und spreche trotzdem von Amerikanern, wenn ich Menschen aus den USA meine. Sonst würde ich von Kanadiern, Mexikanern oder Brasilianern sprechen. Die Marotte, auf das "US" vor "Amerikanern" zu bestehen, sehe ich bei anderen Völkern nicht, etwa bei den Briten. Also tun nicht die Amerikaner etwas anders als andere, sondern zunächst einmal wir "always very opinionated* Germans".

    * gemeint ist: besserwissend, an Arroganz zumindest grenzend

    Man kann nur hoffen, daß diese Art Leserbriefe und ihre Befürworter nicht die geistige Verfassung meiner Landsleute repräsentativ widerspiegeln.

    • Psy03
    • 06.11.2012 um 16:34 Uhr

    "Wir Amerikaner wissen nicht mal, wo das Arbeitsamt ist und was es genau macht"

    But soon you all will be, wenn es so weiter geht.
    Und da ist es egal ob Mit(t) Romney, oder ohne ihn.

    > Aber wenn US-Amerikaner noch nicht mal wissen,
    > dass Amerika ein Kontinent ist, ....

    Natürlich wissen die das. Ich weiß es auch und spreche trotzdem von Amerikanern, wenn ich Menschen aus den USA meine. Sonst würde ich von Kanadiern, Mexikanern oder Brasilianern sprechen. Die Marotte, auf das "US" vor "Amerikanern" zu bestehen, sehe ich bei anderen Völkern nicht, etwa bei den Briten. Also tun nicht die Amerikaner etwas anders als andere, sondern zunächst einmal wir "always very opinionated* Germans".

    * gemeint ist: besserwissend, an Arroganz zumindest grenzend

    Man kann nur hoffen, daß diese Art Leserbriefe und ihre Befürworter nicht die geistige Verfassung meiner Landsleute repräsentativ widerspiegeln.

  4. bitte an die Republikaner, die du fast um ein Haar gewählt hast- "für die Zukunft" oder was auch immer daraus werden würde darunter.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Eric, oje"
  5. 8. lieber

    "Zurück in die Zukunft" dann nochmal anschauen. Teil 2.

    Eine Leser-Empfehlung

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