US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney haben am Samstag in zahlreichen Kundgebungen ihren Kontrahenten attackiert. Angesichts der Umfragen, die Obama derzeit einen leichten Vorsprung geben , war vor allem der Republikaner Romney bemüht, noch schwankende Wechselwähler für sich zu gewinnen. Der demokratische Präsident versuchte eher, seine möglicherweise enttäuschten Anhänger von 2008 zu mobilisieren.

Obama startete in Ohio . Es folgten weitere Auftritte in den Bundesstaaten Wisconsin , Iowa und Virginia. Vor 20.000 Anhängern in Milwaukee (Wisconsin) griff er das Motto seines Wahlkampfes 2008 auf – "change". Romney verstehe unter Wandel, die Fakten zu verdrehen, wenn sie nicht zu seinem Wahlkampf passten, sagte Obama. Er hingegen halte seine Versprechen. Romney sei ein talentierter Geschäftsmann und versuche, "die gleichen alten Ideen, die nicht funktionieren, neu zu verpacken und diese dann als den Wandel darzustellen".

In Bristow (Virginia) trat Bill Clinton an der Seite von Obama auf und sagte: "Ich habe meine Stimme in den Dienst meines Präsidenten gestellt." In einer Rede vor 24.000 Menschen verwies der ehemalige US-Präsident auf Erfolge in der Wirtschaftspolitik in den vergangenen vier Jahren; Obama habe mit schlechten Karten gute Arbeit geleistet.

Mitt Romney trat in New Hampshire, Iowa und Colorado auf. Er präsentierte sich als Mann des Ausgleichs, der die Nation einen wolle: "Ich werde nicht nur eine Partei repräsentieren, ich werde eine Nation repräsentieren." Obama werde dagegen im Fall seiner Wiederwahl nicht bereit sein, mit den Republikanern im Kongress zusammenzuarbeiten. Romney warf Obama vor, seine politischen Gegner zu "dämonisieren". In Colorado Springs sagte der Herausforderer, der kommende Dienstag sei der Moment, in die Zukunft zu schauen und sich vorzustellen, "wie wir die vergangenen vier Jahre hinter uns lassen können".

"Der Präsident hat seine Chance nicht genutzt"

Romney richtete seine Botschaft offensichtlich auch an ehemalige Obama-Wähler: "Der Präsident hat seine Chance gehabt. Er hat sie nicht genutzt." Obama war hingegen bemüht, seine demokratische Parteibasis neu zu begeistern: "Ich bin noch lange nicht müde. Ich habe noch viel Kampfeslust in mir."

Der Kampf um die sogenannten Battleground States, also die Staaten, in denen es keine klaren Mehrheiten gibt, spiegelte sich auch in den Reiserouten der beiden Kandidaten wider: Sie kreuzten sich am Samstag wiederholt. In Iowa traten Romney und Obama sogar nur wenige Kilometer entfernt voneinander auf.

Am Sonntag reist Obama nach New Hampshire, Florida , Colorado und erneut Ohio. In den meisten dieser Staaten hat er derzeit einen dünnen Vorsprung . Romney will am Sonntag in Iowa, Ohio, Pennsylvania und Virginia auftreten.

Der Nachrichtensender CNN sieht basierend auf Umfragen derzeit 237 Wahlmännerstimmen fest in der Hand von Obama. Romney kann demnach nur 206 Stimmen sicher einplanen. Den Ausschlag geben die Swing States Iowa, Ohio, New Hampshire, Wisconsin, Virginia, Colorado, Nevada und Florida.

Die zentrale Rolle könnte Ohio im Mittleren Westen spielen: Sollte Obama dort gewinnen, müsste Romney praktisch alle anderen Swing States für sich entscheiden, um ins Weiße Haus einziehen zu können. Die Umfragen sehen Obama in Ohio durchweg vor Romney: Im Schnitt beträgt sein Vorsprung nach Angaben der Wahlwebsite Realclearpolitics fast drei Prozentpunkte.

Verzögerung durch ausfallende Postdienste

US-Medien spekulieren, es könne Tage dauern, bis das Endergebnis feststeht. Ein sehr knappes Resultat könnte Neuauszählungen in einzelnen Staaten erzwingen, außerdem drohen die Auswirkungen des Hurrikans Sandy die Wahl zu behindern. Wegen Ausfällen der Postdienste dürfte es in den besonders hart betroffenen Gebieten an der Ostküste zu Verzögerungen bei der Auslieferung von Briefwahl-Stimmen kommen.

Nach Angaben des Senders CNN will der Bundesstaat New Jersey Wählern, die vom Sturm vertrieben worden sind, ausnahmsweise erlauben, per Fax oder E-Mail abzustimmen. Das sei bisher nur entfernt eingesetzten Militärangehörigen möglich gewesen und könne zu Komplikationen führen, sagten Experten dem TV-Sender.