MilitärprozessWikiLeaks-Informant Manning dachte an Selbstmord

Erstmals hat sich der mutmaßliche WikiLeaks-Informant vor Gericht zu seinen Haftbedingungen geäußert. Der US-Justiz wirft er Misshandlung vor. von afp, dpa und

Bradley E. Manning vor der Anhörung in Fort Meade

Bradley E. Manning vor der Anhörung in Fort Meade  |  © Mark Wilson/Getty Images

Der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning hat sich erstmals seit seiner Festnahme öffentlich geäußert. Vor einem Militärgericht in Fort Meade im US-Bundesstaat Maryland prangerte er die Haftbedingungen nach seiner Festnahme im Mai 2010 an und erhob schwere Vorwürfe gegen die US-Justiz.

Er habe sich wie ein Tier im Käfig gefühlt und häufig "an Selbstmord gedacht", sagte der 24-Jährige in der Anhörung. "Ich erinnere mich, dass ich gedacht habe, dass ich sterben muss."

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Dem Soldaten wird vorgeworfen, geheime US-Militärdokumente zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan sowie rund 260.000 vertrauliche diplomatische Depeschen an WikiLeaks weitergegeben zu haben. Er soll die geheimen Informationen während seiner Stationierung im Irak von Militärrechnern heruntergeladen haben.

Irak, Kuwait und Virginia

Manning war im Irak festgenommen und zunächst rund zwei Monate in Kuwait festgehalten worden. Danach verbrachte er neun Monate in Einzelhaft in einem Militärgefängnis in Quantico in Virginia, bevor er schließlich unter etwas gelockerten Haftbedingungen in ein Gefängnis in Kansas verlegt wurde.

Medien beschrieben Manning bei seiner Aussage als blassen jungen Mann, dessen Stimme immer wieder zitterte. Er sagte, in Kuwait sei er in einer 1,80 mal 2,40 Meter großen Zelle eingesperrt und völlig von der Außenwelt abgeschnitten gewesen. Immer wieder sei seine Zelle durchsucht und verwüstet worden. "Meine Welt brach zusammen, ich begann, völlig aus dem Gleichgewicht zu geraten", sagte er.

In Quantico sei er täglich 21, manchmal auch 23 Stunden ohne jede Gesellschaft gewesen, schilderte Manning. Anfangs habe man ihm seine Brille weggenommen, ohne die er nicht sehen könne. Wenn er geschlafen habe, dann immer mit Licht außen vom Flur in seinen Augen. Um Toilettenpapier habe er jedes Mal bitten müssen – es sei ihm in seiner Zelle verweigert worden, nachdem ein anderer Häftling es gezielt gekaut und sich dadurch erstickt habe.

Leserkommentare
  1. Eine Gesellschaft, die ihre Häftlinge foltert und demütigt kann ich nicht als zivilisiert bezeichnen.

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    Fragt sich nur welche Gesellschaft auf diesen Planeten das nicht tut...

  2. Eine Gesellschaft, die Häftlinge foltert, die Kriegsverbrechen offenlegen kann ich nicht als zivilisiert bezeichnen.

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    Tja, hätte er "nur" Kriegsverbrechen offengelegt, würde es gar nicht so schlimm um ihn stehen bzw. könnte man weit schwieriger gegen ihn vorgehen. Da er aber nebenbei auch noch Landesverrat begann, in dem er geheime Papiere etc. quasi dem Feind zugespielt hat & damit viele Leben mindestens gefährdete, sieht das ganze schon wieder anders aus.

    Er hätte das Material vielleicht vorher mal sichten sollen, was er da so alles verschickt hatte...

    Klar ist Folter nicht OK, aber war doch klar das die ihm nicht nur auf die Finger hauen werden.

  3. Wenn man angesichts dessen froh ist, in Deutschland zu wohnen, dann weiß man, wie schlecht es mit der Welt steht.

    2 Leserempfehlungen
  4. Bruder angreift und plaudert der hat kein so schönes Verfahren.
    Erinnert an Weißrußland und Rußland und eigentlich nicht an die USA.
    Wobei das Alter des Häftlings doch sicherlich auch schon etwas aussagt zu dem Thema, er erscheint nicht unbedingt als ein berechnender Spion, eher als ein Verführter.

    Eine Leserempfehlung
    • Gallier
    • 30. November 2012 18:54 Uhr

    Wer die Vereinigten Staaten von Amerika als zivilisiertes Land begreift hat in den letzten fünfzig Jahren geschlafen.

    3 Leserempfehlungen
  5. Bradley Manning ist ein echer Patriot. Er hat die Kriegsverbrechen seiner Regierung aufgedeckt um dem Land die Chance auf eine moralische Wende zu bieten, das offfensichtlich Recht und Unrecht nicht mehr unterscheiden kann.

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    • SuR_LK
    • 30. November 2012 19:46 Uhr

    Nicht Mannings ist hier der Feind der geheimes Material veröffentlicht sondern Teile der Regierung/des Militärs stehen konträr zum amerikanischen Volk.

    • SuR_LK
    • 30. November 2012 19:46 Uhr

    Nicht Mannings ist hier der Feind der geheimes Material veröffentlicht sondern Teile der Regierung/des Militärs stehen konträr zum amerikanischen Volk.

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    Antwort auf "Patriotische Geste!"
  6. Er hätte den Friedensnobelpreis verdient, nicht sein Kriegstreibender Präsident oder die EU...

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    Absolut richtig. Ich habe hier oft den Fall Bradley Manning vorgetragen, weil seine Tat ausserdordentlich mutig und selbstlos ist und er es nicht verdient hat, in Vergessenheit zu geraten, auch gerasde deshalb, weil ihm im Foltergefänfnis in den USA jene Rechte genommen werden, welche die USA angeblich weltweit mit genau jenen militärischen Mitteln verbreiten, die Manning aufgedeckt hat!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte Selbstmord | Brille | Folter | Irak | US-Medien | Unterwäsche
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