GroßbritannienDie Briten brauchen Europa
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Ein EU-Austritt käme die Briten teuer zu stehen

Wenn Staaten ihre Souveränität bündeln, sind sie stärker als wenn jeder für sich alleine kämpft. Wie soll eine relativ kleine Nation wie Großbritannien im Alleingang günstige Handelsabkommen mit Riesen wie China oder den USA abschließen? Dagegen verkehrt die EU als Wirtschaftsraum mit 550 Millionen Einwohnern in einer viel stärkeren Verhandlungsposition. Die Annahme, Großbritannien käme in Verhandlungen ohne die Schlagkraft der EU aus, ist wirklichkeitsfremd. Genauso wenig könnte Großbritannien seine Interessen bei der WTO alleine durchsetzten.

Seit Großbritannien der Europäischen Gemeinschaft 1973 beitrat, ist der Handel mit den anderen EU-Mitgliedsstaaten um 3,3 Prozent gestiegen. Außerhalb der EU wuchs der Handel dagegen um nur 1,3 Prozent. 48 Prozent aller britischen Güter- und Dienstleistungsexporte gehen heute in die Europäische Union. Wohl kaum würde ein EU-Austritt Großbritanniens das Ende des Handels mit den verbleibenden EU-Staaten bedeuten. Sogar die größten Euro-Skeptiker plädieren daher dafür, den Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu erhalten. Doch selbst in diesem Szenario blieben die Kosten für einen Austritt hoch.

Würde der Handel wie im Fall Norwegens über ein Abkommen im Rahmen des Europäischen Wirtschaftsraums geregelt, müsste Großbritannien die gültigen EU-Regeln zum Binnenmarkt akzeptieren – ohne diese jedoch wie bisher mitbestimmen zu können. Stattdessen könnten sich die Briten auch für eine Reihe maßgeschneiderter Abkommen starkmachen, wie sie zwischen der EU und der Schweiz existieren. Doch auch diese Lösung hat Nachteile. So kann zum Beispiel jedes EU-Land all seine Waren in der Schweiz verkaufen. Umgekehrt darf die Schweiz aber nicht alle Produkte in der EU auf den Markt bringen.

Keines dieser Austrittsszenarien bliebe außerdem ohne hohe finanzielle Kosten. Für den Zugang zum Binnenmarkt müssten die Briten wahrscheinlich eine ähnliche Abgabe an die EU zahlen wie die Schweiz und Norwegen. Die vier Milliarden Euro, um die es dabei voraussichtlich ginge, entsprächen fast der Hälfte des heutigen EU-Beitrags Großbritanniens als vollwertiges Mitglied.

Die zukünftige Führungsmacht der EU?

Brauchen die Briten Europa? Ökonomisch betrachtet, ist die Lage eindeutig. Natürlich sollte das Vereinigte Königreich neue, wachsende Märkte nicht aus dem Auge verlieren. Doch das bedeutet nicht, dass es der EU dafür den Rücken kehren darf. Denn das wäre nichts Geringeres als ökonomischer Selbstmord.

Gleichzeitig ist die EU mehr als eine Zollunion. Sie repräsentiert eine politische Entscheidung und eine geopolitische Chance. Was die britischen Euro-Skeptiker sich vielleicht nicht realisieren, ist, dass ihr Land 2050 die größte Bevölkerung aller EU-Staaten zählen könnte – vorausgesetzt die Türkei tritt bis dahin nicht bei. In dieser Position hätte Großbritannien also wahrscheinlich auch politisch die wichtigste Stimme in der EU.

Gründe für eine führende Rolle Großbritanniens in der EU gibt es genug. Viele neuere EU-Mitglieder fühlen sich vom heutigen franko-deutschen Zentrum ausgeschlossen und hegen daher eine gewisse Skepsis gegenüber dieser Konstellation. Dem Vereinigten Königreich mit seinen Traditionen und Überzeugungen stehen diese Länder dagegen sehr positiv gegenüber. Dank dieses Vertrauens, aber auch dank ihrer internationalen Verbindungen und Privilegien, hätten die Briten das Zeug, die erste unter gleichen Nationen – und damit Europas herausragende Kraft zu werden.

Diese Möglichkeit ist weitaus wahrscheinlicher als jede andere vermeintliche Vision globalen Einflusses für Großbritannien. Die Briten sollten sie nicht leichtherzig verspielen.

Aus dem Englischen von Stefanie Schütten

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Leserkommentare
    • Kosubek
    • 19. Dezember 2012 10:45 Uhr
    1. [...]

    Die EU geht gerade mächtig unter und die Briten täten gut daran, das sinkende Schiff schnellstmöglich zu verlassen.

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    8 Leserempfehlungen
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    Nichts könnte falscher sein, als Ihre Aussage, die EU entwickelt sich geradezu rasend zu dem integrierten und vereinten Europa, daß ich mir von jeher wünsche, das es so schnell geht, war aber nicht abzusehen.

    wie die briten moechte ich sagen.allerdings mit dem unterschied dass sie wissen sollten dass die eu nicht untergeht. das problem mit gb ist, dass die bevoelkerung noch stets in dimensionen des britischen weltreiches denkt. sie wissen im allgemeinen sehr wenig bzw. nichts ueber europa. gb ist, gem.der britischen medienlandschaft und de bewohner gb noch stets der nabel der welt. die britische wirtschaft stellt, ohne den finanzmarkt london, nichts vor. ohne europa waehre gb ein dritte-welt-land.

  1. 2. Die EU

    sollte keine Bananenrepubliken wie die notorischen Steuerhinterzieher-Griechen oder neofeudale Monarchien wie England in Ihren Reihen dulden. Es wird Zeit eine gewisse Prinzipeintreue zu demonstrieren um die Glaubwürdigkeit zu stärken, dass die EU auf guten Absichten beruht.

    6 Leserempfehlungen
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    JA die EU sollte die Griechen nicht dulden, die EU sollte die Engländer nicht dulden, schon gar nicht sollte die EU die Schweiz dulden usw.

    NEIN !!!
    Diese Art EU sollte unter keinen Umständen geduldet werden.

    Was Sie den einzelnen Ländern vorwerfen ist in der EU viel stärker vorhanden als in den einzelnen Ländern.

    "Die Briten brauchen Europa"
    Was soll die Aussage? die Briten brauchen die EU? oder brauchen Sie Europa?

    Niemand braucht die EU ausser die Lobbys, die machen nämli8ch hervorragende Geschäfte mit der EU und bestimmen sogar die Gesetze dank den guten Kontakten zur EU.

    Welches Land braucht den kein anderes Land? Glaubt einer hier Deutschland braucht kein anderes Land? Wir sind alle von anderen abhängig, es gibt niemanden mehr der nicht von anderen abhängig ist.

    Die einzigen Folgen die ein Austritt aus der EU hat wären das der Beamten Moloch EU kein Geld mehr für seine Beamten ausgeben würde können.

    Die Fleisch Subventionen nicht mehr fliessen würden. Schluss endlich müsste jeder einzelne Bürger weniger Steuern zahlen.

    Die Frage die sich die EU Länder stellen müssten ist, will man wirklich fremdbestimmt unter einer EU Diktatur leben?

    Ich für mich
    NEIN.

    Die EU ist zu gross, zu Träge, zu unkontrollierbar, zu Demokratie feindlich. Die EU sollte nur in ganz begrenztem Rahmen operativ werden dürfen. Insbesondere nur Dinge regeln die sie selbst betrifft.

    Die Bananen Krümmung muss ja was ganz wichtiges sein, dass man dafür die EU braucht.

  2. Die EU (bzw. die EG) hat ohne Euro sehr gut funktioniert. Es ist verständlich, dass die Briten bei der Währungsunion nicht mitmachen wollen. Unverständlich ist allerdings die feindselige Haltung gegen jede Art von europäischer Integration.

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    Das britische Pfund hat gegenüber dem Euro seit 2002 um 40% an Wert verloren. Kluge Entscheidung der Briten, 2/5tel ihres Geldes in 10 Jahren zum Fenster hinaus zu werfen.
    Chapeau, die können rechnen - Sie auch!

    • Gerry10
    • 19. Dezember 2012 11:05 Uhr

    ...aber wird es im 21.Jahrhundert nicht Zeit länger als bis zur nächsten Wahl zu denken?
    Mittelfristig wäre es für Groß Britannien vielleicht doch besser nicht auf das "alte Europa" Rücksicht nehmen zu müssen?
    Wären sie nicht besser dran, auf ihrer Insel mit ihrer Inselmentalität wenn sie es allein versuchen?
    Die Welt hat über 200 Staaten, die EU 27, ich würde sagen die Chancen stehen nicht schlecht das es GB auch ohne die EU schafft.
    Aber es stimmt, der Anfang würde teuer werden - wenn man kurzfristig denkt....

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    Es verwundert mich doch sehr, wieso man ein gutes protestantisches Land auzs der EU rausschreiben will, während man die Franzosen und andere gerne drin behalten will.

    Frankreich ist ein schönes Land, der Claret ist gut der Käse auch und der "Chou" aber trotzdem, sollte man Britannien in Europa belassen.

    Die EU ist Großbritanniens größter Absatzmarkt. Alle haben von der EU profitiert und die EU hat alle zusammengebracht.

    Wenn man die politischen Erfolge nur auf nationales handeln zurückführt und die Misstände alleine der EU anrechnet bekommt man natürlich das Gefühl man würde ohne besser dastehen. Nur stimmen tut das nicht.

  3. hat schonmal mit seinem Austritt aus dem Euroraum gedroht sollte die EZB nicht drn Leitzins senken.

    2 Leserempfehlungen
    • H.v.T.
    • 19. Dezember 2012 11:13 Uhr

    eine Nation, eh schon bekanntermaßen eine mit imperialem Anspruch, nun auch noch "Führungsmacht der EU" werden soll?

    Und ich dachte mal, dass Endziel sei eine EU, in der alle Staaten auf Augenhöhe sind.

    Wir sind nicht dazu da, den Briten den imperialen Anspruch zu gestatten.

    10 Leserempfehlungen
  4. Ich frage mich immer wieder auf welchem Planeten die Leute Leben welche England so loben.
    Eine Wirtschaft außer Banken gibt es nicht...
    Der Lebensstandard ist erbärmlich - im Vergleich zu anderen europäischen Ländern...
    Und die aktuelle Regierung setzt auf eine Spaltung der Gesellschaft mit einer realitatsfernen Oberschicht für welche das restliche Volk am besten als Sklaven arbeitet...
    Dazu die ueberhebliche Sich auf die eigenen "Qualitäten"...

    Wenn England die EU verlaesst koennte es sicherlich für die EU hilfreich werden [...] Für England waere es der klar definierte Anfang vom Ende.

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    14 Leserempfehlungen
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    Was ist denn daran Unsachlich wenn man England als Qerulanten oder Problemfall bezeichent? England IST der Störenfried der EU - schon seit Tatcher.
    England zahlt zum Beispiel weniger in den EU Topf ein als andere Länder - wird bei der Ausschüttung gleich behandelt.
    Und als es vor kurzem um Plaene bezüglich derZukunft des europäischen Finanzsektors ging mussten die Briten blockieren.
    Ferner nimmt England gern aus Prinzip eine gegensätzliche Position in der EU ein - wozu auch immer.
    Zumindest haben die Engländer nichts zur Loesung der Europrobleme beigetragen, stellen aber gleichzeitig Anforderungen an den Rest Europas.

    Lebe hier als Deutsche mit einem Nicht-Briten seit einigen Jahrzehnten und bin manchmal erschrocken über die unverhohlene Überheblichkeit britischer Politiker u. sogenannte "Berichterstatter". Viele können es auch nicht ertragen daß Deutschland das "Powerhouse" Europas ist. Und man wird nicht müde immer wieder Themen aus der Nazi-Era auf den Tisch zu bringen und die Bevölkerung daran zu erinnern, daß man sich nicht schon wieder von Germany "bevormunden" läßt !?! The Fine "English Art" man kann ich hier ganz und gar nicht erkennen - im Gegenteil schmutzige Parolen und Kampagnen gegen Europa um die Mißzustände im eigenenen Land zu vertuschen !

    Lebe hier als Deutsche mit einem Nicht-Briten seit einigen Jahrzehnten und bin manchmal erschrocken über die unverhohlene Überheblichkeit britischer Politiker u. sogenannte "Berichterstatter". Viele können es auch nicht ertragen daß Deutschland das "Powerhouse" Europas ist. Und man wird nicht müde immer wieder Themen aus der Nazi-Era auf den Tisch zu bringen und die Bevölkerung daran zu erinnern, daß man sich nicht schon wieder von Germany "bevormunden" läßt !?! The Fine "English Art" man kann ich hier ganz und gar nicht erkennen - im Gegenteil schmutzige Parolen und Kampagnen gegen Europa um die Mißzustände im eigenenen Land zu vertuschen !

  5. darf also die "Wahren" an die Schweiz verkaufen? Ist ja ganz schon heftig. Dann behalten wir doch nur die Unwahren. Das würde allerdings erklären, warum die EU solche Probleme hat ;)

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Europa | Großbritannien | Europäische Union | David Cameron | Commonwealth | WTO
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