Flucht aus Syrien"Anfangs hat Ali nur geweint"
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Größter Exodus in der neueren Geschichte von Nahost

Vor drei Monaten gelang der Familie schließlich die Flucht nach Kairo. Das letzte Geld ging für die Flugtickets drauf und das übliche exorbitante Schmiergeld an die Geheimpolizei auf dem Flughafen von Damaskus . Sie alle gehören zu der Großfamilie Hadad aus Homs, die aus Angst um die Verwandtschaft daheim ihre richtigen Namen nicht in der Zeitung sehen will. Die ersten flohen bereits im Juni an den Nil . Seitdem kommen ständig weitere Angehörige und Nachbarn nach – inzwischen mehr als 120 Personen.

Zuletzt rettete sich im November eine achtköpfige Familie vor den permanenten Luftangriffen. Als 16-jähriger Teenager verhaftet, war der Vater 16 Jahre in dem berüchtigten Gefängnis von Palmyra als politischer Häftling eingesperrt. Nachts, wenn startende Flugzeuge vom nahen Kairoer Flughafen über das Haus donnern, wachen seine Kinder auf, weinen und sind kaum zu beruhigen. Diese Woche Montag um sechs Uhr früh strandete eine weitere Familie mit 18 Personen am Busbahnhof, die Hälfte Kinder.

Elf Tage hingen sie bei Regen und eisigem Wind an der syrisch-jordanischen Grenze fest, bis die jordanischen Posten sie endlich durchließen. In einer fünftägigen Odyssee schlugen sie sich nach Kairo durch – ohne Geld, nur mit ihren Kleidern am Leib. Eltern und Großeltern sind völlig am Ende ihrer Kräfte, die Kleinen so verängstigt, dass sie sich ständig aneinander an die Hände klammern und immer wieder in Tränen ausbrechen.

Jeden Job, den sie ergatternkönnen , machen die Flüchtlinge

Die Mieten für die inzwischen sieben Wohnungen am Stadtrand der ägyptischen Hauptstadt hat bisher die Katholische Kirchengemeinde St. Laurentius in Berlin aufgebracht, gesammelt durch Spenden in Deutschland. Doch die Mittel gehen zur Neige, jetzt wo in der Schlussphase des Assad-Regimes das Schlimmste noch bevorstehen könnte. Schon heute ist der Exodus aus Syrien die größte Flüchtlingskatastrophe in der modernen Geschichte des Nahen Ostens. Mehr als eine Million Menschen haben in den Nachbarländern Libanon , Türkei , Irak und Jordanien Zuflucht gesucht, täglich kommen 3.000 bis 5.000 neue hinzu. Allein 200.000 halten sich nach Schätzungen mittlerweile in Kairo auf, drei Viertel von ihnen Frauen und Kinder. Ganze Stadtteile am Rande der Mega-Metropole sind von Syrern bewohnt, die meisten stranden hier mit einem Koffer und ein paar Habseligkeiten – und das in einem Land, in dem selber Armut und Arbeitslosigkeit grassieren.

Jeden Job, den sie in Kairo ergattern können, machen die Flüchtlinge. Zwei sind bei einem Kioskbesitzer angestellt, verkaufen Nüsse und Bonbons. Einer arbeitet als Schneider, ein anderer als Friseur. Wieder andere haben in einer alten Backstube, die sie preiswert mieten konnten, eine kleine Kooperative gegründet. Rund um die Uhr in zwei Schichten wird hier gearbeitet – nachts der Kuchen, tagsüber die Plätzchen. Inzwischen fällt für alle sogar ein kleiner Lohn ab. Auch Saleh, der Vater von Ali und Asma, ist mit dabei. "Ich war mit den Nerven total am Ende, die Arbeit lenkt mich ab", sagt der 34-Jährige.

Zehn Stunden lang macht er jetzt Tag für Tag Halout Jabn, ein süßes Käsegebäck, auf das er sich besonders gut versteht. Seine Kinder haben ihn kürzlich zum ersten Mal besucht und zugeschaut, wie gekonnt der gelernte Bäcker den weißen Teig knetet, rollt und zupft. "Mein Vater ist klasse", freut sich der kleine Ali. "Er verdient jetzt unser Essen und wir müssen nicht mehr vom Betteln leben."

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Leserkommentare
  1. 1. So so,

    vier Onkel von Ali kämpfen bei der FSA.
    Da muss es Ali aber gar nicht wundern, dass - nicht nur für ihn - die Zustände in Syrien immer schlimmer werden und oft nur die Flucht bleibt.
    Und die Onkel müssten sich mal fragen, was sie da eigentlich tun. Scheint aber irgendwie zum Menschenschicksal zu gehören - das Leiden am selbstgeschaffenen Elend.

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    • Ndeko
    • 27. Dezember 2012 12:04 Uhr

    Ich finde Ihren Kommentar ekelerregend!

    Bei einem neunjährigen Kind von "selbstgemachtem Leid" zu sprechen, oder ihm entgegenzuschleudern, dass es sich "nicht wundern müsse", ist wirklich das Letzte!!!!

    Sind Sie nicht einmal in der Lage Mitleid für ein neunjähriges Kind aufzubringen, dessen Schicksal vom Krieg gezeichnet ist? Und wenn sein Vater und seine Mutter den Bürgerkrieg angefangen hätten, kann das Kind noch immer nichts dafür.

    Sie sollten sich schämen!!!

  2. 2. [...]

    Entfernt. Doppelposting. Danke, die Redaktion/jk

  3. ..Und was haben dazu getan, dass Sie sich selbstzufrieden in Ihrem bequemen Schreibtischstuhl räkeln können und ohne Angst und Not über das Elend der Kinder schwadronieren, die nun wirklich nichts dafür können?
    Natürlich muss man die gesamte Situation in NahOst sehen, aber solche Kommentare empfinde ich als zynisch und überheblich.

  4. Immer wieder interessant zu lesen, dass nur dass Assad-Regime Schuld haben soll, an dem Leid der Zivilisten.

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    ", dass nur das" sollte es heißen.

    • hf50
    • 20. Dezember 2012 20:13 Uhr

    Hier passt es wieder mal:

    Prinzipien der Kriegspropaganda
    (nach Lord Ponsonby)
    sind zum ersten Mal von dem 1871 geborenen britischen Diplomaten
    Lord Ponsonby systematisch dargestellt worden.

    Danach gelten folgende Regeln:

    1. Wir wollen keinen Krieg
    2. Das feindliche Lager trägt die alleinige Schuld am Krieg
    3. Der Feind hat dämonische Züge (oder: »Der Teufel vom Dienst«)
    4. Wir kämpfen für eine gute Sache und nicht für eigennützige Ziele.
    „Man muss die Tatsache verschweigen, dass es wirtschaftliche Ziele des Krieges gibt.
    Man stellt nur humanitäre Motive in den Vordergrund…“
    5. Berichte über die Grausamkeit des Gegners.
    "Der Feind begeht mit Absicht Grausamkeiten. Wenn uns Fehler unterlaufen, dann nur versehentlich"
    6. Der Feind verwendet unerlaubte Waffen
    7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners aber enorm
    8. Unsere Sache wird von Künstlern und Intellektuellen unterstützt
    9. Unsere Mission ist heilig
    10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter

    der Zivilisten." - Dieses Regime regiert nun einmal seit Jahrzehnten - wer soll denn sonst Schuld haben; vielleicht Rußland und China? -

  5. ", dass nur das" sollte es heißen.

    Antwort auf "Einseitig"
  6. Ich find ja diese schwarz-weiß Malerei in den Berichten ja tierisch spannend - nicht.

    Mal schauen, wie lange das in Syrien so weitergeht. Ich tippe ja mal auf 30 Jahre. Wird so wie im Irak.

    • xpeten
    • 20. Dezember 2012 19:40 Uhr

    müssen die Freiheitsphobiker und Fans autoritärer Regime noch ihren Senf dazugeben.

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    was war denn anderes zu erwarten. Ich klappe nun den Laptop zu und genieße meine Clubmate am Kaminfeuer....

  7. was war denn anderes zu erwarten. Ich klappe nun den Laptop zu und genieße meine Clubmate am Kaminfeuer....

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  • Schlagworte Syrien | Irak | Jordanien | Kairo | Libanon | Türkei
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