Der syrische Bürgerkrieg steckt in einem Patt fest. Was vor mehr als 20 Monaten als größtenteils friedlicher Aufstand gegen das Regime begann, ist zu einem unübersichtlichen Bürgerkrieg eskaliert. Es ist fast unmöglich, die Übersicht über die Lage im Land zu behalten. Der Norden Syriens rund um die Metropole Aleppo ist noch gut zu erreichen, aber es ist schwierig, an zuverlässige Informationen aus der Hauptstadt Damaskus oder dem Osten des Landes zu kommen.

Die Vereinten Nationen haben vorerst ihren Einsatz in Syrien ausgesetzt. Ein Teil der Mitarbeiter vor Ort wird angesichts der kritischen Sicherheitslage abgezogen.

Hier der Versuch, etwas Klarheit zu bringen.

Wer sind die Opfer?
Seit Beginn des Konfliktes sind – je nach Quelle – zwischen 40.000 und 54.000 Menschen ums Leben gekommen. Der schlimmste Monat war laut Vereinten Nationen (UN) bisher der August 2011, es starben 4.100 Menschen. Zum Vergleich: Im jüngsten Irakkrieg starben zu seiner schlimmsten Zeit 3.700 Menschen in einem Monat. Schätzungsweise 20.000 der syrischen Toten sind Zivilisten. Die meisten dürften durch Gewalt der Regierung umgekommen sein. Sie hat die zerstörerischeren Waffen und setzt sie auch gegen zivile Ziele ein.

Außerdem sind mittlerweile rund eine halbe Millionen Menschen vor dem Krieg geflohen. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk ( UNHCR ) leben über 380.000 Syrer in Lagern in den angrenzenden Ländern Türkei , Libanon , Jordanien und Irak . Hinzu kommen all jene, die sich in den Gastländern nicht registriert haben.

Wer kämpft?
Auf der Seite von Präsident Baschar al-Assad kämpft nicht nur die reguläre Armee, sondern es kämpfen auch bewaffnete Milizen. Bei den Aufständischen ist die Lage unübersichtlicher. Meistens werden sie pauschal als Freie Syrische Armee (FSA) bezeichnet. Die FSA ist zwar eine eigenständige und wichtige Organisation im Bürgerkrieg, doch viele der kämpfenden Gruppierungen haben mit ihr nichts zu tun und wollen auch nicht mit ihr gleichgesetzt werden. Zwischen diesen Parteien stehen kurdische Milizen, deren Loyalität weder der Regierung noch den Aufständischen gilt.

Wo wird gekämpft?
Große Teile Syriens scheinen für die Regierung verloren – in vielen ländlichen Gegenden kann sie nur noch aus der Luft angreifen. Am Boden liefern sich beide Seiten die heftigsten Gefechte in den großen Städten. In Aleppo sind die Straßenkämpfe seit Monaten festgefahren, keiner konnte sich durchsetzen. Anders im Osten des Landes, wo die großen Energiereserven Syriens lagern. Rund um die Stadt Deir ez Zour haben die Aufständischen zwei Ölfelder und ein Gasfeld erobert – ein wichtiger strategischer Erfolg.

Am besorgniserregendsten aber dürfte für die Regierung sein, dass die Aufständischen auf Damaskus vorrücken. Die Hauptstadt galt lange als sicheres Terrain für al-Assad, bis vor wenigen Wochen auch dort heftige Kämpfe ausbrachen. An diesem Wochenende hat die Regierung einen Angriff auf den Flughafen der Stadt noch zurückschlagen können.