Bürgerkrieg Für Assad gibt es kein sicheres Terrain mehr
Erbitterte Häuserkämpfe, Zehntausende Tote, Hunderttausende Flüchtlinge in Lagern, erstarkende Islamisten. Der syrische Bürgerkrieg wird undurchschaubar. Von Daniel Etter
©Maysun/dpa

Kinder an einem erbeuteten Panzer der Armee in der syrischen Stadt Aleppo
Der syrische Bürgerkrieg steckt in einem Patt fest. Was vor mehr als 20 Monaten als größtenteils friedlicher Aufstand gegen das Regime begann, ist zu einem unübersichtlichen Bürgerkrieg eskaliert. Es ist fast unmöglich, die Übersicht über die Lage im Land zu behalten. Der Norden Syriens rund um die Metropole Aleppo ist noch gut zu erreichen, aber es ist schwierig, an zuverlässige Informationen aus der Hauptstadt Damaskus oder dem Osten des Landes zu kommen.
Die Vereinten Nationen haben vorerst ihren Einsatz in Syrien ausgesetzt. Ein Teil der Mitarbeiter vor Ort wird angesichts der kritischen Sicherheitslage abgezogen.
Hier der Versuch, etwas Klarheit zu bringen.
Wer sind die Opfer?
Seit Beginn des Konfliktes sind – je nach Quelle – zwischen 40.000 und 54.000 Menschen ums Leben gekommen. Der schlimmste Monat war laut Vereinten Nationen (UN) bisher der August 2011, es starben 4.100 Menschen. Zum Vergleich: Im jüngsten Irakkrieg starben zu seiner schlimmsten Zeit 3.700 Menschen in einem Monat. Schätzungsweise 20.000 der syrischen Toten sind Zivilisten. Die meisten dürften durch Gewalt der Regierung umgekommen sein. Sie hat die zerstörerischeren Waffen und setzt sie auch gegen zivile Ziele ein.
Außerdem sind mittlerweile rund eine halbe Millionen Menschen vor dem Krieg geflohen. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) leben über 380.000 Syrer in Lagern in den angrenzenden Ländern Türkei, Libanon, Jordanien und Irak. Hinzu kommen all jene, die sich in den Gastländern nicht registriert haben.
Wer kämpft?
Auf der Seite von Präsident Baschar al-Assad kämpft nicht nur die reguläre Armee, sondern es kämpfen auch bewaffnete Milizen. Bei den Aufständischen ist die Lage unübersichtlicher. Meistens werden sie pauschal als Freie Syrische Armee (FSA) bezeichnet. Die FSA ist zwar eine eigenständige und wichtige Organisation im Bürgerkrieg, doch viele der kämpfenden Gruppierungen haben mit ihr nichts zu tun und wollen auch nicht mit ihr gleichgesetzt werden. Zwischen diesen Parteien stehen kurdische Milizen, deren Loyalität weder der Regierung noch den Aufständischen gilt.
Wo wird gekämpft?
Große Teile Syriens scheinen für die Regierung verloren – in vielen ländlichen Gegenden kann sie nur noch aus der Luft angreifen. Am Boden liefern sich beide Seiten die heftigsten Gefechte in den großen Städten. In Aleppo sind die Straßenkämpfe seit Monaten festgefahren, keiner konnte sich durchsetzen. Anders im Osten des Landes, wo die großen Energiereserven Syriens lagern. Rund um die Stadt Deir ez Zour haben die Aufständischen zwei Ölfelder und ein Gasfeld erobert – ein wichtiger strategischer Erfolg.
Am besorgniserregendsten aber dürfte für die Regierung sein, dass die Aufständischen auf Damaskus vorrücken. Die Hauptstadt galt lange als sicheres Terrain für al-Assad, bis vor wenigen Wochen auch dort heftige Kämpfe ausbrachen. An diesem Wochenende hat die Regierung einen Angriff auf den Flughafen der Stadt noch zurückschlagen können.
- Datum 03.12.2012 - 17:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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daß die ZEIT mal den nebulösen Begriff vom "moderaten Islamisten oder Moslem" definiert. Dürfte auch schwer fallen..
Jedenfalls demonstrieren gerade die von der Zeit früher so gelobten "gemäßigten Muslimbrüder" wie sie wohl zu definieren sind. Wird aber nicht stattfinden, denn die Zeitredaktion wird sich bis zum bitteren Ende an der Hoffnung des "Arabischen Frühlings" festhalten, würde man doch sonst eingestehen müssen, sich bitter geirrt zu haben.Und dafür hat man die spezielle Redaktionskultur des ECHTEN Meinungs-Pro und Contras aufgegeben...
Das ist nicht mehr die Zeit von Helmut Schmitd oder der Gräfin, sondern die von Joffe und di Lorenzo....
Assad ist ein Diktator der übleren Sorte. Ich hoffe trotzdem dass die syrische Armee es schafft, die angeblichen "Freiheitskämpfer" aus dem Land zu jagen. Unglaublich die Scheinheiligkeit und Dreistigkeit, mit der insbesondere die USA und Frankreich agieren (von wegen Legitimität der Rebellen). Die Türkei will auch noch mitspielen und am liebsten noch die NATO mit hereinziehen. Jetzt gibt es, laut amerikanischer Quelle, Vorbereitungen zum Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Armee. Das glaube ich erst wenn Beweise vorliegen. Das Märchen mit den Massenvernichtungswaffen wurde ja schon mal an anderer Stelle aufgetischt...
unter Federführung der USA,konnte sich der Aufstand zum Bürgerkrieg ausweiten. Wer immer auch den Aufstand entfacht hat,seine Kalkulation scheint aufgegangen zu sein,denn dass sich das Assad -Regime nicht so einfach vertreiben lässt ,musste jedem klar sein.Die frühzeitige offene Unterstützung verschiedenster Art -unserer Politiker-zugunsten der Regimegegner lässt erahnen,es scheint das Geschäft des Erfüllungsgehilfen für den -grossen Bruder-.Der hat ja bekanntlich noch viel vor in der Welt,ein zerstrittener ,aus den Fugen geratener -Naher Osten-erscheint ihm bei der -Vereinnahmung- des Irans in die Arme zu spielen.Die sogenannte Befreiung,gefördert von unseren Politikern,hat und wird in den betroffenen Staaten noch viel Leid ,Chaos und Elend hervorbringen.Allerdings wird das durch geschickte Täuschung unserer- demokratischen Politiker - und mit Hilfe der überwiegend eingebetteten Medien für den Bürger leider schwer erkennbar.Rückblick ,Irak,Tunesien, Ägypten,Libyen z.Z. Syrien und schon bald Iran und Pakistan.alles Länder im Chaos ,dank unserer Mithilfe ?
Der unabhängige Journalist Thierry Meyssan berichtet von Todesschwadronen welche Journalisten in Syrien ermorden:
"During the battle of Damascus in mid-July, NATO sent a special team to attack the studio of Al-Alam and Press TV and they tried to kill Maya and all the team at that time. After that, they put on some websites a list of people whom they wanted to target and kill, and Maya Nasser was on their list. "
http://www.voltairenet.or...
Nichts neues eigentlich, wenn man sich an die Bombardierung serbischer Rundfunksener 1999 erinnert, nur das diesmal keine Luftwaffe zum Einsatz kommt.
......die infantile westliche Diplomatie:
Zuerst hat man den friedlichen Aufstand mit Verwund-
erung wahrgenommen aber ihm keine Chance gegeben,
Als dieser Aufstand vom Assad-Clan nicht zerbombt wer-
den konnte, erinnerte man sich an den syrischen "Sumpf"
bestehend aus unzaehligen Religions- und Volksgemein-
schaften (von den Sunniten ueber Kurden, Alawiten und
Christen bis hin zu Tcherkessen) und liess die Finger von
diesem Brandherd; natuerlich iimmer mit "bestem Gewis-
sen"!
Jetzt, wo der Sturz des Assad-Clans frueher oder spaeter
bevorsteht, traut man sich immer noch nicht, aus Angst
die "Falschen" zu unterstuetzen........
Andere, z.B. Quatar (Sunnis) und Saudi Arabien (Salafisten)
schaeuen sich nicht, auch nicht die Tuerkei (Sunnis), eben-
sowenig Al Quaida und Consorten.
Da letztere Feinde des Westens sind, gibt es natuerlich wei-
terhin keine Waffen.............
Das absehbare Ende des Liedes: Aus einem Volksaufstand
fuer mehr Freiheit und Menschenrechte wird es eine Loesung
geben wie in Tunesien und Aegypten: der Diktatur einer Mind-
erheit wird eine Diktatur der Mehrheit folgen.
Und der Westen: hat wieder nichts dazu gelernt.....aber alle
koennen froehlich plaerren "da waren doch die Boesen dabei".
Unfassbar!
"Aus einem Volksaufstand fuer mehr Freiheit und Menschenrechte wird es eine Loesung geben wie in Tunesien und Aegypten: der Diktatur einer Minderheit wird eine Diktatur der Mehrheit folgen."
Genau genommen ging es nicht um Freiheit und Menschenrechte, sondern die sunnitischen Familien wollten auch an der grossen Geschäften teilhaben. Dem Assad-Clan wurde vorgeworfen alleine vom Reichtum zu profitieren.
Von Demokratie und Freiheit war erst später in den angelsächsischen Medien die rede. Mit ein paar intellektuellen Exil-Syrern im Schlepptau.
"Aus einem Volksaufstand fuer mehr Freiheit und Menschenrechte wird es eine Loesung geben wie in Tunesien und Aegypten: der Diktatur einer Minderheit wird eine Diktatur der Mehrheit folgen."
Genau genommen ging es nicht um Freiheit und Menschenrechte, sondern die sunnitischen Familien wollten auch an der grossen Geschäften teilhaben. Dem Assad-Clan wurde vorgeworfen alleine vom Reichtum zu profitieren.
Von Demokratie und Freiheit war erst später in den angelsächsischen Medien die rede. Mit ein paar intellektuellen Exil-Syrern im Schlepptau.
Ein "Frühling", der auf abertausenden von Ziviltoten gebaut wirkt kann alles andere als ein Frühling sein und bedeutet für die betroffenen Zivilbevölkerungen de facto wenig mehr als den Anbruch eines tiefen arabischen Winters.
Was nun Freiheitskämpfer und Rebellen anbelangt wünschte man sich eigentlich etwas mehr investigativen Journalismus, um die Rolle von Söldnerheeren in diesen Frühlingen klären zu können.
Davon erfährt man hierzulande jedoch nur bei teilweise mühevollen Recherchen.
Jede kriegerische Auseinandersetzung stellt den Journalismus vor große berichterstatterische Herausforderungen.
Es muß bedauerlich bleiben, dass der veröffentlichte Journalismus hierzulande sich den selbst postulierten Aufgaben nach gründlich recherchierter Berichterstattung kaum gewachsen zeigt.
Dies umso mehr, wenn man bedenkt, vor welche kriegerischen Auseinandersetzungen die Menschen sich künftig gestellt zu sehen scheinen.
Dass man bei der Suche nach belastbaren Faktendarstellungen bundesdeutsche Qualitätspresseerzeugnisse zum überwiegenden Teil getrost außer acht lassen kann müßte viele deutsche Blatt-Entscheider beschämt hinterlassen.
Statt dessen scheint die Rechnung, auf die man gesetzt zu haben scheint, aufzugehen: weshalb man allerdings für ideologisch eingebetteten Journalismus auch nur einen Cent ausgeben sollte, das werden Qualitätsjournalisten von Welt sicher wissen.
Leser solcher Qualitätserzeugnisse hiesiger Provenienz indes zusehends weniger.
"Wer kämpft?"
Kein einziges Wort verloren über die massive westliche Unterstützung?
Kein einziges Wort verloren über die nahezu unbegrenzte finanzielle Unterstützung aus Saudi Arabien und Quatar?
Sorry liebe ZEIT, aber in meinen Augen ist das noch nicht einmalschlechter Journalismus, das ist überhaupt kein Journalismus mehr!
... gibt es tatsächlich, ja: http://www.foreignpolicy.... Geld aus den Golfstaaten auch. Internationale Interessen spielen da mit rein, natürlich. Aber die Unterstützung der Regierung durch Iran und Russland darf man dann auch nicht weg lassen.
"Internationale Interessen" spielen da nicht "irgendwie auch noch mit rein", sie sind der eigentliche und einzige Grund für diesen Konflikt!
---
Ohne westliche Logistik und ohne diktatorisches Geld vom Golf würde es keinen Konflikt geben!
Assad hätte die ursprünglichen Proteste seiner Bürger entweder schon lange brutal niedergeschlagen (die wahrscheinlichere Variante. Bitte nicht denken, ich würde oder hätte ein solches Szenario begrüßt!)
Oder er hätte evtl. in Anbetracht des sog. "arabischen Frühlings" einige kleinere Konzessionen gemacht um dem Protest die Spitze zu nehmen, ohne wirklioch Macht abzugeben.
Erst die massive Unterstützung ausländischer Söldner aller möglichen Herkunft und mit großteils unbekannter Agenda führte letzten Endes zu der nun vorhanden, unübersichtlichen Situation.
Unter der wie immer hauptsächlich die Zivilbevölkerung leidet, die von beiden Kriegsparteien ohne Rücksicht instrumentalisiert und benutzt wird!
---
Sicher, Demokratie und Freiheit wären dann nach wie vor in weiter Ferne - aber sind sie jetzt näher...???
-Täuschung- wohin man schaut.Freie Medien ? Kaum noch, man hat den Eindruck,daß sie alle einem -Maulkorberlass- unterliegen und sich haben -Einbetten-lassen.Eine gefährliche Entwicklung für unsere Freiheit,wenn sich langsam aber sicher Täuschung Vorrang vor kitischer Berichtserstaatung bekommt.
... gibt es tatsächlich, ja: http://www.foreignpolicy.... Geld aus den Golfstaaten auch. Internationale Interessen spielen da mit rein, natürlich. Aber die Unterstützung der Regierung durch Iran und Russland darf man dann auch nicht weg lassen.
"Internationale Interessen" spielen da nicht "irgendwie auch noch mit rein", sie sind der eigentliche und einzige Grund für diesen Konflikt!
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Ohne westliche Logistik und ohne diktatorisches Geld vom Golf würde es keinen Konflikt geben!
Assad hätte die ursprünglichen Proteste seiner Bürger entweder schon lange brutal niedergeschlagen (die wahrscheinlichere Variante. Bitte nicht denken, ich würde oder hätte ein solches Szenario begrüßt!)
Oder er hätte evtl. in Anbetracht des sog. "arabischen Frühlings" einige kleinere Konzessionen gemacht um dem Protest die Spitze zu nehmen, ohne wirklioch Macht abzugeben.
Erst die massive Unterstützung ausländischer Söldner aller möglichen Herkunft und mit großteils unbekannter Agenda führte letzten Endes zu der nun vorhanden, unübersichtlichen Situation.
Unter der wie immer hauptsächlich die Zivilbevölkerung leidet, die von beiden Kriegsparteien ohne Rücksicht instrumentalisiert und benutzt wird!
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Sicher, Demokratie und Freiheit wären dann nach wie vor in weiter Ferne - aber sind sie jetzt näher...???
-Täuschung- wohin man schaut.Freie Medien ? Kaum noch, man hat den Eindruck,daß sie alle einem -Maulkorberlass- unterliegen und sich haben -Einbetten-lassen.Eine gefährliche Entwicklung für unsere Freiheit,wenn sich langsam aber sicher Täuschung Vorrang vor kitischer Berichtserstaatung bekommt.
"Die meisten dürften durch Gewalt der Regierung umgekommen sein. Sie hat die zerstörerischeren Waffen und setzt sie auch gegen zivile Ziele ein."
Weil wir das nicht wissen wollen, möchten wir das gerne vermuten.
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