Für al-Shumari ist all das nichts weniger als eine Mission. "Es war am Ende des Ramadan, als mir eine Stimme in meinem Herzen sagte: Geh dahin!", berichtet er. Also flog der Scheich in die Türkei , an die Grenze zu Syrien . Anfangs bezahlte er alles aus eigener Tasche, "aber nur so 300.000 Türkische Lira", sagt al-Shumari. Das sind umgerechnet rund 140.000 Euro. Mittlerweile spenden vor allem andere Saudis für seine Organisation.

Saned bewegt sich mit seinen Aktivitäten in einer rechtlichen Grauzone. Offiziell hat ein Türke den Verein gegründet, so verlangen es die türkischen Behörden, die keine ausländischen Hilfsorganisationen an der Grenze erlauben. Mit der täglichen Arbeit hat dieser Mann nichts zu tun, die erledigen der Scheich und rund zwanzig Exil-Syrer.

Akademiker wurden zu professionellen Helfern

Die meisten Mitarbeiter stammen aus dem Bildungsbürgertum. Generalmanager von Saned ist Ammar Baloush, ein 36-jähriger Professor aus Lathakia an der syrischen Mittelmeerküste, der seinen Doktor einst in Rostock gemacht hat und ein weiches, holperndes Deutsch spricht. Die Polizei habe ihn im Sommer eines Tages einfach mitgenommen und mit 80 anderen für 23 Tage in eine kaum 25 Quadratmeter große Zelle gesperrt. "Ohne Grund", wie Baloush sagt. Viele seiner Kollegen erzählen ähnliche Geschichten. Einer war selbst beim syrischen Innenministerium und dort für die Liste gesuchter Personen zuständig. Eines Tages fand er seinen eigenen Namen auf dieser Liste und floh.

Heute arbeiten die beiden mit Flipcharts, Computern und dauerklingelnden Handys für Saned. "Wir sind professionell, das ist mir wichtig", betont Baloush immer wieder. Sie haben ein Register angelegt mit 30.000 Profilen hilfsbedürftiger Syrer innerhalb und außerhalb des Landes. Die Informationen sammeln sie bei verlässlichen Quellen in Syrien. Innerhalb von Sekunden können sie nun beispielsweise alle Frauen heraussuchen, die in Dörfern rund um Aleppo leben und ihre Männer verloren haben.

Manche Spender fliegen selbst ein

Die Datenbank und ihr Informantennetzwerk helfen ihnen bei neuen Projekten. So bauen sie gerade in der Grenzstadt Atme eine neue Bäckerei, weil sie gehört haben, dass dort Lebensmittel knapp werden. Außerdem hat Saned neun alte Krankenwagen aus Deutschland gekauft, die zu den improvisierten Krankenhäusern der Rebellen im Landesinnern gebracht werden sollen. Einige der Spender für diese Projekte fliegen sogar selbst an die Grenze. "Die haben das Geld, um sich selbst anzusehen, was wir hier machen", sagt Baloush.

Nach drei Stunden hat jeder seinen Umschlag bekommen, alle Fotos sind gemacht, alle Fragen über den Islam beantwortet – vorerst. Die Flüchtlinge gehen zurück in das Lager am Ende der Straße, wo sie in Lagerhallen und Zelten, abgeschirmt von der Umwelt mit blickdichten blauen Planen wohnen. So lange, bis der Krieg in ihrer Heimat vorbei ist. "Das war ein guter Tag", sagt der Scheich zufrieden. "Für diese armen Menschen und für mich."