Syrische FlüchtlingeDer gute Scheich von Yayladagi

Ein reicher Saudi hilft von der Türkei aus den Opfern des Bürgerkriegs in Syrien – und wirbt nebenbei für den Glauben. von 

Saad al-Shumari im Einsatz an der syrisch-türkischen Grenze

Saad al-Shumari im Einsatz an der syrisch-türkischen Grenze  |  © Lenz Jacobsen

Kurz vor der syrischen Grenze steht ein Heiliger und verteilt Geschenke. Knapp vierzig Kinder und noch einmal so viele Erwachsene sitzen auf dem Boden und auf Plastikstühlen um ihn herum, alle Kriegsflüchtlinge, und schauen zu ihm auf. Schauen mit großen Augen, wie der Mann im langen, strahlend weißen Gewand mit seinen großen Händen immer wieder in Taschen und Kisten greift und für sie herausholt: kleine, glitzernde Päckchen. Kekse. Süßes. Trinkpäckchen. Und zuletzt Umschläge mit Bargeld.

Der Heilige heißt Saad al-Shumari und ist ein reicher saudischer Scheich und Geschäftsmann. Er hat die Organisation Saned gegründet, die den Opfern des syrischen Bürgerkrieges helfen will. Und weil al-Shumari ein erfolgreicher Manager und ein gläubiger Muslim ist, will er nicht irgendwie helfen, sondern richtig.

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Die Mitarbeiter des Scheichs tragen weiße Westen mit dem Logo von Saned und haben ausgedruckte Namenslisten dabei. Nur wer darin vorkommt, darf die Umschläge mit den 175 Türkischen Lira, umgerechnet etwa 80 Euro, aufreißen, die die Organisation jedem der Flüchtlingskinder monatlich zahlt. Die Mädchen und Jungen haben im Bürgerkrieg ihre Väter verloren . "Wer Waisen hilft, kommt ins Paradies. So hat es der Prophet Mohammed versprochen", sagt der Scheich. Deshalb stehen er und seine Leute jetzt bei ihnen am Straßenrand.

Kein Kinderlächeln bleibt unfotografiert

Kaum hundert Meter die Straße hinunter, am Rand der Kleinstadt Yayladagi, liegt ein großes Flüchtlingslager, in dem die Waisen mit Tausenden anderen Syrern leben. In die andere Richtung, den Hügel hinauf in den dichten Wald, kommt nach fünf Kilometern die Grenze zu Syrien .

Am Straßenrand klicken die Kameras. Gleich mehrere Saned-Mitarbeiter sind abgestellt, die Hilfsaktion zu dokumentieren. Jedes einzelne Kind kommt dran, keine Wohltat ohne Beweisbild, kein Kinderlächeln bleibt unfotografiert. Nachher werden sie die Aufnahmen auf ihre Website laden, um Spender zu werben.

Klicken Sie hier, um Bilder von der Hilfsaktion zu sehen.

Klicken Sie hier, um Bilder von der Hilfsaktion zu sehen.  |  © Lenz Jacobsen

Der Scheich genießt seinen Auftritt und nutzt seine Rolle als Wohltäter, um nebenbei für den Islam zu werben. Er breitet seine Arme aus und grinst so breit und einladend wie ein Alleinunterhalter beim Kindergeburtstag. "Na, wer weiß denn, wie der Vater unseres Propheten mit Nachnamen hieß?", fragt er die Kinder zu seinen Füßen. Angestrengtes Grübeln in den kleinen Gesichtern, dann schnellt der Arm eines zehn-, vielleicht elfjährigen Mädchens hoch. Sie weiß die Antwort: al-Muttalib, und darf nach vorn kommen. Der Scheich kniet sich zu ihr, drückt ihr ein kleines Geschenk in bunt-glänzendem Geschenkpapier in die Hand, sein Blick immer den Kameras zugewandt.

Eine Stunde lang geht das so. Geld gibt der Scheich den Waisen beziehungsweise ihren Vormündern auch, wenn sie wenig über den Koran wissen. Aber belehren lassen müssen sie sich. Sie sprechen Suren nach und wiederholen die Namen der Heiligen, den Blick auf das Geld gerichtet. Zu jeder guten Gabe verabreicht der Scheich den Bedürftigen eine kleine Portion Religion.

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    • Schlagworte Innenministerium | Bürgerkrieg | Flüchtlingslager | Hilfsaktion | Islam | Koran
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