SüdafrikaDer ANC verpasst den Neuanfang

Südafrikas Präsident Zuma ist wieder Parteivorsitzender, der regierende ANC wird damit bleiben, wie er ist. Das geht auf Kosten der Stabilität des Landes. von 

Anhänger des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma feiern seine Wiederwahl zum Vorsitzenden des ANC.

Anhänger des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma feiern seine Wiederwahl zum Vorsitzenden des ANC.  |  © REUTERS/Mike Hutchings

Die eigentliche Überraschung des Parteitages war der völlige Rückzug des südafrikanischen Vizepräsidenten Kgalema Motlanthe aus der Parteispitze des Afrikanischen Nationalkongress' (ANC): Obwohl von vornherein klar war, dass er das Rennen um den höchsten Posten im ANC gegen Jacob Zuma wohl nicht gewinnen würde, zog er bereits am Montag seine Kandidatur um zwei andere Positionen im Führungsausschuss der Regierungspartei zurück.

Motlanthe setzte damit alles auf eine Karte – und verlor. Der amtierende Parteivorsitzende Zuma wurde mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt. Der Herausforderer begründete seinen Rückzug der anderen Kandidaturen damit, dass er die Wahlkultur innerhalb des ANC stärken – und neuen Gesichtern eine Chance geben wolle.

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Motlanthes Anhänger hatten für die dringend notwendige Erneuerung der Parteiführung geworben. "Rettet den ANC vor Präsident Zuma" schrieben sie in einem Pamphlet. In ihren Augen hat Zuma als Parteiführer und auch als Präsident versagt. Dem 70-Jährigen wurden wiederholt Misswirtschaft und Korruption vorgeworfen. Trotzdem wird er nach seiner Wiederwahl 2014 sehr wahrscheinlich auch wieder für die südafrikanische Präsidentschaft kandidieren.

Einkommensungleichheit wichtiger als Rasse

Der ANC selbst steht immer häufiger in der Kritik, weil er für viele nicht mehr die Freiheitsbewegung verkörpert, die sich gegen das Apartheidsregime zur Wehr gesetzt hatte. Die systematische Rassentrennung hat Südafrika hinter sich gelassen, nicht aber Armut und Ungleichheit. Statt dem erhofften black empowerment, dem Aufstieg der Schwarzen, brachte der politische Umbruch 1994 nur eine kleine schwarze Elite an die Macht. Ein häufiger Vorwurf gegen den ANC lautet, dass die Helden des Anti-Apartheid-Kampfes heute Teil jener Elite sind, die sie einst bekämpften.

Seit 1994 stellte der ANC alle nationalen Regierungen und verfügte dabei stets über eine absolute Mehrheit. Einzig das Westkap verlor der ANC in den Wahlen 2009 an die Demokratische Allianz (DA). Die Dominanz des ANC hat das politische System in Südafrika bisher zwar nicht untergraben. Doch eine stärkere Opposition und lebendigere politische Debatte würden den Druck, die Probleme des Landes zu lösen, erhöhen.

Fast ein Drittel der südafrikanischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze und die Mehrheit der Armen ist auch heute noch schwarz. Trotzdem bedeutet arm und reich inzwischen nicht mehr automatisch gleich schwarz und weiß. Laut einer Studie des südafrikanischen Institut für Gerechtigkeit und Versöhnung, ist Einkommensungleichheit zur wichtigsten Trennlinie in der Gesellschaft geworden, während "Rasse" nur noch an dritter Stelle steht.

Leserkommentare
  1. keit.

    Die Doppelmoral des Großteils der westlichen Presse gegenüber dem schwarzen Teil der südafrikanischen Bevölkerung zeigt sich am besten in der Verleugnung bzw apologetischen Herunterspielung volksverhetzender, rassistischer Gesänge Nelson Mandelas:

    http://www.youtube.com/wa...

    Man stelle sich vor Putin sänge Lieder über das Abschlachten mongolischer Minderheiten. Aber nichts passiert.

    Ich erinnere mich an einen sehr aufschlussreichen Arte-Bericht:

    Weiße Farmer wurden enteignet
    Die einst lukrativen Güter verelendete unter schwarzer Verwaltung

    Schlussfolgerung der Arte-Sprecher:

    Ja, die Weißen hätten ja die Schwarzen vorher anlernen sollen.

    Die Doppelmoral ist unglaublich. Über ein Viertel der weißen Bevölkerung hat bereits das Land seit dem Ende der Apartheit verlassen.

    http://www.thedailybeast....

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    • jboese2
    • 19. Dezember 2012 17:48 Uhr

    Es gibt es sicherlich aus den Zeiten des Befreiungskampfes blutrünstige Lieder, die man gerne beim Kameradenabend noch singt (man denke nur an das Lieblingslied von Zuma 'Gib mir mein Maschinengewehr'). Interessant auch, daß der neben Mandela stehende Weiße fröhlich mitsingt. So schlimm kann es also für die Weißen wohl nicht sein?

    Ihr Kommentar ist aber leider so völlig daneben, dass man schwer darauf antworten kann. Der ANC wird schon seit geraumer Zeit von der internationalen Presse sehr kritisch bewertet (und zu Recht), aber insgesamt ist Südafrika noch ein demokratischer Rechtsstaat, indem die Bürger einigermaßen sicher leben können. Das viele Weiße das Land verlassen liegt einfach daran, dass aufgrund der unsinnigen Quotenregelungen bessere Chancen im Ausland bestehen, so wie viele junge und smarte Deutsche auch lieber ins Ausland gehen. Selbst bei den Farbigen gewinnt daher die Opposition immer mehr an Zustimmung (auch Zeichen einer funktionieren- den Demokratie). Südafrika hat sicher schwere Zeiten vor sich, aber ich bin nach wie vor oitimistisch, dass sie das hinkriegen werden, vor allem, wenn die Ängste und Neurosen der professionellen Schwarzseher für das Land mal in den Hintergrund treten und man die Chancen sieht, die diese Region bietet.

    • jboese2
    • 19. Dezember 2012 17:48 Uhr

    Es gibt es sicherlich aus den Zeiten des Befreiungskampfes blutrünstige Lieder, die man gerne beim Kameradenabend noch singt (man denke nur an das Lieblingslied von Zuma 'Gib mir mein Maschinengewehr'). Interessant auch, daß der neben Mandela stehende Weiße fröhlich mitsingt. So schlimm kann es also für die Weißen wohl nicht sein?

    Ihr Kommentar ist aber leider so völlig daneben, dass man schwer darauf antworten kann. Der ANC wird schon seit geraumer Zeit von der internationalen Presse sehr kritisch bewertet (und zu Recht), aber insgesamt ist Südafrika noch ein demokratischer Rechtsstaat, indem die Bürger einigermaßen sicher leben können. Das viele Weiße das Land verlassen liegt einfach daran, dass aufgrund der unsinnigen Quotenregelungen bessere Chancen im Ausland bestehen, so wie viele junge und smarte Deutsche auch lieber ins Ausland gehen. Selbst bei den Farbigen gewinnt daher die Opposition immer mehr an Zustimmung (auch Zeichen einer funktionieren- den Demokratie). Südafrika hat sicher schwere Zeiten vor sich, aber ich bin nach wie vor oitimistisch, dass sie das hinkriegen werden, vor allem, wenn die Ängste und Neurosen der professionellen Schwarzseher für das Land mal in den Hintergrund treten und man die Chancen sieht, die diese Region bietet.

    • gojko
    • 19. Dezember 2012 19:46 Uhr

    "Viele Südafrikaner haben in den letzten zwei Jahrzehnten ihre Wellblechhütte gegen ein festes Dach über dem Kopf eintauschen können und noch mehr Südafrikaner haben Strom- und Wasseranschlüsse bekommen."

    Die "Viele..und noch mehr.."-Konstruktion signalisiert dem aufmerksamen Leser, daß hier entweder nicht ordentlich recherchiert wurde (sonst würden ja hier Zahlen stehen) oder schlicht der Leser manipuliert werden soll.

    Ich weiß nicht, was mir lieber wäre..

    Gruß, Gojko.

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    Lieber Gojko,

    Hier die gewünschten Zahlen, auf die ich mich in dem Artikel basiere:

    1994 gab es in Südafrika 5,8 Millionen feste Häuser (formal houses), 2010 waren es 11 Millionen. Das entspricht einer Zunahme von 89,9%. 1994 lebten 64% der Bevölkerung in solchen Häusern. Durch das schnelle Bevölkerungswachstum beträgt diese Rate heute trotzdem nur 76%.

    1994 hatten 5,2 Millionen Haushalte einen Elektrizitätsanschluss. 2010 waren es 11,9 Millionen. Damit wuchs der Anteil der Haushalte mit Strom von 53% auf 83%.

    1994 hatten 7,2 Millionen Haushalte einen Wasseranschluss. 2010 waren es 12,7 Millionen. Damit wuchs der Anteil der Haushalte mit fließendem Wasser von 80% auf 89%.

    Das alles können Sie auch noch einmal in einer Pressemitteilung des südafrikanischen Institute of Race Relations nachlesen:http://www.sairr.org.za/m....

    Beste Grüße aus der Redaktion,
    Stefanie Schütten

    • gojko
    • 19. Dezember 2012 19:54 Uhr

    @jboese2: "..aber insgesamt ist Südafrika noch ein demokratischer Rechtsstaat, indem die Bürger einigermaßen sicher leben können.."

    Ich hatte vor geraumer Zeit einen Business-Englischkurs mit einer Südafrikanerin.
    Die hat mir schwer davon abgehalten, auf eigene Faust per Rucksack nach Südafrika zu reisen. Viel zu gefährlich. Kurz darauf habe ich gelesen, daß die weißen Fachkräfte in Schaaren das Land verlassen, weil sie ihre Kinder gefährdet sehen.

    DAS ist sicher? Wohl eher nicht.

    Gruß, Gojko.

  2. "Unsinnige Quotenregelung" ist eine gewaltige Untertreibung. Zum einen werden mit "Black Employment" Weiße -auch solche die nach dem Ende der Apartheid geboren wurden oder die Ende der 90-er noch Kinder waren- ganz unverholen diskriminiert.Legitmitiert und protegiert von der demokratischen Mehrheitsregierung. Eine Handelskette ja jüngst entscheiden, Bewerbungen von Weißen nicht mehr anzunehmen. Zum anderen ist "Black Ownership" ein Bestandeil der "Black Empowerment" Gesetzes Toolbox, der zur Bereicherung einer Schicht der "Black Diamonds" geführt hat, meist ohne Gegenleistung und ohne Value Add für die Firmen oder die Gesellschaft. Der ANC hat ein Klima der Bringschuld geschaffen: Wir waren benachteiligt, nun müssen "die" für uns liefern. Die Haltung ist zwar bequem, fährt das Land aber gegen die Wand. Warum ist ein 1992 geborener Schwarzer einem Weißen per staatlicher Verordnung vorzuziehen? Der Westen sieht über diese Diskriminierungen hinweg, weil unser Bild von SA's Politik noch immer vom Charisma eines Mandela und dem Zauber seiner Wende bestimmt ist.Erfahrene und talentierte Weiße verlassen zahlreich das Land, die Posten werden über Beziehungen vergeben und die öffentlichen Einrichtungen (Bsp Schulen) verlieren an Disziplin und Ergebnisorientierung. Durch Inkompetenz und Korruption sinkt das Niveau (besonders) des öffentlichen Sektors weiter und weiter.

  3. BEE Toolbox, vereinfachte Darstellung:
    Um Aufträge von staatlichen oder halbstaatlichen Firmen zu bekommen, muss man Punkte auf einer Scorecard erreichen:
    a) Black Employment und Black Education
    b) Black Leadership (Posten in den höheren Hirachien)
    c) Black Ownership (mehr Punkte bei Blach Female Ownership). Hier geht durch einen "BEE-Deal" Anteile (z.B. Aktien) an schwarze Privatpersonen.
    d) Black Procurement (diese Punkte bekommt man nur, wenn man bei Firmen mit einem bestimmten BEE Level einkauft) Diese Firmen müssen also auch a-d machen, dadurch soll das in die gesamte Wertschöpfung getragen werden.
    Die Grundidee ist politisch absolut verständlich. Nur hat das alles zu einer Bereicherung einer kleinen Schicht auf der einen und dem Verlust an Produktivität und Effizienz auf der anderen Seite geführt. Die Erfolge stehen dazu leider in keinem Verhältnis! Es steht im Raume, dass Equal Employment gesetzlich vorgeschrieben wird. Eine Firma, die einen zu hohen Anteil Weißer beschäftigt, könnte dann direkt sanktioniert werden, z.B. mit einer Strafe iHv x% vom Umsatz.

  4. Lieber Gojko,

    Hier die gewünschten Zahlen, auf die ich mich in dem Artikel basiere:

    1994 gab es in Südafrika 5,8 Millionen feste Häuser (formal houses), 2010 waren es 11 Millionen. Das entspricht einer Zunahme von 89,9%. 1994 lebten 64% der Bevölkerung in solchen Häusern. Durch das schnelle Bevölkerungswachstum beträgt diese Rate heute trotzdem nur 76%.

    1994 hatten 5,2 Millionen Haushalte einen Elektrizitätsanschluss. 2010 waren es 11,9 Millionen. Damit wuchs der Anteil der Haushalte mit Strom von 53% auf 83%.

    1994 hatten 7,2 Millionen Haushalte einen Wasseranschluss. 2010 waren es 12,7 Millionen. Damit wuchs der Anteil der Haushalte mit fließendem Wasser von 80% auf 89%.

    Das alles können Sie auch noch einmal in einer Pressemitteilung des südafrikanischen Institute of Race Relations nachlesen:http://www.sairr.org.za/m....

    Beste Grüße aus der Redaktion,
    Stefanie Schütten

    Antwort auf "recherchiert?"
  5. Ob die Quelle, von der die Redaktion die Zahlen bezogen hat, zuverlässig ist, ist mehr als fraglich.

    Jeder hier in Südafrika weiss, dass die Statistiken gefälscht sind.

    So will man uns glauben machen, es gäbe nur 25 % Arbeitslosigkeit, obwohl es mindestens 45 % sind. Die Townships blähen sich immer mehr auf mit Wellblechhütten, ganz am Rand gibt es zwar Steinhäuser, aber maximal machen die 5 % der Unterkünfte aus.

    Gleiche Ungereimtheiten findet man im Bildungsbereich, der angeblich knapp 20 % des Staatshaushaltes ausmachen soll. Ganze Provinzen haben keine Schulbücher, weil entweder die Mittel abgezweigt wurden oder im günstigsten Fall wegen Unfähigkeit der Verantwortlichen. Die Schulen müssen je nach Priorität von den Eltern bis zu 80 % finanziert werden.

    Die Inflation lieget offiziell bei ca. 5 %, beträgt aber gerade für Lebensmittel jährlich 15 % - 20 %. Die Preise liegen inzwischen über denen in Deutschland. Katastrophal für die Millionen Menschen, die gerade mal täglich 1,50 $ zum Leben haben.

    Und diese Zustände werden gekrönt von den Politikern des ANC, die nichts anderes zu tun haben, als Ihre Privathäuser für mehrere Millionen Euro (Zuma) mit öffentlichen Mitteln maßlos auszubauen oder dank BEE für ihre eigenen Firmen staatliche Aufträge zuzuschanzen.

    Der Reichtum, der die Parteiführer innerhalb von knapp 20 Jahren schmückt, ist schon unanständig. Das schwarze Volk darbt wirtschaftlich noch mehr als zu Apartheidzeiten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Jacob Zuma | Südafrika | ANC | Julius Malema | Bevölkerung | Armut
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