Ägyptens Präsident Mohammed Mursi © Spencer Platt/GettyImages

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi bemüht sich nach der geringen Wahlbeteiligung bei dem Verfassungsreferendum um die Aussöhnung seines Landes: Ein respektabler Teil der Bevölkerung habe gegen die neue Verfassung gestimmt. Dies nehme er zur Kenntnis und werde nun "alle Anstrengungen unternehmen, um die ägyptische Wirtschaft anzukurbeln", sagte Mursi in einer Fernsehansprache. Dazu wolle er in einem ersten Schritt die Regierung umbilden.

Ägyptens Wirtschaft sehe sich enormen Herausforderungen gegenüber, habe aber auch große Wachstumschancen, sagte Mursi. Mit Ministerpräsident Hischam Kandil befinde er sich bereits in Gesprächen über eine Regierungsumbildung. Einen Termin für die Kabinettsumbildung sowie betroffene Ressorts nannte Mursi nicht.

Gleichzeitig verteidigte Mursi ein weiteres Mal die umstrittene Verfassung , die er am Mittwoch in Kraft gesetzt hatte. Sie sei ein "Tagesanbruch für ein neues Ägypten".

Mursi räumte ein, dass es in der Vergangenheit Fehler gegeben habe. "Gott weiß, dass ich jede Entscheidung zur Ehre Gottes und des Landes treffe". Das Verfassungsreferendum sei "transparent und unter voller Beobachtung der Zivilgesellschaft und der Justiz" abgehalten worden, sagte Mursi.

Ein weiteres Mal rief Mursi die Ägypter zur Einheit auf: "Ich wiederhole meinen Aufruf an alle politischen Parteien und Kräfte, sich am Dialog zu beteiligen".

Nach monatelangen Protesten der Opposition hatten die Ägypter am Wochenende per Volksentscheid über die von Islamisten geprägte Verfassung abgestimmt. 63,8 Prozent stimmten für den Entwurf. Allerdings hatten sich nur 33 Prozent der rund 52 Millionen Wahlberechtigten an dem Referendum beteiligt.

Opposition will Kampf gegen Verfassung fortsetzen

Die Opposition hat bereits angekündigt, das Ergebnis anfechten zu wollen . Auch will sie ihren Kampf gegen die Verfassung fortsetzen, da aus ihrer Sicht die Bürgerrechte nicht ausreichend gewährleistet sind und dem islamischen Recht zu viel Raum gegeben wird.

Die Nationale Heilsfront, das größte Oppositionsbündnis, meldete zahlreiche Regelverstöße und Fälle von Betrug während der beiden Referendumsrunden am 15. und 22. Dezember.

Innerhalb von zwei Monaten soll nun ein neues Parlament gewählt werden. Bis dahin übernimmt das Oberhaus die parlamentarischen Befugnisse von Mursi und soll Gesetze verabschieden.