Soldaten patrouillieren auf einer Straße in der Kairoer Innenstadt. © Gianluigi Guercia/AFP/Getty Images

Angesichts der anhaltenden Proteste will der ägyptische Präsident Mohammed Mursi dem Militär schon bald Polizeiaufgaben übertragen. Wie die staatliche Tageszeitung Al-Ahram berichtete, habe das Kabinett eine entsprechende Rechtsvorschrift erlassen.

Demnach soll die Armee dabei helfen, "die Sicherheit aufrechtzuerhalten und zentrale Staatseinrichtungen zu schützen". Sie solle dabei unter anderem zu Festnahmen befugt werden. Ab wann die Änderung gilt, wurde in dem Bericht nicht genannt.

Das Militär rief seinerseits alle Parteien zum Dialog auf. Ein Dialog sei der "beste und einzige Weg, eine Einigung zu erreichen", teilten die Streitkräfte in ihrer ersten offiziellen Reaktion auf die aktuelle Krise mit. Ansonsten werde Ägypten in einen "dunklen Tunnel mit katastrophalen Folgen" geraten, und dies könne die Armee nicht zulassen. Mursi hatte bereits zuvor die Opposition zu Gesprächen aufgerufen, was von dieser jedoch als "nicht ernsthaft" abgelehnt worden war.

Lage in Kairo hat sich etwas beruhigt

Das Militär war in der Vergangenheit der Machtgarant von Ägyptens Präsidenten. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak übernahm zwischenzeitlich ein Militärrat die Macht . Zwei Monate nach seiner Wahl drängte Mursi im August die Generäle in den Hintergrund. In der aktuellen Krise zeigt das Militär bislang keine Ambitionen, sich einzumischen.

Die Lage vor dem Präsidentenpalast in Kairo hatte sich in der Nacht zum Samstag wieder etwas beruhigt. Etwa hundert Demonstranten harrten am Samstagmorgen noch vor dem Amtssitz aus, während Soldaten mit Panzern und Stacheldraht den Zugang zu der Anlage abriegelten.

Am Vorabend hatten sich mehr als 10.000 Gegner Mursis vor dem Palast versammelt, um gegen den Staatschef und die von ihm geplante neue Verfassung zu protestieren. Zahlreichen Demonstranten gelang es dabei, die Absperrungen vor dem Palast zu überwinden, nicht jedoch ins Innere zu gelangen.

Die Menge rief "Verschwinde" und bezeichneten den Präsidenten als "Schaf" unter dem Befehl der mächtigen Muslimbruderschaft. Die Proteste blieben aber friedlich. In der Nacht zum Donnerstag waren nahe des Palastes bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis sieben Menschen getötet und mindestens 350 weitere verletzt worden.