Kairo : Zehntausende fordern Mursis Rücktritt

Kairo kommt nicht zur Ruhe: Erneut haben Zehntausende gegen Präsident Mursi demonstriert. Einige Demonstranten durchbrachen die Absperrung vor dem Präsidentenpalast.

In Ägypten haben Demonstranten am Abend die Barrikaden um den Präsidentenpalast in Kairo durchbrochen. Sie schnitten den Stacheldraht durch und strömten zu den Mauern des Palastes von Mohammed Mursi . Soldaten verhinderten jedoch das Vordringen der Demonstranten auf das Gelände des Präsidentenpalastes.

An der Demonstration gegen Mursi und seine Dekrete zur Ausweitung seiner Macht beteiligten sich mehr als 10.000 Ägypter. Panzer waren im Einsatz. Demonstranten sprühten Sprüche wie "Verschwinde!" auf die äußeren Mauern des Gebäude-Komplexes.

Teilnehmer der Demonstration berichteten von einer fröhlichen Feststimmung. Einige kletterten auf Panzer, küssten die Sicherheitskräfte und riefen "Friedlich, friedlich". Einige Aktivisten warnten jedoch davor, dass die friedliche Stimmung eine Falle sein könnte.

Gegen Mursi gibt es seit Tagen gewaltsame Proteste . Am Mittwoch war es vor dem Präsidentenpalast zu blutigen Zusammenstößen zwischen säkularen Demonstranten und Anhängern der Muslimbruderschaft gekommen. Mehrere Aktivisten berichteten anschließend, Islamisten hätten mehrere Demonstranten verschleppt und misshandelt. Bei den Protesten der vergangenen Tage sind sieben Menschen ums Leben gekommen.

Mursi lehnte es am Donnerstag in einer Fernsehansprache erneut ab, seine vor zwei Wochen eigenmächtig erweiterten Machtbefugnisse wieder zu beschneiden. Auch will er den für den 15. Dezember festgesetzten Volksentscheid über den im Eilverfahren durchgesetzten islamistisch geprägten Verfassungsentwurf nicht zurücknehmen.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Etwas einseitig?

"An der Demonstration gegen Mursi und seine Dekrete zur Ausweitung seiner Macht beteiligten sich mehr als 10.000 Ägypter. Panzer waren im Einsatz."
Mehr als 10000 sind nicht Zehntausende.
(18000 wären ca 1 Promille der Einwohner Kairos.)

"Bei den Protesten der vergangenen Tage sind sieben Menschen ums Leben gekommen."
Nicht nur Aktivisten kamen zu Tode!

"Auch will er den für den 15. Dezember festgesetzten Volksentscheid über den im Eilverfahren durchgesetzten islamistisch geprägten Verfassungsentwurf nicht
zurücknehmen"
Volksentscheide sind ja nicht unbedingt undemokratisch!

undemokratische Volksentscheide..

"Volksentscheide sind ja nicht unbedingt undemokratisch!"

Nicht unbedingt, allerdings wenn es sich um die Absegnung einer recht undemokratischen Verfassung handelt, welche nicht die Minderheiten schützt und nicht die Rechte der Frauen garantiert kann man auch nicht von einer guten demokratischen Verfassung sprechen. Ausgehandelt wurde diese Verfassung nur von einem Teil der ägyptischen Gesellschaft und das ist bei einer Verfassung sehr undemokratisch.

Außerdem: Solang der Präsi das Volk unter Druck setzt: "entweder ihr nehmt diese Verfassung an, oder ich nehm (vielleicht) meine diktatorischen Vollmachten nicht zurück" kann man nicht von guten demokratischen Geflogenheiten sprechen.