ÄgyptenMursi-Gegner durchbrechen Barrikaden vor Präsidentenpalast

In Kairo sammeln sich Gegner und Befürworter von Präsident Mursi. Einige Demonstranten haben Absperrungen zum Palast durchbrochen, die Armee hält sich bislang zurück. von afp und

Gegner des ägyptischen Präsidenten Mursi beseitigen die Absperrungen vor dem Palast in Kairo.

Gegner des ägyptischen Präsidenten Mursi beseitigen die Absperrungen vor dem Palast in Kairo.  |  © Marco Longari/AFP/Getty Images

In Kairo haben Gegner des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi die Absperrungen zum Präsidentenpalast durchbrochen. Befürchtete gewaltsame Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften blieben zunächst aus, weil sich die zum Schutz des Palastes abgestellten Soldaten zurückzogen.

Die Demonstranten hatten eine Metallabsperrung auseinandergenommen und mit Ketten Betonblöcke aus einer Mauer gerissen, die von der Armee zum Schutz des Palastes errichtet worden war. Die Soldaten rückten daraufhin in Richtung Palast zurück, der durch eine weitere hohe Mauer geschützt ist. Um die Anlage sind auch sechs Panzer stationiert.

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Für den Abend wird mit Zehntausenden Demonstranten gerechnet, die gegen Präsident Mursi und die neue Verfassung demonstrieren wollen. Die Proteste richten sich auch gegen die für Samstag geplante Volksabstimmung über den Verfassungsentwurf.

Militär ruft zum Dialog für Mittwoch auf

Da am Dienstag auch die islamistischen Muslimbrüder demonstrieren wollen, aus deren Reihen Mursi stammt, wurden gewaltsame Zusammenstöße beider Gruppen wie am vergangenen Mittwoch befürchtet. Dabei waren bei blutigen Ausschreitungen in Kairo sieben Menschen getötet worden. Die Unterstützer des Präsidenten sammelten sich seit dem Nachmittag nicht weit vom Präsidentenpalast entfernt.

Die ägyptischen Streitkräfte haben für Mittwochabend zu einem nationalen Dialog aufgerufen, um die politische Krise des Landes beizulegen. Verteidigungsminister und Armeechef Abdel Fattah al-Sissi habe die verschiedenen Strömungen zu dem Treffen eingeladen, meldete die Nachrichtenagentur Mena.

Der Streit um die künftige Verfassung Ägyptens sorgt seit Wochen für massive Proteste. Zwar hatte Mursi am Samstag ein umstrittenes Dekret außer Kraft gesetzt , mit dem er sich zusätzliche Sondervollmachten gegeben hatte. Dies geht der Opposition jedoch nicht weit genug. Zudem will Mursi an dem umstrittenen Verfassungsreferendum am Samstag festhalten.

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Leserkommentare
  1. "never ending storry"

    Leider, alle hätten sich etwas Friedliches gewünscht doch die Macher hatten von anfang an nicht diese Intuition wie man jetzt wohl deutlich sieht.

    • Clairy
    • 11. Dezember 2012 19:03 Uhr

    Es ist dann besonders schmerzhaft , wenn es an den eigenen Geldbeutel geht.
    Die Touristen bleiben in Ägypten aus. Davon leben Milionen.

    Die Zeit ist reif um zu erkennen dass man von Ideologien nicht satt wird. Den Leuten geht es nach der Revolution viel schlechter als vorher.Solange Ägypten von Islamisten kontrolliert wird, traut sich keiner hin.
    Das haben die Menschen endlich verstanden.

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    • Eintrag
    • 11. Dezember 2012 19:31 Uhr

    Wenn dem so wäre,bedeutet es für allzuviele Menschen Armut und tagtägliche Verschuldung beim Bäcker und Gemüsehändler.
    Schulgeld und Kleidung noch gar nicht berechnet.

    • Eintrag
    • 11. Dezember 2012 19:31 Uhr

    Wenn dem so wäre,bedeutet es für allzuviele Menschen Armut und tagtägliche Verschuldung beim Bäcker und Gemüsehändler.
    Schulgeld und Kleidung noch gar nicht berechnet.

  2. Wenn sie gegen den Verfassungsentwurf sind, sollen sie am Samstag mit Nein stimmen.

    Wenn sie gegen das Referendum sind, haben sie ein Problem. Nicht nur dass das gesetzlich schon einmal nicht geht, und Mursi überhaupt nicht daran denkt das Referendum zurückzuziehen, ist es nun einmal ein bisschen komisch dass die "demokratische" Opposition die Abhlatung eines Referendum grundsätzlich ablehnt und dabei auf das Militär schielt.
    Das selbe zynische Spiel kennt man noch aus kemalistischen Zeiten aus der Türkei und es hat fast 4 Militärputsche und tausende Tote sowie Jahrzehnte an kostbarer Zeit gekostet, bis die Türkei unter Erdogan sich von diesen "Paschas" teilweise entledigen konnte.
    Na wenn das der vergiftete Ratschlag wohlgenährter Westeuropäer an die Ägypter ist, dann gute Nacht...

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    • Mardt
    • 11. Dezember 2012 22:10 Uhr

    Ich finde es schockierend, dass die Bürger tatsächlich dazu gezwungen werden über den Verfassungsentwurf zu entscheiden. Da ist man davon ausgegangen mit einem neuen Präsidenten wird alles besser und es ist genau das Gegenteil geworden. Aber nun gut, man muss leider sehen, dass, wie von vielen auch schon angemerkt, die Ägypter die Muslimbrüder leider selbst gewählt haben. Dennoch ist das keine Rechtfertigung für die Krawalle und Demonstrationen, die dadurch jetzt stattfinden. Den Menschen wird es immer schlechter gehen, da Touristen ausbleiben und das Land nun mal auch vom Tourismus lebt. Ich frage mich, wie man es zulassen kann, immer genau den Falschen an die Macht zu lassen. Ich appeliere an Aufklärung und Bildung! Hätten die Ägypter diese gehabt, wäre die Wahl mit vorausdenkend anders ausgegangen!

  3. Ich sehe da zwei Problemfelder, die aufeinander treffen.
    Mursi wurde gewählt, vielleicht auch, weil viele Angst vor ausländischem Einfluss hatten.
    Viele Oppositionsführer des "Frühlings" sind zwar Ägypter, haben aber nicht im Land gelebt.
    Das hat die Menschen verunsichert.

    Jetzt wäre eine starke UNO gefragt, die ohne Waffeneinsatz alle Seiten an einen "runden" Tisch bringt und eine Politiklinie für Ägypten findet.

    • Ingor
    • 11. Dezember 2012 21:52 Uhr

    mehrheitlich die Muslimbrüder gewählt. Nun haben sie, was sie wollten, und schon ist es wieder nicht recht. In einer Demokratie haben die Menschen das Recht, Parteien zu wählen, die die Demokratie abschaffen wollen. Das ist geschehen, und wenn sich eine Minderheit dagegen auflehnt, entspricht das nicht den Gepflogenheiten einer Demokratie.

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    • va
    • 11. Dezember 2012 23:00 Uhr

    Als zynischen Kommentar lasse ich das noch gelten.

    Plakat auf einer Demonstration am Dienstag, den 11/12/2012. Quelle: Tagesschau.

    • Mardt
    • 11. Dezember 2012 22:10 Uhr
    7. ...!!

    Ich finde es schockierend, dass die Bürger tatsächlich dazu gezwungen werden über den Verfassungsentwurf zu entscheiden. Da ist man davon ausgegangen mit einem neuen Präsidenten wird alles besser und es ist genau das Gegenteil geworden. Aber nun gut, man muss leider sehen, dass, wie von vielen auch schon angemerkt, die Ägypter die Muslimbrüder leider selbst gewählt haben. Dennoch ist das keine Rechtfertigung für die Krawalle und Demonstrationen, die dadurch jetzt stattfinden. Den Menschen wird es immer schlechter gehen, da Touristen ausbleiben und das Land nun mal auch vom Tourismus lebt. Ich frage mich, wie man es zulassen kann, immer genau den Falschen an die Macht zu lassen. Ich appeliere an Aufklärung und Bildung! Hätten die Ägypter diese gehabt, wäre die Wahl mit vorausdenkend anders ausgegangen!

  4. Hoffentlich nehmen am Mittwochabend alle Oppositionsführer und die 10 wichtigsten Armeeführer (nicht nur der von Mursis Gnaden) zusammen mit den Muslimbrüdern an dem runden Tisch teil. Auch die Verfassungsrichter gehören dazu.
    Es müsste fast allen klar werden, dass eine Mehrheitspartei nicht alleine eine Verfassung für alle Ägypter im Schnellverfahren festlegen darf. 30 - 40% der Ägypter blieben sonst außen vor und ewige Unruhe oder iranische Unterdrückung wäre die Folge.
    Die Armee muss sehen, dass sie jetzt den Schlüssel für den inneren Frieden in der Hand hält. Das Referendum muss auf jeden Fall als erstes verschoben werden.
    Bei den dann folgenden Sitzungen braucht es sicher erfahrene internationale Vermittler - aber bitte nicht aus Iran, Russland oder China!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, tis
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Militär | Abdel Fattah al-Sissi | Nachrichtenagentur | Protest | Präsident
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