Bundeswehr : Falsche Erfolgsmeldungen aus Afghanistan

Der Einsatz am Hindukusch geht zu Ende. Feldlager werden geschlossen, Kampftruppen reduziert. Doch wie steht es wirklich um die Sicherheitslage im Land? Von H. Friederichs
Bundespräsident Joachim Gauck besucht Bundeswehr-Soldaten im Camp Marmal. © Fabrizio Bensch/Reuters

Es sind schöne Erfolgsgeschichten aus Afghanistan : Die lokale Armee sowie die Polizei seien professioneller geworden und würden Verantwortung für immer mehr Provinzen übernehmen. So erzählen es die Nato-Staaten und ihre Verbündeten und stellen damit der eigenen Mission am Hindukusch im Moment sehr gute Noten aus. " Afghanistan kann mehr und mehr für die eigene Sicherheit sorgen", sagt der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière hob bei seinem jüngsten Besuch im Einsatzgebiet Erfolge hervor und in Masar-i-Scharif lobte der eingeflogene Bundespräsident diese Woche die deutschen Soldaten . Durch ihre Arbeit schöpften die Afghanen Mut, sagte Joachim Gauck, dass sie "selber für ihre bessere Zukunft arbeiten können".

Das Vorbild Irak zeigt auch die Risiken

Bis 2014 soll die Verantwortung für die Sicherheit am Hindukusch voll und ganz bei afghanischen Truppen liegen. So war es auf der Londoner Afghanistan-Konferenz beschlossen worden. Vorbild ist das Ende des Kampfeinsatzes in Irak 2010 : US-Präsident Barack Obama hatte die Strategien seines Militärs aus Irak auf Afghanistan übertragen lassen. Zunächst genehmigte er den sogenannten Surge , die massive Truppenaufstockung. Dann gab die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) vor, dass künftig die "Herzen und Köpfe" der Afghanen gewonnen werden müssten. " Clear, hold, build " hieß nun die Strategie: erobern, halten, aufbauen.

Doch das Beispiel Irak zeigt gerade, dass es so einfach nicht ist. Vor einem Jahr erklärte Obama den dortigen Einsatz für beendet und sprach von den großen Erfolgen. Doch immer noch kommt es regelmäßig zu schweren Anschlägen in Bagdad und anderen irakischen Städten. Die Sicherheitslage ist genauso fragil wie vor dem Abzug. In Afghanistan spricht selbst der deutsche Bundespräsident noch von "kriegsähnlichen Zuständen".

Die Sprachregelung hat sich geändert

Doch, so kurz vor dem geplanten Abzug äußert sich die Bundeswehr optimistisch: "Die Lage ermöglicht eine militärisch angemessene und politisch verantwortungsvolle Kräfteanpassung, die der gemeinsam beschlossenen Strategie aller Isaf-Staaten entspricht." Deutsche Soldaten werden nun aus der Fläche abgezogen, der Stützpunkt Observation Post (OP) North soll Anfang des Jahres geschlossen werden, danach das Feldlager in Kundus . Das Feldlager in Faisabad wurde bereits aufgegeben. Die Bundeswehr zieht sich in das große Feldlager in Masar-i-Scharif zurück, das in einer ruhigen Region liegt.

Ziel der Isaf ist es aktuell, die Zahl der eigenen Kontingente zu reduzieren und den Abzug im Jahr 2014 vorzubereiten – nicht nur organisatorisch, sondern auch verbal. Zunächst wird die Anzahl der Soldaten von 4.900 auf 4.400 reduziert. Bis Ende Februar 2014 sollen nur noch 3.300 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert sein, und nicht – wie derzeit noch 4.400. Deutschland dürfte dennoch drittgrößter Truppensteller bleiben.

2010 und 2011 wurde noch viel über die schwierigen Einsätze der Bundeswehr am Hindukusch gesprochen, über stundenlange Feuergefechte mit dem Gegner, über die zahllosen Gefahren für die Soldaten. In diesem Jahr änderte sich die Sprachregelung bei Bundesregierung und Bundeswehr. Mit der Unterstützung seiner Partner werde Afghanistan "vollständig in der Lage" sein, die Sicherheit im Land zu garantieren, bekräftigte auch Zalmay Rassoul, der Außenminister Afghanistans bei seinem Besuch in Berlin Ende November.

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Kommentare

61 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

1. Kommentar schon eine Falschaussage.

Uranmunition, ist Munition zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen, durch die Hohe dichte des abgereicherten Urans im Vergleich zu Materialien wie Wolfram Carbid, wird bei gleichem Kaliber eine höhere Durchschlagswirkung erziehlt, nun stellt sich die Frage wieso sie denken, dass die NATO solche, auch teure Munition in Afghanistan im Kampf gegen Leicht Infanterie , nix anderes sind die Insugents, einsetzen sollte? Also gegen vollkommen ungepanzerte Kräfte.

Aber Sie sind ja sicher auch der Meinung, dass die Taliban in Afghanistan hochgeachtete Freiheitskämpfer sind, und keine: Menschenhändler, Vergewaltiger und Drogenbarone, und Massenmörder.

Man sollte solche Kommentare, wegen ihrer Falschaussagen nicht etwa bannen sondern markieren.

Unsere Terroristen

"Continued US sponsorship of the al-Qaeda-Taliban nexus in Afghanistan was confirmed as late as 2000 in Congressional hearings. Testifying before the Senate Foreign Relations Subcommittee on South Asia, Congressman Dana Rohrabacher – former White House Special Assistant to President Reagan and now Senior Member of the House International Relations Committee – declared that ‘this administration has a covert policy that has empowered the Taliban and enabled this brutal movement to hold on to power’. The assumption is that ‘the Taliban would bring stability to Afghanistan and permit the building of oil pipelines from Central Asia through Afghanistan to Pakistan’.US companies involved in the project included UNOCAL and ENRON.US officials held several meetings with the Taliban from 2000 to summer 2001, in an effort to get the Taliban to agree to a joint federal government with their local enemies, the Northern Alliance, promising financial aid and international legitimacy if the deal was struck.According to Pakistani Foreign Minister Niaz Naik, who was present at the meetings, US officials threatened the Taliban with military action if they failed to comply with the federalization plan. Even the date of threatened military action, October 2001, was proposed. Needless to say, the Taliban rejected the plan.So months before the 9/11 terrorist attacks, a war on Afghanistan was already on the table."
http://www.newint.org/fea...

Nicht unbedingt teuer

Wow, dem Kommentator Falschaussage zu unterstellen und selbst ohne Quellen kommen und ihm sofort Sympathie für die Taliban zu unterstellen, ist schon ein starkes Stück, zumal es mehr als genug Anhaltspunkte zu einem möglichen Einsatz dieser Waffen in Afghanistan gibt, googlen Sie einfach mal. Und ich wage auch zu bezweifeln, dass diese Waffen teuer sein müssen (http://www.taz.de/!86384/ z.B.). Immerhin nutzt man hier oft Uran, welches entweder keinen großen Reinheitsgrad hat oder schon einige Zerfallszyklen hinter sich hat. Somit hat man die Müllbeseitigung schon in der Tasche... Außerdem eignet es sich generell als durchschlagskräftiges Material zum Beispiel beim Angriff auf Häuser, die wohl ein oft genutztes Versteck bei Talibanangriffen sein dürften. Ihr Kommentar dürfte unter diesen Punkten wohl auch in die Kategorie 'gesondert markiert' gesteckt werden können.