Afghanische ArmeeEmanzipationskampf über Kabul

Sie sind die ersten Helikopterpilotinnen bei der afghanischen Armee seit 20 Jahren – und kämpfen jetzt gegen Terroristen und für Gleichberechtigung. Von F. Hossein Pour von Forough Hossein Pour

Die afghanischen Helikopterpilotinnen Masooma Hussaini und Sourya Saleh

Die afghanischen Helikopterpilotinnen Masooma Hussaini und Sourya Saleh  |  Forough Hossein Pour

Wenn Masooma Hussaini und Sourya Saleh über das Gelände ihres neuen Arbeitsplatzes laufen, einen Militärflugplatz in Kabul, werden sie immer wieder beglückwünscht und umarmt. Von jüngeren Frauen, für die die beiden Afghaninnen Vorbilder sind. Denn Hussaini und Saleh sind die ersten beiden Hubschrauberpilotinnen seit 20 Jahren, die die afghanische Armee ausgebildet hat.

Vor Kurzem sind die Zwanzigjährigen aus den USA zurückgekehrt, wo sie von der US-Armee zu Hubschrauberpilotinnen ausgebildet wurden. "Ich wollte etwas Außergewöhnliches, etwas ganz Neues schaffen", sagt Saleh. Sechzehn Monate dauerte die Schulung auf dem Militärstützpunkt Fort Rucker in Alabama, die für die beiden jungen Frauen weit mehr als nur eine Berufsausbildung ist: "Afghanische Frauen werden seit Jahren unterdrückt. Es ist an der Zeit, Neues zu wagen und mit mehr Mut uns selbst und der Welt zu beweisen, dass wir auch stark sein können", sagt Hussaini. Und Saleh fügt hinzu: "In vielen Ländern ist es selbstverständlich, dass Männer und Frauen bei der Armee Seite an Seite ihren Dienst ausüben. Das müssen wir auch in Afghanistan erreichen."

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Gegen 15 Konkurrentinnen durchgesetzt

Nach dem Abitur begannen Saleh und Hussaini 2009 zunächst eine Offiziersausbildung in Kabul und absolvierten einen Lehrgang bei der afghanischen Luftwaffe. Schon diese Zeit hat die beiden zusammengeschweißt. Gemeinsam zitterten sie vor der Aufnahmeprüfung für den wichtigsten Teil der Ausbildung in den USA: "Wir waren sehr aufgeregt", erinnert sich Saleh. "Aber nicht wegen des theoretischen Prüfungsteils. Vielmehr machten wir uns Sorgen, ob wir den Gesundheitstest bestehen würden", sagt sie. "Denn darauf hat man am wenigsten einen Einfluss."

Doch die beiden konnten sich gegen fünfzehn Konkurrentinnen durchsetzen und zogen auf die Lackland Air Force Base in Texas. Dort lernten sie Englisch und absolvierten den theoretischen Teil ihrer Ausbildung – und veränderten nebenbei das Afghanistan-Bild der Amerikaner dort. "Viele konnten es am Anfang nicht fassen, dass zwei Afghaninnen sich zu Kampfhubschrauber-Pilotinnen ausbilden lassen wollen", so Saleh. "Die meisten Amerikaner kennen Afghanistan nur aus den Medien und haben die üblichen Kriegsbilder vor Augen. Durch die Begegnung mit uns lernten sie auch andere Seiten unseres Landes kennen", so Hussaini.

Nicht nur die Flugeinsätze sind gefährlich

Ihren ersten Flug werden die beiden nie vergessen. Salehs braune Augen funkeln, wenn sie von den Übungen erzählt: "Wie man in bestimmten Situationen einen Hubschrauber in der Luft still halten kann, sodass er sich in keiner Weise bewegt", schwärmt sie. "Die verschiedenen Notlandungen, ob im Wald oder in Gebirgslandschaften und die Nachtflüge waren super-aufregend."

Nicht nur die Flugeinsätze sind gefährlich für die beiden Pilotinnen. Gleichzeitig kämpfen sie in einer noch sehr traditionellen Gesellschaft für die Chancengleichheit der Frauen und machen sich so zur Zielscheibe: "Unsere Eltern müssen viel ertragen", erzählt Hussaini. "Ihre Sorgen fangen bereits an, wenn wir das Haus verlassen. Nicht nur wegen der Kampfeinsätze: Sie befürchten, Extremisten könnten uns auf offener Straße etwas antun." Trotzdem hätten ihre Eltern ihnen immer die Kraft gegeben, weiterzumachen, sagt Saleh.

Leserkommentare
    • lonetal
    • 13. Dezember 2012 18:39 Uhr

    Nur ein kleines Beispiel für Erfolge in Afghanistan, an denen auch die Bundeswehr ihren Anteil hat.

  1. ... und recht überraschend.

    Aber ist diese Entwicklung nicht nur der Tropfen auf den heißen Stein?
    Ich wünschte, es wäre nicht so.

  2. schön darüber zu erfahren.Doch solche Frauen müssen sehr vorsichtig sein. Dank ausländische Mächte sind sie da, wo sie gerade sind.
    Einige afghanische Politiker/Männer haben ein großes Problem damit und würden am Liebsten solche Frauen wieder hinterm Herd und nur zuHause sehen. Bei Bedarf kann ich auch Namen nennen. Die "stolze" afghanische Männer wollen keine Frauen bei der Arbeit sehen.Die Tradition ist wichtiger und wer sie bricht,wird früher oder später bestraft.

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    • xpeten
    • 13. Dezember 2012 19:20 Uhr

    noch nicht so lange her, da wollten auch die Männer in unseren Landen Frauen ausschließlich am Herd und bei den Kindern sehen. Das hat sehr lange gedauert, bis sich freiheitliches Denken am Ende erfolgreich durchgesetzt hat, und - der Kampf ist auch hier noch nicht ganz gewonnen.

    Insofern, auch kleine Schritte führen nach vorne, und, um beim Bild Ihres Vorredners zu bleiben, Tropfen höhlen auch den heißen Stein.

    • xpeten
    • 13. Dezember 2012 19:20 Uhr
    4. Es ist

    noch nicht so lange her, da wollten auch die Männer in unseren Landen Frauen ausschließlich am Herd und bei den Kindern sehen. Das hat sehr lange gedauert, bis sich freiheitliches Denken am Ende erfolgreich durchgesetzt hat, und - der Kampf ist auch hier noch nicht ganz gewonnen.

    Insofern, auch kleine Schritte führen nach vorne, und, um beim Bild Ihres Vorredners zu bleiben, Tropfen höhlen auch den heißen Stein.

    Antwort auf "es ist "
  3. nachdem die letzten terminierten Rückzugsdaten der ISAF Truppen bekannt werden, auch lieber die Koffer packen. Qualifikationen haben sie ja jetzt zur Güte und leider ist Afghanistan nach wie vor Jahrhunderte von Zivilisationen der Unsrigen entfernt, so höhnisch das manchmal anmuten mag.

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    haben Sie Recht. Afghanistan lebt in seiner eigenen Steinzeit. Mit Deutschland kann man dieses Land nicht vergleichen. Ich wünsche mir es wäre so.Doch die Realität sieht anders aus.

  4. 6. leider

    haben Sie Recht. Afghanistan lebt in seiner eigenen Steinzeit. Mit Deutschland kann man dieses Land nicht vergleichen. Ich wünsche mir es wäre so.Doch die Realität sieht anders aus.

    Antwort auf "Die sollten..."
  5. 7. Freude

    "Dann können wir endlich unseren ersten Kampfeinsatz über Kabul fliegen", freut sich Hussaini.

    Zur Freude seh ich da keinen Anlass. Und wieso über Kabul?

    • Plupps
    • 13. Dezember 2012 21:35 Uhr

    wer in diesem Kroge Partei ergriffen hat, sollte besser nicht verlieren.

    Da ich an einen Sieg des Karsai-Regimes nicht glauben kann, wäre es spannend zu wissen, wo die Frauen in zehn Jahren sind - im Ausland?

    Immerhin wissen die beiden wofür sie kämpfen

    Lustig natürlöich auch: Einen Artikel mit dem Tenor "ich bin so heiss auf meinen ersten Kampfeinsatz" wäre mir männlichen Piloten wohl eher undenkbar - am Boden stirbt aber genau die gleiche Mischung von Zivilisten und Insurrgenten

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Afghanistan | Luftwaffe | US-Armee | Abitur | Ausbildung | Berufsausbildung
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