Dabei ist die Sorge der Europäer und Amerikaner, sie könnten wieder auf den Falschen setzen, unverkennbar. Die westlichen Diplomaten haben nicht vergessen, dass sie vor dem Sturz Saddam Husseins im Irak auf eine untaugliche Alternative gesetzt haben, die dem Land und ihnen bis heute zu schaffen macht. Allen ist klar, auch beim Machtwechsel in Syrien kann schrecklich viel schief gehen. Und doch ist da das Gefühl, das Regime Assad sei in seiner Endphase, man müsse auf "den Tag danach" vorbereitet sein.

Deshalb fließt viel Geld für humanitäre Projekte in den "befreiten Gebieten" (Westerwelle spricht die Anführungszeichen stets mit): für Wasser- und Stromversorgung, für Bäckereien, damit die Menschen in dem zerfallenden Staat an Brot kommen.

Waffenlieferungen überlässt man Katar

Dass auch Waffen geliefert werden, war in Marrakesch kein (öffentliches) Thema; die Ausrüstung der Freien Syrischen Armee überlässt man lieber Katar und Saudi-Arabien . Viele westliche Regierungen haben die Sorge, jene zu bewaffnen, die – wie einst die Taliban in Afghanistan – diese Waffen eines Tages gegen den Westen richten könnten. Schließlich kämpfen auch höchst dubiose Gruppierungen gegen Assad. Am selben Tag, an dem sie die "Nationale Koalition" anerkennen, setzen die Vereinigten Staaten die Al-Nusra-Front auf die Liste terroristischer Organisationen; die Front gilt als syrischer Ableger von Al-Kaida.

Trotz aller Zweifel und Ungewissheiten – der syrische Bürgerkrieg trete in seine entscheidende Phase, sagen die Freunde des Syrischen Volkes. Die Opposition habe zu der Einheit gefunden, die man von ihr als Voraussetzung für Anerkennung und Hilfe gefordert habe. Die Vorbereitungen für den Tag danach, sie haben begonnen.