Szenarien für SyrienPlanen für den Tag nach Assad

In Marrakesch trafen sich die Freunde Syriens, um die Zeit nach dem Bürgerkrieg vorzubereiten. Unübersehbar ist die westliche Angst, den Falschen zu helfen. Von M. Naß von 

Was für eine Bühne! In der Ferne schimmerten die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas. Unter einem tiefblauen Dezemberhimmel, umrahmt von Palmen, zog Guido Westerwelle an diesem Mittwoch Bilanz des halbtägigen Treffens der Freunde des syrischen Volkes. Vertreter von 114 Staaten und 14 internationalen Organisationen waren nach Marrakesch gekommen. Es war die vierte Konferenz der Freunde Syriens , nach Treffen in Tunis, Istanbul und Paris – und jedes Mal ist die Zahl der Teilnehmer gewachsen.

Einte sie anfangs der Protest gegen das russische und chinesische Doppelveto im UN-Sicherheitsrat vom Februar 2012, so sind die "Freunde" inzwischen das wichtigste Forum des Westens und der arabischen Staaten, das die Zukunft Syriens plant. Der deutsche Außenminister lässt an diesem sonnendurchfluteten Wintertag keinen Zweifel: Auch für die Bundesregierung ist die "Nationale Koalition der syrischen Oppositions- und Revolutionskräfte" nun die "legitime Vertretung" Syriens. Die "Nationale Koalition" hatte sich vor wenigen Wochen als Dachverband der syrischen Opposition gegründet – auch, weil der Westen sich einen neuen, repräsentativeren Ansprechpartner in dem Konflikt wünschte. Die EU-Außenminister hatten sich am Montag auf ihre Anerkennung verständigt; tags darauf hatten auch die Amerikaner zugestimmt. Assad müsse den Weg freimachen, fordert Westerwelle , es gebe nun eine klare Alternative. "Die Zeit dieses Regimes ist vorbei!"

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Ein Scheich als Hoffnungsträger

Westerwelle hat viel Zeit und viele Reisen in die Suche nach einem Ausweg aus dem syrischen Gemetzel investiert. Für ihn kommt nur eine politische Lösung in Frage, jede militärische Intervention, befürchtet er, könnte zu einem "Flächenbrand" in der Region führen. Natürlich braucht eine politische Lösung Zeit, und niemand kann den Erfolg garantieren. Aber Westerwelle sieht die Erosion des Regimes in Damaskus voranschreiten, und deshalb sei es jetzt an der Zeit, für die Zukunft zu planen.

Dabei bauen die Freunde Syriens auf den Führer der Nationalen Koalition, Scheich Ahmad Moaz Al-Khatib. Der einstige Prediger an der Umajaden-Moschee von Damaskus hat sich früh und unbeirrbar gegen das Regime Assad gewandt. Seine Opposition hat ihm Verfolgung, Haft und schließlich das Exil eingetragen. Heute lebt er in Kairo.

Vor den Delegierten in Marrakesch hielt Scheich Al-Khatib eine emotionale Rede. Der Spross einer prominenten Prediger-Dynastie gilt als jemand, der die unterschiedlichen Gruppen der Opposition zusammenführen kann. Und er hat das Vertrauen des Westens. Amerikas stellvertretender Außenminister William Burns, der in Marrakesch die erkrankte Hillary Clinton vertrat, lud Al-Khatib ein, Washington "zum frühest möglichen Zeitpunkt zu besuchen".

Leserkommentare
    • NDM
    • 13. Dezember 2012 18:13 Uhr

    Die meisten Punkte scheinen sehr vernünftig zu sein. Ist aber wohl eher ein Gerücht. An Konjunktiven wird ja nicht gespart. Im Gegenteil.

    Antwort auf "Wurde längst geplant"
  1. ...Ihre Phantasie in Ehren, aber Ihr Vergleich ist nicht korrekt.

    In Syrien gibt es, soweit Assad sie am Leben gelassen hat, weit über 70 % Sunniten, je 15 und 13 % Christen und Alaviten.

    Also ist es gerade nicht so, dass sich eine Minderheit der Mehrheit bemächtigen will, wie in Ihrem verqueren Beispiel die Katholiken, die hierzuland kaum auf über 30 % Bevölkerungsanteil kommen.

    Und von Kaliningrad Oblast scheinen Sie auch keine Ahnung zu haben, dort leben viel eher deutsche Evangelikale, als deutschstämmige Atheisten, Beleg wird gerne nachgereicht.

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    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lieber Demetrios,

    nicht auszuschliessen, dass sich eines Tages auch deutsche Christen wieder politisch radikalisieren, so wie es seit einigen Jahren Ableger der sunnitischen Muslimbrueder, Salafisten und andere tun. Wir sind immerhin alle Menschen, und niemand ist voellig immun gegenueber Verfuehrung durch Demagogen und Prediger.

    Ein grossangelegtes Missionswerk reicher radikaler Christen in Europa koennte in Zeiten einer massiven Wirtschaftskrise (z.B. wenn uns das Oel ausgeht) aehnliche gesellschaftliche Umwaeltzungen provozieren, wie wir sie derzeit in der arabischen Welt sehen. Inklusive Buergerkrieg.

    Die Krise von 1929 und ihre Folgen fuer Deutschland sind unvergessen.

    Herrgott, sorge dafür dass sich Humor und Ironie paaren dürfen.
    Was auch immer dieser Akt bewirkt...
    wirf es ab, aber lass es prasseln auf Die, die sofort ihre Zahlen zur Hand haben.

  2. Lieber Demetrios,

    nicht auszuschliessen, dass sich eines Tages auch deutsche Christen wieder politisch radikalisieren, so wie es seit einigen Jahren Ableger der sunnitischen Muslimbrueder, Salafisten und andere tun. Wir sind immerhin alle Menschen, und niemand ist voellig immun gegenueber Verfuehrung durch Demagogen und Prediger.

    Ein grossangelegtes Missionswerk reicher radikaler Christen in Europa koennte in Zeiten einer massiven Wirtschaftskrise (z.B. wenn uns das Oel ausgeht) aehnliche gesellschaftliche Umwaeltzungen provozieren, wie wir sie derzeit in der arabischen Welt sehen. Inklusive Buergerkrieg.

    Die Krise von 1929 und ihre Folgen fuer Deutschland sind unvergessen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Lieber Mitforist..."
  3. Die Bewaffnung sollte nach Möglichkeit eingestellt werden und eine politische Lösung gefunden werden. Westerwelles Haltung finde ich gut, nur eben müssen da auch die Finanzierländer mitmachen damit eine friedliche Lösung gefunden wird, was auf kurz oder lang der einzig richtige Weg sein kann. Anderweitig wird sich der Staat Syrien selbst zerstören und die Zahl der Toten und Kriegsverletzten weiter in ungeahnte höhen steigen. Das will zwar niemand, aber jene die eine Seite mit Waffen stützen und auf keinen politischen Kurswechsel dringen machen sich mitschuldig an dem Elend, sei es nun Russland oder Saudi Arabien und Katar.
    Zivilisiert wäre es von Russland einfach Assad zum Rücktritt aufzufordern und im gegenzug ein einstellen jeglicher Waffengeschäfte und Finanzspritzen in den Millitärsektor von Seiten Saudi Arabiens und Katar.
    Erst wenn die Opposition mitbekommt das sie keine unterstützung für den Bewaffneten Kampf erhalten werden diese sich wohl für friedliche Wege einsetzen.
    Meine Hoffnung liegt in der neugewählten Führung der Opposition die diese vielleicht doch noch zum Einlenken bewegen kann, wenn er sich denn für eine friedliche Lösung entscheidet.
    Sonst sind wir im nächsten Jahr nur bei 80000 Toten und einen nicht mehr existenzfähigen Staat und einen Diktator und Opposition deren jedes Mittel recht ist.
    Friedenspolitik sieht leider etwas anders aus, hier sollte Saudi Arabien und Katar etwas einsicht zeigen, das die Bewaffnung die Lage nur verschlechterte.

  4. Da beginnt der Kampf um den Zugang zu den Vorkommen an Erdgas
    Es geht dem Westen nicht um irgendeine Hilfe für Menschen. Es geht nur um Gas. Und wer dem Westen oder den USA den ungehinderten Zugang ermöglicht, der ist ein Demokrat und ein friedliebender Freiheitskämpfer, dem Dank gebührt. Wahrscheinlich in Form von Rüstungsgütern und Geld für sein Konto bei einer schweizer Bank.

  5. Erstaunlich wie sich dieser ZEIT-Beirag an die vorherige Diskussion anlehnen wird,
    Israel unter Liebermann.
    Sie schreiben völlig richtig dass...

    "wer solche Freunde hat..."

    Gemeinsam gegen Unterdrücker gekämpft, gemeinsam den erhoffte Sieg gefeiert.
    Dann die Ernüchterung.
    Hoppla, "ich" habe gesiegt.
    Der andere, der Aufwiegler, der mit dem Riesenmaul und den doppelten Patronengürteln hockt auf dem von mir beanspruchten Parlamentssessel.
    So nicht, liebe Kämpfer. ich bin dran.
    Fortsetzung siehe oben...
    "Gemeinsam gegen Unterdrücker gekämpft"

    Siehe Tunesien, Ägypten, Libyen und demnächst in der restlichen arabischen Welt.
    Beim besten Willen, das was sich der Westen erhofft, evtl, auch erkauft wird nie funktionieren.
    Wie sagt man auf Neudeutsch ?
    Partikular-Interessen, kein Gemeinsinn.
    Glaubensrichtung gegen Glaubensrichtung, Stamm gegen Stamm, Irrsinn gegen Irrsinn.
    Alltag sozusagen.

    Antwort auf "Wer solche Freunde hat"
  6. Zitat: "Dabei ist die Sorge der Europäer und Amerikaner, sie könnten wieder auf den Falschen setzen, unverkennbar."

    Es wird immer deutlicher: Der Westen befördert das, was er fürchtet. Er ist dabei, komplett seinen Verstand zu verlieren.
    Das lässt für die Zukunft nichts Gutes ahnen...

  7. sagen die Freunde des Syrischen Volkes.

    Moskau sagt dagegen: in die Phase sechstelliger Opferzahlen tritt der Konflikt. Danach mag dann auch ein Chaos beginnen.

    "Mr. Bogdanov offered a dark view of how the conflict would unfold from this point, saying that it took two years for the rebels to control 60 percent of Syria’s territory, and they will control it all in a year and a half.

    “If up until now 40,000 people have died, then from this point forward it will be crueler, and you will lose dozens or many hundreds of thousands of people,” he said. “If you accept this price to topple the president, what can we do? We of course consider this totally unacceptable.”

    http://www.nytimes.com/20...

    Wie gesagt: Danach mag es dann unübersichtlich werden zwischen Jihadisten, Halbjihadisten, gemäßigten Islamisten, Minderheiten, etc. Aber schuldig fühlen soll sich der Westen bereits jetzt.

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