ÄgyptenDemonstrationen und Kämpfe vor dem Referendum

Die Opposition kämpft bis zur letzten Minute, um Mursis Verfassung zu verhindern. Sie rufen zu einem Boykott, zumindest aber zu einem Nein beim Referendum auf. von reuters

Gegner des Präsidenten Mohammed Mursi in Ägypten

Gegner des Präsidenten Mohammed Mursi in Ägypten  |  © Mohamed Abd El Ghany/Reuters

Einen Tag vor dem umstrittenen Referendum über eine neue Verfassung sind in Ägypten wieder Tausende Menschen auf die Straßen gegangen. Bei den Protesten in Alexandria kam es zu Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten Mohammed Mursi . In Kairo blieb es erst einmal friedlich.

Einige Demonstranten gingen in der Hafenstadt Alexandria mit Schwertern und Knüppeln aufeinander los, berichteten Augenzeugen. Der Nachrichtensender Al-Arabija sprach von 13 Verletzten. Mehrere Autos seien in Brand gesetzt worden. Die Krawalle in Ägyptens zweitgrößter Stadt hatten in der Nähe einer Moschee begonnen, nachdem Oppositionelle Flugblätter ausgehändigt hatten.

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In Kairo blieb es zunächst ruhig. Die Organisatoren der Massenkundgebungen hatten darauf geachtet, ihre Marschrouten so zu wählen, dass sich Demonstranten aus beiden Lagern nicht auf der Straße begegnen.

Vor einer Moschee in der Nähe des Präsidialamtes versammelten sich Gefolgsleute Mursis , um für die umstrittenen Verfassungspläne zu werben. In Sprechchören riefen sie "Ja zur Verfassung", ließen den islamistischen Präsidenten hochleben und priesen das islamische Recht der Scharia. Nahezu zeitgleich versammelten sich Anhänger der säkularen Opposition vor dem Präsidentenpalast.

ElBaradei fordert Verschiebung des Referendums

Liberale, Linke und Christen lehnen die neue Verfassung ab , weil sie ihrer Ansicht nach einseitig islamistisch ausgerichtet ist und die Rechte von Minderheiten missachtet. Der ägyptische Friedensnobelpreisträger und Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei forderte Mursi auf, das Referendum zu verschieben. Der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, rief die Ägypter auf, mit "Nein" zu stimmen.

Die erste Runde des Referendums findet an diesem Samstag in Kairo und den großen Städten statt. Der zweite Durchgang ist am Samstag darauf im Rest des Landes geplant. Dann sollen auch erste Ergebnisse veröffentlicht werden. Allerdings wird erwartet, dass Resultate schon vorab durchsickern werden.

Soldaten und Panzer schützen Wahllokale

Vor der Abstimmung wurden umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So erhielt die Armee Polizeibefugnisse und soll Wahllokale sowie Regierungsgebäude schützen.

Zum Schutz des Präsidentenpalastes wurden Panzer in Stellung gebracht. Die Streitkräfte wollen etwa 120.000 Soldaten und 6.000 Panzer oder gepanzerte Fahrzeuge einsetzen.
In den vergangenen Wochen sind mindestens acht Menschen getötet und Hunderte verletzt worden, weil sie gegen die Verfassung auf die Straßen gegangen waren.

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Leserkommentare
  1. all jenen Ägyptern, welche in beispielhaftem Mut sich gegen die Islamisten und damit auch gegen die Geisel derer Förderer, der Finanzeliten stellen.

    Welche als freie und stolze Menschen jeden Tag wieder aufstehen, fest entschlossen sich nicht zu Knechten und Sklaven kranker Ideologen und gewissensloser Nutznießer erniedrigen zu lassen.

    Beispielhaft!

  2. Leider haben wir hier in der ZEIT nichts ueber die genaueren Inhalte der neuen Verfassung erfahren koennen...wuerde mich schon mal interessieren, bevor ich hier irgendeine Seite verurteile. Ich bin auch kein Freund von Islamischen Verfassungen...und denke auch, dass jede Landesverfassung auch die Minderheiten schuetzen muss, sonst kann das Volk (die versch Gruppierungen/Ethnien/Religionen) keinen Zusammenhalt entwickeln. Ich denke, wenn die Mehrheit der Buerger eine Islamische Ausrichtung ihrer Verfassung wuenscht, soll dies auch geschehen...es muss aber auch verhaldelbar sein, wie die Minderheiten zu schuetzen sind...
    Vielleicht sollten die Minderheiten sich darauf konzentrieren und nicht nur auf den Kampf, die Ablehnung, den Boykott.

    Zur Wahl zu gehen und zur Verfassung "NEIN" zu sagen ist demokratischer als zu boykotieren!
    Wenn 40% NEIN stimmen kommen, dann hat die Regierung (und die Verfassung) ein Problem, bei 15% nicht. dh wenn viele boykotieren, kann sich die Regierung besser rausreden, dass mehr Minderheitenschutz nicht notwendig ist!
    Also wuerde ich vorschlagen, eher zur Wah zu gehen und mit NEIN stimmen als boykotieren.

    • Felefon
    • 15. Dezember 2012 1:59 Uhr

    Vor lauter ausländischen und religiösen Werbeangeboten ist den Ägyptern offenbar vorübergehend der eigene Vorteil abgekommen.

    Das kennen wir als Deutsche bereits vorweg.

    UMTS-Versteigerung, Autobahnmaut, Einwegpfand, Glühbirnenverbot, Griechenlandhilfe, EEG -
    das sind alles Sachen die den Ägyptern jetzt noch bevorstehen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, sk
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Ägypten | Brand | Fahrzeug | Minderheit | Moschee
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