Das US-Konsulat in Bengasi © Esam Al-Fetori/Reuters

Drei Monate nach dem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi werden im Außenministerium in Washington personelle Konsequenzen gezogen. Der Leiter der Abteilung "diplomatische Sicherheit", Eric Boswell, trat am Mittwoch mit sofortiger Wirkung zurück, drei weitere Mitarbeiter wurden nach Aussage von Ministeriumssprecherin Victoria Nuland vom Dienst suspendiert. Außenministerin Hillary Clinton habe Boswells Entscheidung akzeptiert. Bei den suspendierten Mitarbeitern handelt es sich nach Medienberichten um die für die Sicherheit der Botschaften zuständige stellvertretende Abteilungsleiterin Charlene Lamb, einen Sicherheitsexperten und einen für Nordafrika zuständigen Beamten.

Die Schritte folgen auf die Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts zu der Botschaftsattacke, in dem das US-Außenministerium stark kritisiert wird. Der Bericht einer unabhängigen Kommission spricht von gravierenden Sicherheitsmängeln: Schwere Fehler in gleich zwei Abteilungen der Behörde hätten zu Sicherheitslücken geführt. Vor allem die Arbeit des diplomatischen Sicherheitsdienstes wird darin kritisiert.

Das Außenministerium habe demnach nicht genügend erfahrene Sicherheitsleute zur Verfügung gehabt und sich deshalb zum Schutz des Konsulatsgeländes auf örtliche Milizen verlassen. Zudem habe die Behörde Bitten der US-Botschaft in Tripolis um umfangreicheren Schutz ignoriert. "Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass die Sicherheitsvorkehrungen... nicht der Bedrohungslage in Bengasi entsprach und in der Tat krass unzureichend war, mit der Attacke... fertig zu werden", sagte der ehemalige Generalstabschef Mike Mullen, der dem Untersuchungsgremium angehört.

"Schmerzhafte Lektionen in Bengasi gelernt"

Bei dem Angriff am 11. September waren der Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten getötet worden. Der Vorfall wurde erst Tage später von der US-Regierung als gezielter Terrorangriff eingestuft. Zunächst hatte es geheißen, die Attacke habe sich aus spontanen Protesten gegen einen in den USA produzierten Schmähfilm über den Propheten Mohammed entwickelt. Außenministerin Clinton hatte die unabhängige Untersuchung des Vorfalls angeordnet.

"Wir haben einige sehr harte und schmerzhafte Lektionen in Bengasi gelernt", sagte Clintons Stellvertreter William Burns. Da Clinton wegen einer Erkrankung verhindert ist, soll er am heutigen Donnerstag vor dem US-Kongress zu dem Angriff in Bengasi aussagen. Clinton wird im Januar befragt.