In Italien hat man ihn monatelang nur den "steinernen Gast" genannt: Wie die ominöse Gestalt aus Mozarts Don Giovanni hat Silvio Berlusconi fast bis zum Finale gewartet – jetzt hat er sein Schweigen gebrochen: Berlusconi und kein anderer will seine Mitte-Rechts-Partei PdL ( Volk der Freiheit ) in die bevorstehenden Parlamentswahlen führen.

Um seine erneute Rückkehr in die Politik zu verkünden, trat der 76-Jährige nicht vor die Kamera. Er ließ am späten Mittwochabend eine Pressemeldung veröffentlichen und erklärte, dass er die Stimmen derjenigen nicht länger ignorieren könne, die ihn bäten, das Ruder wieder in die Hand zu nehmen.

Geht es nach der italienischen Presse, so war dies kein gut durchdachtes politisches Manöver Berlusconis. Ihn habe eher der Frust gegenüber seinen Parteifreunden getrieben. Berlusconi soll sich betrogen fühlen: Seine politische Schöpfung, die PDL, sei ohne seine Führung auseinandergebrochen.

Nun schafft der Expremier mit einem Schlag Ordnung in den eigenen Reihen und schickt gleichzeitig den politischen Herausforderern eine klare Botschaft: Die Regeln des Spieles bestimme nach wie vor ich.

"Montis Regierungszeit ist am Ende"

Damit hat der italienische Wahlkampf offiziell begonnen. Der amtierende Premier Mario Monti ahnte dies bereits im Sommer. Die Regierung, sagte er im August, würde nur bis Weihnachten Zeit haben, um das geplante Reformprogramm umzusetzen. Danach werde der Wahlkampf wichtiger als die Beziehung zu den europäischen Partnern.

Berlusconi jedenfalls befürwortete vor zwei Monaten noch eine zweite Amtszeit seines Nachfolgers. Doch jetzt schlagen seine Parteikollegen andere Töne an. " Montis Regierungszeit ist am Ende", sagte der PdL-Vorsitzende Angelino Alfano am Freitag im Abgeordnetenhaus .

Als die italienische Regierung am Donnerstag erneut die Vertrauensfrage im Parlament gestellt hatte, hatten sich die Abgeordneten der PdL enthalten. So ist die überparteiliche Mehrheit, die Montis Mannschaft unterstützte, de facto aufgelöst. Dabei stehen einige wichtige Entscheidungen noch bevor, zum Beispiel der Haushaltsplan.

"Wir wollen nicht, dass das Land ins Chaos stürzt", versicherte Alfano. Die PdL werde bei den wichtigsten Entscheidungen mitstimmen. Der Vorsitzende ließ allerdings in seiner Rede vor dem Parlament keinen Zweifel daran, dass der Wahlkampf bereits begonnen hat: " Wir glauben an die EU ", sagte er. "Das heißt aber nicht, dass wir weiterhin immer Ja zu Forderungen aus Deutschland und Frankreich sagen werden."