ItalienDer verzweifelte Paukenschlag des Silvio Berlusconi

Er will wieder Ministerpräsident werden. Doch die Chancen für Berlusconis Partei stehen schlecht – manch ein Anhänger wirft ihm Selbstzerstörung vor. von 

Silvio Berlusconi

Silvio Berlusconi  |  © Tony Gentile/Reuters

In Italien hat man ihn monatelang nur den "steinernen Gast" genannt: Wie die ominöse Gestalt aus Mozarts Don Giovanni hat Silvio Berlusconi fast bis zum Finale gewartet – jetzt hat er sein Schweigen gebrochen: Berlusconi und kein anderer will seine Mitte-Rechts-Partei PdL ( Volk der Freiheit ) in die bevorstehenden Parlamentswahlen führen.

Um seine erneute Rückkehr in die Politik zu verkünden, trat der 76-Jährige nicht vor die Kamera. Er ließ am späten Mittwochabend eine Pressemeldung veröffentlichen und erklärte, dass er die Stimmen derjenigen nicht länger ignorieren könne, die ihn bäten, das Ruder wieder in die Hand zu nehmen.

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Geht es nach der italienischen Presse, so war dies kein gut durchdachtes politisches Manöver Berlusconis. Ihn habe eher der Frust gegenüber seinen Parteifreunden getrieben. Berlusconi soll sich betrogen fühlen: Seine politische Schöpfung, die PDL, sei ohne seine Führung auseinandergebrochen.

Nun schafft der Expremier mit einem Schlag Ordnung in den eigenen Reihen und schickt gleichzeitig den politischen Herausforderern eine klare Botschaft: Die Regeln des Spieles bestimme nach wie vor ich.

"Montis Regierungszeit ist am Ende"

Damit hat der italienische Wahlkampf offiziell begonnen. Der amtierende Premier Mario Monti ahnte dies bereits im Sommer. Die Regierung, sagte er im August, würde nur bis Weihnachten Zeit haben, um das geplante Reformprogramm umzusetzen. Danach werde der Wahlkampf wichtiger als die Beziehung zu den europäischen Partnern.

Berlusconi jedenfalls befürwortete vor zwei Monaten noch eine zweite Amtszeit seines Nachfolgers. Doch jetzt schlagen seine Parteikollegen andere Töne an. " Montis Regierungszeit ist am Ende", sagte der PdL-Vorsitzende Angelino Alfano am Freitag im Abgeordnetenhaus .

Als die italienische Regierung am Donnerstag erneut die Vertrauensfrage im Parlament gestellt hatte, hatten sich die Abgeordneten der PdL enthalten. So ist die überparteiliche Mehrheit, die Montis Mannschaft unterstützte, de facto aufgelöst. Dabei stehen einige wichtige Entscheidungen noch bevor, zum Beispiel der Haushaltsplan.

"Wir wollen nicht, dass das Land ins Chaos stürzt", versicherte Alfano. Die PdL werde bei den wichtigsten Entscheidungen mitstimmen. Der Vorsitzende ließ allerdings in seiner Rede vor dem Parlament keinen Zweifel daran, dass der Wahlkampf bereits begonnen hat: " Wir glauben an die EU ", sagte er. "Das heißt aber nicht, dass wir weiterhin immer Ja zu Forderungen aus Deutschland und Frankreich sagen werden."

Leserkommentare
  1. der Motor füe ein Mittelmeer-Union sein, mit den Außengrenzen ähnlich des römischen Reiches. Das würde die gesamte Gegend stabilisiern und den Boden für eine EU-Erweiterung in diesen Raum ebnen. Berlusconi könnte bei dem Laden dann in den kommenden 30 Jahre den Paten spielen, vielleicht übernimmt er sogar die Gaderobe Ghaddafis und ehelicht Lady Gaga Dann wäre das Bild komplett stimmig.

    14 Leserempfehlungen
    • achimvr
    • 07. Dezember 2012 20:08 Uhr

    Erst ein Monti der die Autonomie immer wieder beschneidet, dann wieder diesen Bunga-Bunga-Clown?!

    8 Leserempfehlungen
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    • europeo
    • 08. Dezember 2012 8:20 Uhr

    ja genau, das problem europas und italiens ist das reiche und politisch autonome südtirol. sie habens verstanden...nur weil man dort/hier deutsch spricht vertreten nicht alle ihre meinung, ich jedenfalls nicht.
    wer sich mit der italienischen politik befasst, anstatt slogans auszurufen wie sie, weiss, dass berlusconi (laut wahlprognosen und in betracht der totalen zersplitterung der italienischen rechten) diesmal wohl kaum, chancen hat.

  2. Ein Krimineller versucht, über die Politik Einfluß auf die Justiz zu erhalten, die ihn im Normalfall verurteilen muß.

    19 Leserempfehlungen
    • va
    • 07. Dezember 2012 20:09 Uhr

    hoffentlich gibt der italienische Wähler mal ein Zeichen. Ichf rage mich warum Silvio noch so viel Unterstützung erfährt. Mehr kann man dazu nicht sagen.

    3 Leserempfehlungen
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    von der deutschen Presse.

    Berlusconi mag seine Macken haben, aber in gewisser Weise ist er auch unbestechlich.

    Monti ist ein Knecht der Banken, für viele Italiener ist damit Berlusca eindeutig das kleinere Übel, zumal ihn im Moment und inseinem Alter wohl am ehesten wirkliche Vaterlandsliebe antreibt.

    Sicher wird es noch länger dauern bis diese Sichtweise in D. wahrgenommen wird.

  3. Berlsconi pflegt Verlustängste. Der Verlust der Zuneigung "seiner" Italiener nämlich ist es, was dem greisen Alleinunterhalter mit angeblich "politischen" Ambitionen zu schaffen machen. Sein Hang zur Selbstdarstellung hat das Land am Euro-Abgrund erfolgreich teilnehmen lassen. Dummerweise sind seine Vasallen nun nicht in der Lage, den ächzenden alten Zug wieder in Mamma Romas geordnete Gleise zu lenken.

    3 Leserempfehlungen
  4. kenne und schätze ich meine Freundschaften & Kontakte in Italien. Die meisten davon sind sehr, wirklich sehr unangenehm von Silvio Berlusconi angetan. Einige unter ihnen haben mir gesagt, das im Falle einer Wiederkandidatur seitens Berlusconi und im schlimmsten Falle auch noch seines Sieges, sie Italien lieber verlassen wollen; egal wohin. Ich bin mir sicher, das dies keine einfachen Floskeln waren & einer Italienerin und einem Italiener wirklich nur sehr schwer über die Lippen kam bzw. kommt. Die Motivation seitens Silvio Berlusconi kann man wirklich seit langem nicht mehr verstehen, egal ob "Gegner" oder "Anhänger"...

    11 Leserempfehlungen
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    bin ja echt angenehm überrascht, mal ne ganz andere Meinung..ansonsten siehe Kommentare oben und die die sicher noch reichlich folgen werden...alles wahre Italien Kenner aus der Bild Zeitung ..oder von irgendwelche Experten die Fussball Niederlagen nie verdauen werden...

    Gruß

  5. bin ja echt angenehm überrascht, mal ne ganz andere Meinung..ansonsten siehe Kommentare oben und die die sicher noch reichlich folgen werden...alles wahre Italien Kenner aus der Bild Zeitung ..oder von irgendwelche Experten die Fussball Niederlagen nie verdauen werden...

    Gruß

    2 Leserempfehlungen
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    Upps, bin auch sehr überrascht über Ihren Kommentar. Inhaltslos, ohne Aussage, herzlichen Dank. Manchmal ist weniger oder auch gar nix eben mehr.

  6. 2 Leserempfehlungen
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    ich weiß es auch nicht.

    Oder haben Sie im Titel hinter "noch" kein Kommata vergessen?

    Gruß
    Ernst

    (kleiner Scherz)

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