Frankreich und Großbritannien haben Israels Botschafter in ihren Ländern einbestellt. Sie wollen damit ihre Kritik an Israels Plänen zum forcierten Siedlungsbau im Westjordanland und in Ost-Jerusalem zum Ausdruck bringen. Weitere Maßnahmen wie der Abzug der eigenen Botschafter aus Tel Aviv sind offenbar ernsthaft erwogene Optionen.

Ein Sprecher der israelischen Botschaft in Paris sagte, Botschafter Yossi Gal sei vom französischen Außenministerium einbestellt worden. Das britische Außenministerium teilte mit, der israelische Botschafter in London, Daniel Taub, sei zu einem Gespräch mit dem für den Nahen Osten zuständigen Außenstaatssekretär Alistair Burt einbestellt worden. Die britische Regierung hatte zuvor eine "starke Reaktion" angekündigt. Burt wollte in dem Gespräch mit Taub die "Tiefe der Bedenken" Großbritanniens deutlich machen.

Auch Schweden bestellte den israelischen Botschafter in Stockholm ein. Außenminister Carl Bildt nannte Israels Siedlungspläne im schwedischen Parlament "extrem beunruhigend".

Die Briten erwägen sogar den Abzug ihres Botschafters aus Tel Aviv, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Diplomaten, der namentlich nicht genannt werden wollte. Die Regierung wolle noch am heutigen Montag eine Entscheidung treffen. Ein Abzug des Botschafters würde eine harsche diplomatische Kritik am Vorgehen Israels bedeuten. Laut Guardian werden auch noch andere Sanktionen diskutiert, etwa eine stärkere Kennzeichnung von Exportprodukten aus den Siedlungsgebieten und die Aussetzung des Strategie-Dialogs mit Israel.

"Jegliche Entscheidung über weitere Maßnahmen, die Großbritannien ergreifen könnte, hängt vom Ergebnis unserer Diskussionen mit der israelischen Regierung und unserer internationalen Partner, darunter die USA und die Europäische Union, ab", teilte das Außenministerium mit. Die britische Botschaft in Tel Aviv erklärte, sie habe die israelische Regierung aufgefordert, ihre jüngste Entscheidung zum Bau neuer Wohnungen im Westjordanland zu überdenken.

Die israelische Tageszeitung Haaretz meldete, dass auch Frankreich über einen Abzug seines Botschafters nachdenke. Die französische Regierung dementierte dies lediglich indirekt mit den Worten, es gebe andere Wege, Kritik an den israelischen Plänen zum Ausdruck zu bringen.

Israel hatte am Freitag den Bau von 3.000 neuen Wohneinheiten in den Palästinensergebieten genehmigt. Das Bauvorhaben bezieht sich insbesondere auf die sogenannte Zone E1 zwischen Jerusalem und der Siedlung Ma'ale Adumim. Das Vorhaben, Ma'ale Adumim an die jüdischen Siedlungen in Ost-Jerusalem anzubinden, gefährdet eine palästinensische Staatsgründung, weil dadurch das Westjordanland zweigeteilt würde.