Massaker in NewtownUS-Demokratin fordert Einsatz von Soldaten zum Schutz der Schulen

Die Senatorin Barbara Boxer schlägt vor, die Nationalgarde im Umfeld von Schulen zu stationieren. Ihre Gesetzesinitiative sieht sie als Beitrag zur Landesverteidigung. von dpa

Die Demokratin Barbara Boxer sitzt für Kalifornien im US-Senat.

Die Demokratin Barbara Boxer sitzt für Kalifornien im US-Senat.  |  ©Joshua Roberts/Reuters

Nach dem Massaker von Newtown war es nur eine Frage von wenigen Tagen, dass die erste Gesetzesinitiative den US-Kongress erreichen würde. Das Rennen machte nun eine Abgeordnete aus Kalifornien : Die Senatorin Barbara Boxer (Demokraten) hat ein Gesetz eingebracht, mit dem die Stationierung von bewaffneten Nationalgardisten zum Schutz von Schulen ermöglicht werden soll.

Dieser "Save Our Schools Act" würde es den Gouverneuren der US-Bundesstaaten freistellen, die Nationalgarde anzufordern und vor Schulen einsetzen zu lassen. Nationalgardisten sind freiwillig Dienst leistende Milizsoldaten, die der militärischen Reserve der US-Streitkräfte angehören. Jeder Bundesstaat unterhält eine eigene Garde. "Always Ready, Always There" (Immer bereit, immer da) ist der Wahlspruch der National Guard .

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"Gehört es denn nicht zu den Aufgaben der Landesverteidigung, die Sicherheit unserer Kinder zu garantieren?", fragte Boxer laut einem Bericht der Los Angeles Times . "Das Abschlachten von Unschuldigen muss aufhören. Wir müssen die Sicherheit in den Schulen bewahren, indem wir alle gesetzlichen Möglichkeiten zu ihrer Durchsetzung nutzen, die uns zur Verfügung stehen."

Die Truppen der Nationalgarde sollten nach Boxers Vorstellung vor Schulen aufmarschieren oder Schreibtischjobs in Polizeistationen übernehmen, um die lokalen Ordnungshüter so zu entlasten, dass diese Streife im Umfeld von Schulen fahren könnten.

Boxer sagte, dass ihr Gesetzentwurf sich an einem seit 1989 bestehenden Programm orientiere, das es erlaubt, die Nationalgarde bei der Bekämpfung von Rauschgiftdelikten einzusetzen.

Metalldetektoren und Überwachungskameras

Die Demokratin brachte auch ein Gesetz ein, das umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen in Schulen finanzieren helfen soll – zum Beispiel die Installierung von Metalldetektoren und Überwachungskameras. Dafür sollen nach dem Vorschlag des "School Safety Enhancement Act" die Bundesbehörden einen Zuschuss von 50 Millionen Dollar bereitstellen.

Mit Bezug auf die 258 Todesopfer, die es in amerikanischen Schulen seit 1999 durch den Einsatz von Schusswaffen gab, sagte die als liberal geltende Senatorin: "Wer immer jetzt sagt, es sei nicht die richtige Zeit für solche Maßnahmen, den frage ich: Wann ist die richtige Zeit?"

Die Debatte über den Missbrauch von Schusswaffen in den USA wurde über Weihnachten von einem neuen Fall angetrieben: Ein 62-Jähriger erschoss an Heiligabend aus einem Hinterhalt zwei Feuerwehrmänner bei einem Löscheinsatz.

Mehrere Abgeordnete der Demokraten im Kongress haben angekündigt, schärfere Waffengesetze zu unterstützen, auch wenn sie solche Regelungen zuvor abgelehnt hatten. Allerdings ist der Widerstand der Republikaner so groß, dass eine Verabschiedung entsprechender Gesetze völlig offen ist.

"Ernüchternder Widerstand"

Das Weiße Haus bezeichnete den Widerstand der Lobbyisten der National Rifle Association (NRA) laut Washington Post als "ernüchternd". Präsident Barack Obama werde aber von seinem Vorhaben, die Waffengesetze zu verschärfen , nicht abweichen.

Nicht die Waffen seien das Problem, sondern die Schützen, hatte NRA-Präsident David Keene in einem Interview des Senders CBS argumentiert. Dabei zielte er insbesondere auf Menschen mit psychischen Problemen : "Ich sage nicht, dass jeder in psychischer Behandlung ein potenzieller Killer ist. Ich sage nicht, dass jeder, der Videos guckt, ein potenzieller Killer ist. Das stimmt nicht. Aber genauso wenig stimmt, dass jeder, der eine Waffe besitzt, ein potenzieller Killer ist."

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Leserkommentare
  1. sind doch nach der Eigendarstellung das Land das die Welt befrieden und demokratisieren möchte.

    Soldaten zum Schutz von Schulen zum einen auch nicht sehr sinnvoll, ausser es werden Zäune Mauern und Eintrittskontrollen etabliert, doch dann würden die Schüler ja bereits mit einem fast Trauma der Gewalt auch ohne Gewalt aufwachsen.

    Diese Idee ist einfach nicht gut.

  2. Unbemannte Flugdrohnen könnten Schulen rund um die Uhr bewachen und im Falle von Attentätern schnell B-52-Bomber mit Atombomben heranleiten. In küstennahen Regionen wie z.B. auch im zuletzt betroffenen Staat New York wäre zusätzlicher Schutz durch Flugzeugträger und Navy Seals angeraten. Außerdem sollte die Reichweite des dankenswerterweise von George W. Bush angezett.., äh, angeregten Raketenschutzschilds auf Schulen ausgedehnt werden. God bless America!

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    UNd wo kommen dann die Lenkwaffenkreutzern und die alten Schlachtschiffe hin? Wir haben doch alle gesehen das diese alsten Schlachtschiffe das einzigste sind was zwischen der Mentschheit und Alieninwasionen stehne.

    --------------------------------IRONIE

    Ansonsten stimm ich ihnen sogar zu das die Idee nicht nur absolut Übertrieben ist, sondern auch gefährlich. Grade wenn wir sehen das in Amerika immer mehr die Idee un siche greift das die Armee alles lösen kann und im Grunde gut ist.

    Es scheint als ob die lektionen die nach 1914 gelernt wurden nun wieder vergessen werden. Und der Krieg an sich nicht mehr als etwas negatives verstanden wird.

    .
    Sie haben Stacheldraht, Minenfelder und Wassergraben vergessen!

    Nicht zu vergessen die als Schüler getarnte, in jeder Klasse einsitzenden Sheriffs und Deputies...selbstverständlich bewaffnet mit Colt und Winchester. Und warum nicht auch Handgranaten?

    • illyst
    • 26. Dezember 2012 17:55 Uhr

    Wie ist es um die Freiheit bestellt, wenn Kinder in Schulen von Soldaten beschützt werden müssen?

  3. Ein Volk ist sich selbst entrückt.
    Paranoia fördernder Aktionismus.
    Gewaltspirale reloaded.
    Wo gehts hin Amerika ?

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    • -lupo-
    • 26. Dezember 2012 18:08 Uhr

    In einen Bürgerkrieg: Good guys with guns vs bad guys with guns.

    • -lupo-
    • 26. Dezember 2012 18:03 Uhr

    But always too late.

    Jetzt soll es die Nationalgarde vor den Schulen richten. Doch wer "marschiert" vor den Privathäusern, Supermärkten, Schwimmbädern, Kinos oder allen anderen Orten, wo Menschen zusammenkommen auf? Wer bewacht die Feuerwehr, Notarztwagen,Krankenhauspersonal und Polizisten?

    Wohl dem, der Mad Max zum Freund hat.

  4. Ich bin mir sicher, die CSU denkt ähnlich weit.

    Mir fehlen noch die Kurse für die (bisher) friedlichen Schüler. Trainingscamps und die Grundfertigkeiten bei der Waffenhandhabung sollten kein Problem sein.

    Was ist mit Tarnfarbe? Auch hier freut sich, wie im Falle der Waffen, des Sicherheitspersonals oder auch der diversen Scanner, eine Industrie darauf, neue Märkte zu erschließen.

    Wir müssen einfach weg davon, dass man in der Schule Mathe lernt. Niemand braucht das, nicht mal die Politik. Beispiel oben.

    Fürs Leben lernen bedeutet also bald "für das Überleben lernen" und solange wir um die Symptome einer Gesellschaft herum tanzen können und die Medien darüber berichten, müssen wir uns auch nicht um die Ursachen sorgen. Erleichterung.

    Ein Punkt ist noch offen. Was ist mit Schulen, die an größeren Gewässern liegen? Die USA haben die größte Flotte atomarer Flugzeugträger. Vielleicht geht da was. Wir sollten da wirklich nichts der Logik überlassen.

  5. UNd wo kommen dann die Lenkwaffenkreutzern und die alten Schlachtschiffe hin? Wir haben doch alle gesehen das diese alsten Schlachtschiffe das einzigste sind was zwischen der Mentschheit und Alieninwasionen stehne.

    --------------------------------IRONIE

    Ansonsten stimm ich ihnen sogar zu das die Idee nicht nur absolut Übertrieben ist, sondern auch gefährlich. Grade wenn wir sehen das in Amerika immer mehr die Idee un siche greift das die Armee alles lösen kann und im Grunde gut ist.

    Es scheint als ob die lektionen die nach 1914 gelernt wurden nun wieder vergessen werden. Und der Krieg an sich nicht mehr als etwas negatives verstanden wird.

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    • em-y
    • 27. Dezember 2012 2:22 Uhr

    Der Krieg an sich wird in Amerika nicht unbedingt als negativ angesehen. Auch das Töten selbst wird nicht verurteilt. Es kommt darauf an, wer wen und warum tötet. Einen, wie ich finde, sehr guten und zum Nachdenken und zu einen kritischen Blick auf uns selbst anregenden Artikel zum Thema finden Sie hier: http://www.rall.com/rallblog/2012/12/18/syndicated-column-we-dont-have-t...

    • -lupo-
    • 26. Dezember 2012 18:08 Uhr

    In einen Bürgerkrieg: Good guys with guns vs bad guys with guns.

    Antwort auf "land of the brave..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sc
  • Schlagworte Barack Obama | CBS | National Rifle Association | Schule | US-Kongress | Washington Post
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