NobelpreisEU für sechs Jahrzehnte Frieden geehrt

In einer Zeremonie in Oslo haben Spitzenvertreter der Europäischen Union den Friedensnobelpreis erhalten. Auch die Preise für Literatur und Wissenschaften sind vergeben. von afp, dpa und

Nahmen den Preis entgehen: Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionschef Jose Manuel Barroso Und Parlamentspräsident Martin Schulz (v.l.)

Nahmen den Preis entgehen: Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionschef Jose Manuel Barroso Und Parlamentspräsident Martin Schulz (v.l.)  |  © Suzanne Plunkett/Reuters

Für sechs Jahrzehnte erfolgreicher Aussöhnungspolitik hat die Europäische Union den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Europaparlamentspräsident Martin Schulz nahmen die Auszeichnung stellvertretend für 500 Millionen Europäer entgegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande erhoben sich zusammen von ihren Zuhörerplätzen in der ersten Reihe und grüßten gemeinsam in den Saal, als der norwegische Komiteechef Thorbjörn Jagland besonders auf die deutsch-französische Aussöhnung einging. Die EU habe entscheidend daran mitgewirkt, Europa von einem Kontinent des Krieges zu einem Kontinent des Friedens zu machen, sagte der Norweger in seiner Laudatio.

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Jagland lobte die EU in seiner Laudatio als entscheidenden Faktor bei der Aussöhnung zwischen den Völkern nach zwei Weltkriegen: "Es ist wahrlich fantastisch, was dieser Kontinent geschafft hat, als er sich von einem Kontinent des Krieges zu einem des Friedens wandelte." Die EU verdiene den Friedensnobelpreis, weil sie in diesem Prozess eine herausragende Rolle gespielt habe.

Verbrüderung der Nationen

In seiner Erwiderung bezog sich EU-Ratspräsident Hermann van Rompuy auf die derzeitige Krise der Währungsgemeinschaft. "In einer Zeit der Unsicherheit erinnert dieser Tag die Menschen in Europa und in aller Welt an den fundamentalen Zweck der Europäischen Union: Die Verbrüderung der europäischen Nationen voranzutreiben, jetzt und in der Zukunft", sagte er.

Neben Norwegens König Harald V. sowie Merkel und Hollande waren knapp 20 weitere Staats- und Regierungschefs aus den 27 EU-Mitgliedsländern zu der Zeremonie gekommen. Der euroskeptische britische Premierminister David Cameron blieb der Feier demonstrativ fern. Der Konservative ließ sich vom liberalen Vizepremier Nick Clegg vertreten.

Die Europäische Union war 1958 von sechs Ländern, darunter den Kriegsgegnern Deutschland und Frankreich, zunächst als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet worden. Inzwischen ist die Union auf 27 Mitgliedsstaaten gewachsen. Im Sommer 2013 soll Kroatien als 28. Land hinzu kommen. An der Auszeichnung der EU hatte es Kritik gegeben , unter anderem von ehemaligen Preisträgern.

Begleitet von heftiger internationaler Kritik nahm der Chinese Mo Yan in Stockholm den diesjährigen Literaturnobelpreis in Empfang. Der 57- Jährige wurde von Schwedens König Carl XVI. Gustaf zusammen mit acht durchweg männlichen Trägern der wissenschaftlichen Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft ausgezeichnet.

Während das offizielle China den Preis aus Stockholm lobte und feiern ließ, äußerten sich sowohl Oppositionelle in Peking wie aus dem Ausland kritisch und stuften Mo Yan als unkritischen Parteigänger der Führung in Peking ein.

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Leserkommentare
    • eazy-i
    • 10. Dezember 2012 16:20 Uhr

    „Die Europäische Union war 1958 von sechs Ländern [...] zunächst als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet worden.“ – In den Römischen Verträgen, die 1957 unterzeichnet wurden, ging es um die Gründung der Europäischen Gemeinschaften, die neben der EWG aus Euroatom und der Montanunion bestanden. Die EU geht also aus den Europäischen Gemeinschaften, oder – je nach Geschmack – der Montanunion mit Gründungsdatum 1951 hervor.

  1. 2. Merkel

    Wie war das nochmal als die USA in den Irak einmarschierte?

    Da konnte sich eine Frau Merkel doch garnicht genug einbringen bei den Kriegstreibern ""Die Kriegsparteien gegen den Irak sind Friedensstifter".

    "Bergpredigt - selig sind die Friedensstifter, nicht die Friedfertigen - so Angela Merkel zur Aussage von Bischof Huber. Schröder wäre also nur Friedensstifter, wenn er mit den USA zusammen im Irak als Soldaten einmarschiert. Euphorischer Applaus der CDU/CSU-Fraktion."

    http://www.youtube.com/wa...
    (Man achte auf die Gesten der rechten Hand, sowas sah ich schon mal in Schwarz-Weiß Nachrichten aus 1942)

    Aber wie immer: Was stört mich mein Geschwätz von gestern.

  2. Stimmt nicht so ganz. Auf dem Balkan haben EU und Nato auch mitgemischt. Auch wenn man das notfalls in einem anderen Licht sehen kann.

    Dafür dürfen sich die SoldatInnen der EU überall in der Welt "herumtummeln" und froh sein, wenn sie auf eigenen Füssen nach Hause kommen.

  3. Einen Beitrag zum Weltfrieden hat die EU nicht geleistet.

    Ich hoffe sie feiern und beweihräuchern sich gegenseitig jetzt nicht zu lange.
    Es gibt noch eine Menge Baustellen - in der EU.

    Und wenn sie die Krise nicht bald in den Griff bekommen, ist es mit dem inneren Frieden bald zu Ende.

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    verdient die EU für ihre Leistungen für Frieden in Europa innerhalb der letzten 60 Jahre.
    Punkt.
    Der Friedensnobelpreis gilt nicht für die kommenden 60 Jahre- das muss erst erarbeitet werden.
    Warum haben wir Deutsche Probleme damit, einfach eine Leistung anzuerkennen und zu würdigen?
    Niemand behauptet, dass alles perfekt lief, und die unmittelbare Heiligsprechung anstünde.
    Aber Lob kann nie schaden:
    ob beim Kind, im Job- und eben auch europaweit.

  4. Aber ohne die Vereinigten Staaten wäre aus der EU eigentlich auch nichts geworden.

  5. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch ohne die EU die letzten Jahrzehnte Frieden gehabt hätten!
    Meiner Meinung nach gibt es drei Gründe für den langen Frieden:
    1. Der kalte Krieg sorgte dafür das sich Ost- und Westeuropa auf ihrer jeweiligen Seite der Mauer gegen einen gemeinsamen Feind zusammenraufen mussten.
    2. Der allgemeine Wohlstand, der die Leute ruhig hält.
    3. In Westeuropa und mit mehreren Jahrzehnten Verspätung auch in Osteuropa, gibt es fast nur noch Demokratien. Eine gut funktionierende Demokratie ist immer noch der beste Garant für den Frieden, weil die meisten Menschen keinen Krieg wollen.
    Aber die Erkenntnis, dass nach zwei Weltkriegen die Europäer einfach keine Lust mehr hatten sich zu bekriegen, der Frieden letztlich aus dem Willen der europäischen Völkern selbst heraus entstand ist vielleicht für viele Politiker nicht angenehm.
    Schreibt man der EU die Verdienste des Friedens zu, können sich die politischen Eliten selbst auf die Schulter klopfen und haben auch in Zukunft noch eine Zusätzliche Legitimation über die Köpfe der Völker hinweg zu entscheiden.

  6. Jetzt bleibt nur zu klären wer den Westentaschen-Cesar spielt.
    Ave Euro! Lucrifacturi te salutant!

  7. Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

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