Das Kapitol in Washington © Mary F. Calvert/Reuters

Die Zeit wird knapp, aber ein Kompromiss scheint nach wie vor in weiter Ferne: Im US-Etatstreit zeichnet sich auch rund 48 Stunden vor Ende der Einigungsfrist keine Lösung ab. Demokraten und Republikaner seien weiter "sehr weit" auseinander, und die Zeit laufe ab, sagte ein mit den Gesprächen vertrauter Insider.

Die Senatsveteranen Harry Reid von den Demokraten und Mitch McConnell von den Republikanern sind damit beauftragt, bis spätestens Sonntagabend noch einen Kompromiss auszuarbeiten . Die Verhandlungen gingen am Samstag bis spät in die Nacht. Inhaltlich wollte sich bisher aber keiner der beiden Unterhändler äußern. McConnell sagte lediglich:  "Wir haben den ganzen Tag Papiere ausgetauscht, und die Gespräche gehen in den Abend hinein."

Diskutiert werden auch Übergangslösungen. So könnten die öffentlichen Ausgabenkürzungen im Volumen von 109 Milliarden Dollar, die eigentlich automatisch in Kraft treten sollten, falls keine Einigung erreicht wird, um einige Monate verschoben werden.

Zu den strittigsten Punkten dürfte weiter das Thema Steuern gehören. Präsident Barack Obama will reichere Amerikaner höher besteuern. Die Republikaner lehnen das ab.

Ergebnisse werden erst am Abend erwartet

Konkrete Ergebnisse werden nicht vor Sonntagabend erwartet. Dann präsentieren Reid und McConnell den Abgeordneten ihrer Parteien einen möglichen Kompromiss. Sollte diese Zustimmung signalisieren, dann könnte es am Montag zu einer Abstimmung im demokratisch dominierten Senat kommen und anschließend müsste das Abgeordnetenhaus , in dem die Republikaner eine Mehrheit haben, zustimmen.

Sollten sich beide Seiten bis Montagnacht nicht einigen und findet sich auch keine Übergangslösung, dann treten automatisch Steueranhebungen für die meisten Amerikaner und Ausgabenkürzungen des Staates im Volumen von mehr als 600 Milliarden Dollar in Kraft. Experten erwarten, dass das die US-Konjunktur und in der Folge auch die Weltwirtschaft deutlich belasten könnte.

Börsianer rechnen nicht mit großen Verlusten

An der US-Börse sieht man die Entwicklung bisher noch gelassen. Auch wenn der Haushaltsstreit im Jahr 2012 nicht mehr beigelegt wird, sehen Börsianer genügend Spielraum, um die gefürchtete Rezession zu verhindern. "Die Dinge werden gelöst", sagte Vermögensverwalter Richard Weiss von American Century Investments. "Vielleicht nur nicht in einem guten Zeitrahmen."

Carmine Grigoli von Mizuho Securities USA rechnet nicht mit exzessiven Kursausschlägen. "Die Erwartungen sind sehr niedrig derzeit", sagt Grigoli. Die größte Angst haben Anleger davor, dass der Streit über die Fiskalpolitik in einigen Wochen zu einem Grabenkampf um die Schuldengrenze eskaliert – wie es 2011 bereits der Fall gewesen war. Im schlimmsten Fall könnte ein Zahlungsausfall die Folge sein. Die Konsequenzen wären eine Herabstufung der Bonität und Turbulenzen an den Finanzmärkten.