WestafrikaMahama bleibt Präsident in Ghana

Die Ghanaer haben Präsident Mahama mit 50,7 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Die Opposition bestreitet das und spricht von Wahlbetrug. von afp

Mitglieder von Präsident Mahamas Partei feiern das gute Wahlergebnis.

Mitglieder von Präsident Mahamas Partei feiern das gute Wahlergebnis.  |  © REUTERS/Luc Gnago

Aus den Präsidentschaftswahlen im westafrikanischen Ghana ist Amtsinhaber John Dramani Mahama mit einem knappen Vorsprung als Sieger hervorgegangen. Der Leiter der nationalen Wahlkommission, Kwadwo Afari-Gyan, sagte, auf Mahama seien 50,7 Prozent der Stimmen entfallen. Sein Herausforderer Nana Akufo-Addo erhielt demnach 47,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 79 Prozent.

Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vom Freitag waren teils bis Samstag verlängert worden, weil in mehreren Fällen die elektronischen Systeme ausgefallen waren, mit denen die Wähler über ihre Fingerabdrücke registriert werden. Die Wahlen verliefen nach Angaben des Commonwealth, der Westafrikanischen Staatengemeinschaft ( Ecowas ) und der örtlichen Beobachtergruppe CODEO "friedlich und transparent".

Anzeige

Partei beklagt Wahlbetrug

Akufo-Addos Neue Patriotische Partei (NPP) sprach hingegen von einem "System des Betrugs". Es seien erhebliche Mengen an Stimmen entweder Mahamas Nationalem Demokratischen Kongress (NDC) zugesprochen worden oder der NPP abgezogen worden. Die Partei forderte eine Überprüfung der Wahlergebnisse sowie der Daten der Systeme zur biometrischen Identifizierung. Parteimitglieder und Öffentlichkeit wurden aufgefordert, die von den Medien verbreiteten vorläufigen Ergebnisse zu ignorieren.

Der NPP lagen zudem nach eigenen Angaben Beweise vor, wonach Akufo-Addo die Wahl gewonnen habe. Rund 200 NPP-Anhänger wollten noch am Sonntag in einem Protestmarsch zur Wahlkommission ziehen. Bisher blieben die Demonstranten friedlich, als sie von Sicherheitskräften abgehalten wurden. "Wir wollen Gerechtigkeit", riefen einige von ihnen.

Akufo-Addo selbst äußerte sich zunächst nicht öffentlich. Mahama sagte, sein Team habe eine eigene Hochrechnung erstellt, warte aber das offizielle Ergebnis ab. Von den acht Kandidaten für das Präsidentenamt wurden nur Mahama und Akufo-Addo echte Chancen auf einen Sieg eingeräumt. Sollte keiner der Kandidaten letztlich auf Anhieb mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, soll am 28. Dezember eine Stichwahl stattfinden.

Der 54-jährige Mahama hatte das Amt erst im Juli übernommen, nachdem sein erkrankter Vorgänger John Atta Mills gestorben war . Beobachter sehen zwischen dem NDC und der NPP keine großen ideologischen Unterschiede, der NDC gilt jedoch als eher Mitte-links, während die NPP stärker für eine freie Marktwirtschaft eintritt. Ghanas Wirtschaft boomt dank der 2010 begonnenen Ölförderung.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • pinero
    • 10. Dezember 2012 1:34 Uhr

    Nicht nur die Medien, auch die Wahlkommission hat den Sieg Mahamas inzwischen offiziell bestätigt.
    Wegen der Betrugsvorwürfe der oppositionellen NPP sollte man sich keine allzu großen Sorgen machen. Die Partei spricht von "einigen Zehntausend" Stimmen, die unberechtigterweise der Regierungspartei zugeschlagen wurden. Aber selbst, wenn man die alle abziehen würde, bliebe es bei Mahamas Wahlsieg.
    Akufo-Addo wird seine Wahlniederlage eingestehen, denn er ist - trotz seines nach außen oft aufbrausenden und emotionalen Auftretens - ein lupenreiner Demokrat, der in den letzten 20 Jahren einen ganz erheblichen Anteil daran hatte, dass Ghana heute eine stabile Demokratie und ein Rechtsstaat ist.
    Worüber hier in den Medien leider nie berichtet wurde ist, dass es vorher bereits sehr offene und transparente Vorwahlen zur Auswahl der Präsidentschaftskandidaten gab, die sich auch hier unsere großen Parteien zum Vorbild nehmen könnten.

    Was die im Artikel zitierten ideologischen Unterschiede angeht: da sollten wir weniger durch unsere europäisch geprägte Brille schauen. Die Wähler in afrikanischen Ländern denken kaum in unserem traditionellen links-rechts-Schema. Ideologien spielten bei der Wahlentscheidung so gut wie keine Rolle. Es ging ganz pragmatisch schlicht darum, wem und wessen Konzepten man eher zutraut, die eigene (auch im "Musterland" Ghana oft von Armut geprägte) Lebenssituation zu verbessern.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Präsident | Ghana | Commonwealth | Betrug | Ecowas | Parlamentswahl
Service