EnergieversorgungBeim Strom schlägt China Indien um Längen

Energieversorgung für alle? Davon ist Indien weit entfernt. China ist trotz Staatsmonopols auf einem guten Weg, auch weil es sich für neue Ideen öffnet. von Imke Vidal

Geht es um Energie, werden China und Indien gern in einem Atemzug genannt. Vor dem Hintergrund von Umweltzerstörung und Klimaerwärmung geben beide Länder die perfekten Sündenböcke ab. Bei den jüngsten Klimagipfeln wiesen sie die Schuld für einen Großteil ihre Emissionen den reichen Staaten zu, weil viele ihrer Industrien für den Westen exportierten. Sie könnten auch gar nichts einsparen, Wachstum sei sonst schlicht unmöglich. Man war sich einig und kassierte anschließend auch gemeinsam die Schelte, zu den größten Blockierern im Kampf gegen den Klimawandel zu gehören.

Dabei haben China und Indien bei der Energieversorgung eigentlich gar nicht viel gemeinsam. China verbrauchte im Jahr 2011 ein gutes Fünftel der Weltprimärenergie (21,3 Prozent), Indien nur ein knappes Zwanzigstel (4,6 Prozent). Obwohl beide Länder mehr als eine Milliarde Einwohner zählen und noch vor dreißig Jahren beim Pro-Kopf-Verbrauch gleichauf lagen.

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Damit bestätigt sich ein erster, für jeden ersichtlicher Eindruck: In China ist der Energiebedarf heute für die Masse der Bevölkerung gesichert. In fast jedem chinesischen Dorf haben die Einwohner rund um die Uhr Strom und können das ganze Jahr mit Kohle heizen.

In Indien dagegen mangelt es der Masse an Energie, die Mehrheit der 800 Millionen Dorfbewohner ist nicht an ein Stromnetz angeschlossen und muss mit Kerosinlampen oder kleinen Solaranlagen auskommen. Auch an Kohle zum Kochen und Heizen fehlt es überall . Selbst in Neu Delhi kochen die Ärmsten noch immer auf einem offenen Feuer, das im Winter auch als Wärmequelle dient. Energieversorgung für alle? Davon ist Indien weit entfernt.

Rohstoffe sind nicht das Problem

China und Indien sind mit dem wichtigsten Energierohstoff bestens versorgt: China verfügt über 13,3 Prozent der weltweiten Kohlereserven, Indien über 7 Prozent. Genug für Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte.

Der große Unterschied liegt in der Produktion. China verwertet seine Kohle, es verfeuert heute 49,5 Prozent der Weltproduktion. Indiens Kohle bleibt dagegen unter der Erde, seine Kohleproduktion beläuft sich auf nur 5,6 Prozent des weltweiten Ausstoßes. Indien muss sogar Kohle importieren.

Ganz offensichtlich liegt die Ursache in der unterschiedlichen Effizienz der öffentlichen Behörden. In Indien verlässt sich aus gutem Grund kaum jemand – kein Fabrikbesitzer, kein reicher Privatmann – auf die staatliche Energieversorgung. Wer es sich leisten kann, kauft seinen eigenen Stromgenerator. Volkswirtschaftlich betrachtet, ist das Irrsinn, aber notwendig.

Niemanden überraschte es etwa, als im vergangenen Sommer für 600 Millionen Bürger im Norden Indiens an zwei Tagen der Strom ausfiel. Vorausgegangen war der Streit konkurrierender Stromverwaltungen auf nationaler und provinzieller Ebene – ein bekanntes Phänomen in Indien.

Leserkommentare
  1. Leider keinen Link gefunden, aber die Reportage hieß "Chinas Umwelt vor dem Gau", PHOENIX

    China steht vor einem Umwelt-Gau. Der Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahre hat vor allem ein Opfer: die Natur. Die Flüsse des Landes sind verdreckt, die Luft in den Städten ist gesundheitsgefährdend. Der Energiehunger der Chinesen aber steigt täglich und mit ihm der CO2-Ausstoß. Immer wieder scheitern Bemühungen für mehr Umweltschutz an Korruption und lokalen Seilschaften. Ein Dokumentarfilm von Diana Zimmermann über das Reich der Mitte kurz vor dem Umweltkollaps.

  2. Der Sieger kommt aus China und heißt Staatsmonopol. Beide Länder haben auf dem gleichen Niveau angefangen, beide haben eine ähnliche Einwohnerzahl, beide haben genug Kohle um das Land zu versorgen, ein Land hat es geschafft, das andere nicht.

    Gibt es doch eine Regierungsystem, das es besser schafft das Wohl der Bevölkerung zu steigern, als der Markt, oder schafft man es in China einfach den Markt besser zu kontrollieren?

    2 Leserempfehlungen
  3. "Im Zuge des 5-Jahres Plans hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt die Kohlendioxidemissionen bis 2015 um 17% pro Einheit des Bruttoinlandsproduktes zu reduzieren. Bis 2020 sollen 15% der benötigten Energie von nicht fossilen Brennstoffen gewonnen werden."
    Quelle: http://portal.wko.at/wk/f...

    • Otto2
    • 28. Dezember 2012 18:48 Uhr

    Tatsache ist, China wie Indien haben im Vergleich zu Europa und Nordamerika von Beginn der Industrialisierung an gerechnet, deutlich weniger CO 2 (absolut und pro Kopf) emittiert als der Westen. Daraus abzuleiten, dass diese Länder ein Recht hätten, ihrerseits entsprechend CO 2 in die Atmosphäre zu pusten, bis sie das Niveau der USA erreichen, ist nicht akzeptabel. Für die Menschheit führt das in eine Katastrophe.
    Was die Entwicklungsländer aber zurecht erwarten dürfen, ist eine effiziente Unterstützung in moderneren, umweltgerechten Verfahren zur Energiegewinnung und Einsparung von Energie usw.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Denn China profitiert genauso wie der Westen von den Erfindungen der Industrialisierung. Ihre Ganze Wirtschaft basiert auf industriellem Wissen. Aber der CO2 Ausstoß mit dem das Wissen geschaffen wird, soll allein uns angerechnet werden? Das kann nur ein Scherz sein.

  4. Was ist so schlecht daran?
    In bestimmten Bereichen ist es sinnvoll. Man muss nicht alles privatisieren. Was dabei herauskommt erleben wir in Deutschland zur Genüge.

  5. Gibt es, wenn man mal vom Sektor "Demokratie" absieht, irgendetwas, wo China Indien nicht um Längen schlägt?

    Ernsthafte Frage von mir, ich war lange nicht mehr in Indien.

    Eine Leserempfehlung
  6. Nicht nur bei der Energie schlägt China Indien um Längen. China hat den Hunger weitesgehend besiegt, in Indien leben immer noch über 50% unter der Armutsschwelle. Das Bildungssystem in China ist dem in Indien weit überlegen. Zugang zu Bildung und vorallem die Qualität der Ausbildung um ein Vielfaches besser. Der Zugang zu einer kostenlosen Basis-Gesundheitsversorgung für viele Inder ein ferner Traum.

    Aber Indien ist ja eine Demokratie, nicht wahr? Zumindest wenn man ein System demokratisch nennen kann, in dem es Gang und gebe ist im großen Stil Stimmen der verarmten Landbevölkerung mit ein paar Rupien zu kaufen.

    3 Leserempfehlungen
  7. Und in China steigen die Zahlen, in Europa fallen Sie

    Antwort auf "Pro Kopf"

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  • Schlagworte China | Indien | Energie | Energieversorgung | Heizung | Kohle
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