Neu-Delhi : Gruppen-Vergewaltigung in Indien löst Massenproteste aus

Alle 18 Stunden wird in Neu-Delhi eine Frau vergewaltigt. Der Fall einer 23-Jährigen sorgt in Indien nun für massive Proteste. Tausende forderten die Todesstrafe.
In Neu Delhi protestieren Tausende gegen die Vergewaltigung einer 23-Jährigen. © Daniel Berehulak/Getty Images

Knapp eine Woche nach der Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen in einem Bus in Neu-Delhi sind Tausende Inder auf die Straße gegangen. "Wir fordern die Todesstrafe für die Vergewaltiger, damit so etwas nie wieder passiert", sagte eine junge Demonstrantin dem Nachrichtensender NDTV.

Die Polizei ging mit Tränengas, Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor, die versucht hatten, Absperrungen auf dem Weg zum Präsidentenpalast zu überwinden. Mindestens ein Dutzend Menschen wurde verletzt, hieß es. Unter den Demonstranten seien viele Studenten gewesen. Fünf Menschen wurden festgenommen.

Das Verbrechen gegen die 23-Jährige hatte landesweit Empörung und Proteste ausgelöst. In vielen Städten wurden Mahnwachen, Demonstrationen und Protestmärsche organisiert, obwohl das Innenministerium zu Zurückhaltung aufrief.

Hauptstadt auch bei Sexualverbrechen

"Wir haben Angst, unsere Töchter aus dem Haus zu lassen", sagte die Lehrerin Savita Rao. Wie die anderen Demonstranten appellierte auch sie an die Politiker, die Stadt sicherer zu machen. In keiner anderen indischen Großstadt werden so viele Sexualverbrechen gemeldet wie in der 16-Millionen-Metropole Neu-Delhi. Im Schnitt wird nach Polizeiangaben alle 18 Stunden eine Frau vergewaltigt, andere sexuelle Übergriffe werden alle 14 Stunden registriert.

Die junge Frau war vor einer Woche fast eine Stunde lang von mehreren Tätern missbraucht und anschließend aus einem fahrenden Bus auf eine belebte Straße in der indischen Hauptstadt geworfen worden. Sie liegt im Krankenhaus und ist in einem kritischen Zustand. Die Männer sind inzwischen festgenommen worden. Vergewaltiger müssen in Indien lebenslänglich hinter Gitter, wenn sie die Höchststrafe bekommen.

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Statt die Todesstrafe zu fordern,

sollten sich die Menschen lieber dafür einsetzen, dass eine vergewaltigte Frau nicht mehr als "entehrt" gilt und - vor allem im ländlichen Raum - von ihrer Familie entweder verstoßen wird oder gezwungen wird, den Vergewaltiger zu heiraten, wenn sie ledig ist.

Einen ähnlichen Fall gab es vor einiger Zeit in Berlin (Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau, die jetzt schwer traumatisiert ist). Das Urteil: 11-13 Monate auf Bewährung für die z.T. bereits vorbestraften jugendlichen Täter, plus insgesamt 1500,- Euro Schmerzensgeld.

Die Todesstrafe und lebenslanger Freiheitsentzug sollten es nicht sein - aber bei uns sind die Strafen für dieses Verbrechen oft lächerlich gering.

Ausdruck mangelnden Vertrauens in den Rechtsstaat

Sicher können wir von hier aus den Ruf der indischen Demonstranten nach der Todesstrafe für Vergewaltiger verurteilen. Aber ich gebe zu bedenken, daß er wohl nur Ausdruck eines mangelnden Vertrauens in den Rechtsstaat ist. Wenn die Strafverfolgung nicht funktioniert und die Menschen den Eindruck haben, der Staat straft die Täter nicht adäquat und geht zu lasch vor gegen Verbrecher oder läßt sie gar laufen, urteilt willkürlich oder zugunsten privilegierter Gruppen, dann wird der öffentliche Ruf nach drastischen Strafen laut. Je "gerechter" ein Strafverfolgungssystem empfunden wird, um so weniger Einfluß wird der übliche Lynchjustizmob in einer Gesellschaft haben. Bis dahin ist der Weg in Indien offenbar noch lang.

Proof or it didn't happen.

nur um es vorwegzunehmen ich habe selbst sehr viel an unserem Rechtssystem auszusetzen, aber wenn Sie hier Anschuldigungen machen ala Bewährungsstrafen für "Gruppenvergewaltigung" dann sollten Sie das schon irgendwie belegen und vor allem sollten Sie sich mal die Urteilsbegründung durchlesen und sich mit dem ganzen Fall beschäftigen [...]. Da kommt es schon noch auf die Details an. Versteh ich nicht wie man sowas einfach empfehlen kann, wenn man den Fall überhaupt nicht kennt (falls er überhaupt existiert). [...]

Gekürzt. Bitte vermeiden Sie persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/ds

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen:

Warum sollte ich den Journalisten vom Tagesspiegel mehr trauen als den Verfahrensbeteiligten. Wenn sogar der Staatsanwalt nix einzuwenden hat macht mich das zumindest stutzig. Und sogar im Artikel steht, dass die Tat grade nicht als Vergewaltigung eingestuft wurde. Vielleicht gibt es dafür ja Gründe? Sorry aber auf so unsicherer Grundlage sollte man sich kein Urteil bilden.

Um es auch noch mal auf den Punkt zu bringen:

Die Tat wurde deshalb nicht als Vergewaltigung eingestuft, weil das Opfer alkoholisiert war (u.a. hatten die Täter die Frau gezwungen Alkohol zu trinken; zuvor war sie auf einer Party gewesen). Zudem ließen sich im Blut Spuren von K.o.-Tropfen oder Ecstasy nachweisen; es war nicht mehr nachvollziehbar, ob die Täter bspw. K.o.-Tropfen dem Alkohol hinzugefügt hatten oder die Frau auf der Party etwas zu sich genommen hatte. Kurz: Deshalb ging das Gericht von einem "Missbrauch einer Widerstandsunfähigen Person aus". Was aber lt. Gerichtssprecher kein anderes Strafmaß beinhaltet.

Da nach Jugendstrafrecht verhandelt wurde, war weder die Verhandlung öffentlich, noch wird die Urteilsbegründung veröffentlicht.

Die Staatsanwaltschaft hat keine Revision eingelegt - nach meinem Eindruck gab es einen Deal "Geständnis gegen Bewährungsstrafe". Die Frau ist so schwer traumatisiert, dass sie erst Wochen später zu dem Fall aussagen konnte, und war vermutlich auch froh, die ganze Prozedur nicht nochmal über sich ergehen lassen zu müssen.

Trotzdem ist das Urteil aus meiner Sicht skandalös niedrig -zwei der drei Täter waren bereits vorbestraft. Ein vierter Täter konnte nicht gefasst werden. Das Urteil hat zu Recht in Berlin große Wut und Empörung ausgelöst, da das Jugendstrafrecht weitaus mehr Spielraum gewesen wäre - trotz des möglichen "Deails". -----------

Im übrigen finde ich es völlig unangemessen, mich in einem derart aggressiven, herumpöbelnden Tonfall anzugehen.

Fakten

Die mir bekannten Fakten sind folgende:

Die Frau war bereits unter Drogeneinfluß bevor sie auf die Gruppe traf; sie war auf dem Rückweg von einer Party und die Leute haben sich zufällig auf dem U-Bhf getroffen (mit den dort entstandenen Bildern wurde dann gefahndet).
Bei dem dortigen Treffen hat die Frau mit einem der späteren Tätern rumgemacht und man ist dann gemeinsam gegangen.

Vermutlich wollte die Frau aber nicht mehr und dann kam es auf dem Rückweg zur Vergewaltigung.

Wir sind hier im Jugendstrafrecht. Das Opfer stand unter Drogeneinfluß und es ist dann schwerer zu beurteilen, was gewollt, nicht gewollt oder klar kommuniziert wurde, insbesondere wenn im Vorfeld bereits etwas gelaufen ist (wenn auch ohne sex). Die Täter haben sich selbst gestellt (was sicherlich kein reumütiges, sondern nach der Veröffentlichung der Bilder taktisches Manöver war, aber es muß gerichtlich anerkannt werden).

Weitere Details sind mir nicht bekannt. Auf jeden Fall finde ich auch, dass Sie sich mit ihrer Kritik am Urteil SEHR weit hinauslehnen, wenn Sie nicht einmal die Faktenlage kennen. Populistische Urteile helfen niemandem und solche Meinungen zu vertreten ist gefährlich.

Was man braucht ist eine vernünftige Rehabilitation der Täter (von daher gehe ich mit Ihnen insoweit konform, dass eine Bewährungsstrafe vllt keine gute Idee war, aber im Gegensatz zum Gericht kenne ich weder die Familien noch die Gesamtlage) und eine gute Betreuung der Opfer (die momentan leider völlig fehlt).

Vergewaltigung juristisch

In Deutschland gilt ein "Sex gegen den Willen" erst dann als eine Vergewaltigung, wenn Gewalt angewandt wurde, und als Gewalt gilt ein Übergriff erst dann, wenn das Opfer sich genug gewehrt hat (grob gesagt).

Wenn das Opfer sich nicht genug gewehrt hat, dann stellt sich die Frage, ob es sich hätte theoretisch wehren können und es trotzdem nicht getan hat (dann muss man in Betracht ziehen, dass der Täter nicht erkennen konnte, dass das Opfer nicht wollte) oder ob das Opfer sich nicht gewehrt hat, weil es z.B. wegen Bewußtlosigkeit gar nicht in der Lage wehren konnte.

In beiden Fällen wird das nicht als eine Vergewaltigung gesehen - nur im ersten Fall ist das dann nur ein strafloses "Missverständnis", im zweiten Fall "Missbrauch Widerstandsunfähiger".

Mich würde es nicht wundern, wenn so ein Fall wie jetzt in Neu Dehli als schwere Körperverletzung eingestuft werden würde, weil das mit Sex nichts mehr zu tun hat.

Für das Opfer ist es aber reichlich egal, ob was die Juristen aus der Tat machen, es leidet so oder so.

Die Begründung für dieses Urteil...

...liegt soweit ich weiß darin, dass die Frau während der Tat unter Einfluss von Betäubungsmitteln stand, ob sie sie selbst zu sich genommen hat, ist unklar.
Juristisch gesehen ist eine Vergewaltigung an einer widerstandsunfähigen Person (§179 StGB) nicht weniger hart zu bestrafen als die Vergewaltigung an sich (§177 StGB). Was den Richter zu bewegt hat, solch eine milde Strafe zu verhängen, bleibt sein Geheimnis, aus dem Urteilsspruch und den Tatumständen geht nichts hervor, was das Urteil des Richters rechtfertigen würde. Selbst das Jugendstrafrecht sieht hier härtere Strafen vor. Dass es sich um eine Gruppenvergewaltigung handelte, kommt übrigens laut StGB erschwerend hinzu. Diese Tatsache allein würde einen besonders Schweren Fall darstellen, in Kombination mit dem vollzogenen Beischlaf ist dieser ohnehin gegeben.

Also: Nichts neues im deutsches Rechtssystem

Die Vergewaltigung einer Frau ist eine Straftat

Eine vergewaltigte Frau ist ein Opfer, um dass es sich zu kümmern und ins Krankenhaus zu bringen gilt, ein Vergewaltiger ist ein Täter, den es zu verurteilen und ins Gefängnis zu bringen gilt.
Wer sollte denn auf so eine perfide Idee kommen, eine vergewaltigte Frau als "entehrt" zu betrachten, zu verstoßen oder gar zwingen, den Vergewaltiger zu heiraten ?

Das geringe Strafmaß für den Fall in Berlin, "Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person" durch drei 17 bis 19-Jährige, ist in der Tat unverständlich.

Demokratie und Position der Frauen

Es ist die Frage, ob die Forderung nach Todesstrafe von den Studenten kam. Ich glaube, so etwas entsteht aus Hilflosigkeit, die man angesichts eines solchen Übergriffs empfindet. Es sind offensichtlich die gesellschaftlichen Verhältnisse,die Position der Frauen, die ermöglichen, dass so etwas passieren kann. Vergewaltigung fast eine Stunde in einem Bus??? Ich hätte da gern Näheres über die Situation erfahren. War sonst niemand dabei? Wer hat da tatenlos zugesehen? Warum? In Indien herrschen üble Zustände in Bezug auf das gesellschaftliche Bild der Frauen. Die Regierung hat da eine sehr große Verantwortung. Und dass es Massenproteste gibt, finde ich sehr gut. Bezeichnend, wie von Seiten der Polizei damit umgegangen wird. Fragwürdige Demokratie.

Soweit bekannt

war sie mit einem Freund nach einem Kinobesuch in einem Kleinbus unterwegs, in dem sie durch den Busfahrer sowie weiteren fünf Männern, darunter der Bruder des Busfahrers, mehrfach vergewaltigt und danach mit einer Eisenstange gefoltert wurde, bis ihr Darm total zerfetzt war. Danach wurde sie, mitsamt ihrem Begleiter, aus dem fahrenden Bus geworfen. Während der Tat war ihr Begleiter mit einer Eisenstange geschlagen und schwer verletzt worden.

Sie hat Schädel-Hirn-Verletzungen, schwere genitale und Darm-Verletzungen erlitten. Der Darm musste komplett entfernt werden. Sie kämpft ums Überleben und wird künftig dauerhaft auf medizinische Betreuung angewiesen sein.

Nachdem Beleidigungen, Demütigungen und Vergewaltigungen von Frauen offenbar immer mehr zur Tagesordnung gehören, während Polizei und Regierung sich nicht wirklich dafür zu interessieren scheinen, hat dieser Vorfall das Fass jetzt zum Überlaufen gebracht. Daher wird nun vehement Schutz für Frauen und harte Strafen für Vergewaltiger gefordert.