Iran: Ahmadinedschad entlässt einzige Frau im Kabinett
Eine kritische Erklärung kostet Irans Gesundheitsministerin das Amt. Marsieh Wahid-Dastdscherdi war die einzige Frau mit Regierungsverantwortung in der Geschichte der Republik.
© Atta Kenare/AFP/Getty Images

Irans Gesundheitsministerin Marsieh Wahid-Dastdscherdi (Archiv)
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat die einzige Frau in seinem Kabinett entlassen. Grund für den Rausschmiss von Gesundheitsministerin Marsieh Wahid-Dastdscherdi sei eine kritische Erklärung, die ihr Ministerium veröffentlicht hatte, berichten mehrere Medien übereinstimmend. Sie habe bemängelt, dass die Zentralbank kein Geld für den Import von Medikamenten, jedoch für Tierfutter, Pferdesättel und Hundehalsbänder bereitstelle.
Die staatliche Nachrichtenagentur Isna und der offizielle Fernsehsender Press TV veröffentlichten einen Brief, in dem Ahmadinedschad ihre Entlassung und die Ernennung eines Übergangsministers mitteilte.
Wahid-Dastdscherdi war bislang die einzige Frau mit Regierungsverantwortung in der 34-jährigen Geschichte der islamischen Republik. Ahmadinedschad hatte ihre Arbeit vor Kurzem noch gelobt.






@knockout:
Je nachdem wie man es sieht: Für manche ist schon der Islam an sich eine Ausgeburt des Bösen, und dann können die Ereignisse im Iran natürlich auch allesamt nichts anderes sein als irgendwas mit Mittelalter und finster.
Ich für meinen Teil sehe eine wachsende Zahl selbstbewußter muslimischer Frauen, die ihre Zukunft und ihre Religion selbst gestalten möchten und die sich weder von ihren Staatsführern noch den Islamisten oder vom Westen bevormunden lassen wollen. Frauen dieses Schlages haben auch im arabischen Frühling Seite an Seite mit den Männern gekämpft, sie kämpfen im Iran seit 30 Jahren, und trotz Repression mischen sie sich weiterhin ein, demonstrieren, kritisieren, unterlaufen Verbote und Vorschriften, sie treiben einen islamischen Feminismus voran und interpretieren den Koran neu. Sie werden auch verprügelt und verhaftet - doch wer einmal den aufrechten Gang gelernt hat, der läßt sich nicht mehr einschüchtern! Die Frauen werden trotz der Einschränkungen weiterhin an die Universitäten drängen. Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist in den letzten Jahren weiter geöffnet worden. Sie können sich mittlerweile als Polizistinnen oder Busfahrerinnen ausbilden lassen - vor 10 Jahren war das noch undenkbar, ebenso wie eine (wenn auch konservative) Frau in der Ministerriege, die öffentlich die Regierung kritisiert. Alles in allem also: Kein Grund zum Heulen und Zähneklappern und kein Grund für "Teufeleien"!
Es ist sehr angenehm und wohltuend, auf jemanden zu stoßen, der reflektiert - und das kenntnisreich - anstatt Reflexe zu bedienen.
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