Da ist er wieder. Von den Titelseiten der Zeitungen blickt Silvio Berlusconi die Leser weltweit mit seinem typisch entrückten Lächeln an. "Ihr dachtet wohl, ich sei verschwunden", scheint er zu sagen. Bereits zweimal ist Berlusconi aus dem Nichts wieder aufgetaucht. Und beide Male schaffte er es, alle – selbst seine Parteifreunde – zu verblüffen, indem er in wenigen Monaten die Herzen der Italiener wieder eroberte.

Was passieren würde, wenn sich die Geschichte ein drittes Mal wiederholte, haben die Finanzmärkte am Montag gezeigt. Nur fünf Tage sind vergangen, seit Berlusconi seine Rückkehr in die politische Arena ankündigte. Fünf Tage reichten aus, um das Vertrauen, das Italien im Laufe des letzten Jahres in Europa und an den Börsen allmählich wieder gewonnen hatte, zunichtezumachen.

Nur eines steht soweit fest: Berlusconi zieht in den Wahlkampf, um zu gewinnen.

Wäre es irgendein anderer Politiker, ein Blick auf seine Umfragewerte reichte aus, um das Comeback als letztes verzweifeltes Manöver eines Ganoven, der einer Verurteilung durch die Justiz entkommen will, abzutun. Aber nicht im Fall Berlusconis. Inzwischen weiß jeder in Europa: Es wäre ein dramatischer Fehler, den Cavaliere zu unterschätzen.

Die Regeln des Spiels bestimmt Berlusconi selbst

Niemand weiß das besser als seine Gegner. Als Berlusconi 1994 zum ersten Mal die politische Bühne betrat, hielten sie seinen Aufstieg für ein vorübergehendes Phänomen. Drei Monate reichten ihm damals, um eine Koalition zu bilden damit den sicheren Sieg der post-kommunistischen Progressisti abzuwenden. Zweimal unterlag er einer Mitte-Links-Koalition unter Romano Prodi . Zweimal kämpfte er sich wieder an die Regierungsspitze zurück.

Das gelang ihm vor allem, weil er die Regeln des Spiels selbst bestimmt. Es war seine Regierung, die 2005 das umstrittene Wahlgesetz verabschiedete, dessentwegen Prodi mit einer extrem unsicheren Mehrheit ins Parlament zog. Wäre die Regierung von Mario Monti noch zwei Monate im Amt geblieben, hätte das Wahlgesetz geändert werden können. Dass passte dem Cavaliere offensichtlich nicht. Denn – wie Roberto D’Alimonte in der Tageszeitung Il Sole 24 Ore schreibt – unter der heutigen Gesetzgebung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Mehrheit im Senat eine Wackelpartie bleibt. Auch im Fall einer Niederlage hätte Berlusconi dann Zeit, um ein neues, dauerhaftes Comeback zu planen.

Der Cavaliere und seine Stammwähler

Kein schlechter Plan, wenn man davon ausgeht, dass die neue Koalition aus PDL (Volk der Freiheit) und Lega Nord eine bedeutsame Kraft im Parlament bleibt. Dafür muss der Cavaliere die Zustimmung seiner Stammwählerschaft aus Kleinunternehmern, Freiberuflern und Rentnern zurückgewinnen. Und er weiß, wie diese Leute ticken. Er weiß, dass sie dem Staat nicht vertrauen und ungern Steuern zahlen. Er weiß, das Montis europafreundliche Austerity viele von ihnen aufgebracht hat.

Ob das aber reicht, um wieder als Sieger ins Parlament einziehen zu können? Der Politologe Ilvo Diamanti glaubt nicht daran. Er beschäftigt sich mit dem Phänomen Berlusconi seit den neunziger Jahren. Mit seinen "gesellschaftspolitischen Landkarten" dokumentierte er auf den Seiten der Tagesszeitung La Repubblica die Entwicklung des "Berlusconismus".