ItalienBerlusconi meint es ernst

Ihn zu unterschätzen, wäre ein Fehler. Dennoch sind Silvio Berlusconis Chancen gering, noch einmal in Italien an die Macht zu kommen, analysiert Fabio Ghelli. von 

Italiens Ex-Premierminister Silvio Berlusconi (Archivbild)

Italiens Ex-Premierminister Silvio Berlusconi (Archivbild)  |  © Max Rossi/Reuters

Da ist er wieder. Von den Titelseiten der Zeitungen blickt Silvio Berlusconi die Leser weltweit mit seinem typisch entrückten Lächeln an. "Ihr dachtet wohl, ich sei verschwunden", scheint er zu sagen. Bereits zweimal ist Berlusconi aus dem Nichts wieder aufgetaucht. Und beide Male schaffte er es, alle – selbst seine Parteifreunde – zu verblüffen, indem er in wenigen Monaten die Herzen der Italiener wieder eroberte.

Was passieren würde, wenn sich die Geschichte ein drittes Mal wiederholte, haben die Finanzmärkte am Montag gezeigt. Nur fünf Tage sind vergangen, seit Berlusconi seine Rückkehr in die politische Arena ankündigte. Fünf Tage reichten aus, um das Vertrauen, das Italien im Laufe des letzten Jahres in Europa und an den Börsen allmählich wieder gewonnen hatte, zunichtezumachen.

Anzeige

Nur eines steht soweit fest: Berlusconi zieht in den Wahlkampf, um zu gewinnen.

Wäre es irgendein anderer Politiker, ein Blick auf seine Umfragewerte reichte aus, um das Comeback als letztes verzweifeltes Manöver eines Ganoven, der einer Verurteilung durch die Justiz entkommen will, abzutun. Aber nicht im Fall Berlusconis. Inzwischen weiß jeder in Europa: Es wäre ein dramatischer Fehler, den Cavaliere zu unterschätzen.

Die Regeln des Spiels bestimmt Berlusconi selbst

Niemand weiß das besser als seine Gegner. Als Berlusconi 1994 zum ersten Mal die politische Bühne betrat, hielten sie seinen Aufstieg für ein vorübergehendes Phänomen. Drei Monate reichten ihm damals, um eine Koalition zu bilden damit den sicheren Sieg der post-kommunistischen Progressisti abzuwenden. Zweimal unterlag er einer Mitte-Links-Koalition unter Romano Prodi . Zweimal kämpfte er sich wieder an die Regierungsspitze zurück.

Das gelang ihm vor allem, weil er die Regeln des Spiels selbst bestimmt. Es war seine Regierung, die 2005 das umstrittene Wahlgesetz verabschiedete, dessentwegen Prodi mit einer extrem unsicheren Mehrheit ins Parlament zog. Wäre die Regierung von Mario Monti noch zwei Monate im Amt geblieben, hätte das Wahlgesetz geändert werden können. Dass passte dem Cavaliere offensichtlich nicht. Denn – wie Roberto D’Alimonte in der Tageszeitung Il Sole 24 Ore schreibt – unter der heutigen Gesetzgebung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Mehrheit im Senat eine Wackelpartie bleibt. Auch im Fall einer Niederlage hätte Berlusconi dann Zeit, um ein neues, dauerhaftes Comeback zu planen.

Der Cavaliere und seine Stammwähler

Kein schlechter Plan, wenn man davon ausgeht, dass die neue Koalition aus PDL (Volk der Freiheit) und Lega Nord eine bedeutsame Kraft im Parlament bleibt. Dafür muss der Cavaliere die Zustimmung seiner Stammwählerschaft aus Kleinunternehmern, Freiberuflern und Rentnern zurückgewinnen. Und er weiß, wie diese Leute ticken. Er weiß, dass sie dem Staat nicht vertrauen und ungern Steuern zahlen. Er weiß, das Montis europafreundliche Austerity viele von ihnen aufgebracht hat.

Ob das aber reicht, um wieder als Sieger ins Parlament einziehen zu können? Der Politologe Ilvo Diamanti glaubt nicht daran. Er beschäftigt sich mit dem Phänomen Berlusconi seit den neunziger Jahren. Mit seinen "gesellschaftspolitischen Landkarten" dokumentierte er auf den Seiten der Tagesszeitung La Repubblica die Entwicklung des "Berlusconismus".

Leserkommentare
  1. ...alle auf diesen so integren Menschen, dass er zurück auf die politische Bühne tritt.
    Welch Unverfrorenheit.

  2. Ich würde auch darauf tippen, dass Berlusconis Chancen eher schlecht sind. Es wird wohl einen Linksruck geben in Italien.

    Warum glaube ich, dass Frau Merkel und Herr Schäuble eine erneute Legislaturperiode "des Paten" lieber ist?

    Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass ein "falscher Linker" in Italien die Macht übernimmt. Ein Blair, ein Schröder, ein Hollande, ein Papandreou...

    Jemand, bei dem die Menschen glauben sie wählen den Wechsel und bekommen die Politik der Banken.

  3. 3. [...]

    Entfernt, bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

  4. da mein letzt beitrag entfernt wurde, aus gründen die ich nicht nachvollziehen kann, nochmal ein versuch.

    ich hoffe sehr das berlsuconi gewinnt, meine stimme hätte er. je eher der euro verschwindet umso besser für alle.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Mardt
    • 11. Dezember 2012 21:38 Uhr

    Ich kann Sie ehrlich gesagt leider nicht nachvollziehen! Mich würde dennoch interessieren, wieso Sie die Meinung vertreten, Berlusconi müsse wiedergewählt werden und warum Sie denken, der Euro müsse abgeschafft werden.

    • Infamia
    • 12. Dezember 2012 7:47 Uhr

    Weil Sie gegen den Euro sind, nehmen Sie in Kauf, den korruptesten aller Politiker an der Macht sehen zu wollen. Über das eine kann man streiten, das andere ist nur ein Zeichen, dass Ihnen zur Durchsetzung Ihrer persönlichen Ziele wohl jedes Mittel recht ist. Das nennt man dann eben korrupt.

  5. Berlusconi ist der Prototyp eines modernen, politischen Opportunisten, der sich ausschließlich am eigenen Interesse orientiert und den Medieneinsatz perfekt beherrscht um die Prinzipien der Demokratien unserer Tage ad absurdum führen zu können. Die Berlusconis sind längst in allen Parlamenten angekommen. Vielleicht sind die Berlusconi-Derivate gefährlicher als das Original, denn in ihm erkennen auch überzeugte Parteigänger den politischen Popanz.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Opportunismus ist in der Politik immer "modern" gewesen, das wisst ihr, oh mächtiger, stoischer Marcus Aurelius, am besten.

    Es wurde schon immer schlechte Politik bzw. Politik in eigener Sache gemacht, aber noch nie so krass wider besseren Wissens. Alle wissen, wes Geistes Kind Berlusconi ist, wessen Brot er isst und was für Kakophonien er zum Besten gibt, aber trotzdem hat so eine Gestalt eine Chance auf einen Parlamentssitz. Dagegen ist Neros ominöses Pferd eine Lapalie.

  6. Zumindest in allen Medien. Vor einen halben Jahr mal alle 3 Monate ein Artikel (zumeist wegen Bunga Bunga ) und jetzt jeden Tag zwei. Und das in allen Medien von Zeit über Bild bis zum neuen Deutschland.

    Hey Silvio, Du hast es wieder mal geschafft in aller Munde zu sein.

    • Mardt
    • 11. Dezember 2012 21:34 Uhr

    dass Berlusconi es überhaupt so weit schaffen konnte. Was heißt unglaublich? Seiner Familie gehören ja schon seit Generationen der Großteil aller Medien in Italien, da hat man natürlich schon ein leichteres Spiel... Ich wünsche den Italienern nur, dass sie aus den Aktionen Berlusconis der vergangenen Jahre gelernt haben und ihn nicht wieder an die Macht lassen. Italien ist gerade dabei sich von ihm zu erholen, ein "Politiker", der auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und sich alles zu Recht legt, wie es gerade passt, ist wirklich fehl am Platz!!!

    • Mardt
    • 11. Dezember 2012 21:38 Uhr

    Ich kann Sie ehrlich gesagt leider nicht nachvollziehen! Mich würde dennoch interessieren, wieso Sie die Meinung vertreten, Berlusconi müsse wiedergewählt werden und warum Sie denken, der Euro müsse abgeschafft werden.

    Antwort auf "berlusconi"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @Mardt - der euro ist nun einmal ein fehlkonstrukt
    und ursächlich für die jetzige krise und nur durch den euro entsteht automatisch eine haftungs und transferunion.

    gäbe es nationale währungen, würde italien oder griechenland ihre währung abwerten, so wie sie es immer gemacht habe und dadurch eingigermaßen wettbewerbsfähig sein- auf kosten einer weichwährung mit allen schattenseiten-aber so ist nunmal die mentalität.
    eine rückabwicklung wird natürlich nicht schmerzfrei abgehen, aber die alternative -ein weiter so- wir weitaus teurer , sowohl ökonomisch als auch politisch. unterschiedliche wirtschaftsmentalitäten lassen sich niemals uner einem währungsdach veeinigen. das ist und bleibt wunschtraum diverser poltiker. natürlich versuchen sie jetzt eine art zentralstaat europa zu errichten mit einer wirtschaftsregierung , einem finanzminister etc. klar, das ist theoretisch machbar, dann gibt es transferleistungszahlungen wie auch innerhalb D.
    das dies aber politisch niemals gutgehen kann, sollte jedem klar sein. keine regierung wird ihre macht abgeben wollen, von den bevölkerungen rede ich noch gar nicht.
    also bleibt die rückabwicklung. je schneller umso günstiger. ansonsten zieht sich das noch 3-5jahre hin um am ende mit noch größerem knall zu expoldieren.

    berlusconi ist natürlich ein "halodri", aber mit ihm sehe ich die besten chancen das die lira wiederkommt.

    • lennese
    • 12. Dezember 2012 10:25 Uhr

    Die Mafia hat im Gegensatz zu den Banken Ehre

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service