ParlamentswahlJapans Atomindustrie bedrängt Wahlsieger

Der Machtwechsel in Japan ruft die Atomindustrie auf den Plan. Der erste Reaktorhersteller forderte das Wiederanfahren von AKW. Japans Wirtschaft müsse wachsen. von reuters

Das Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in Japan

Das Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in Japan  |  © Kim Kyung-Hoon/Reuters

Der Chef des Reaktorherstellers Mitsubishi Heavy Industries hat eine schnelle Rückkehr Japans zur Atomenergie gefordert. Die nach dem Atomunfall von Fukushima abgeschalteten Atomkraftwerke (AKW) sollten wieder ans Netz gehen, sagte Omiya in einer Reaktion auf den Wahlsieg der Liberal-Demokraten.

"Japan muss wirtschaftlich wachsen, und die Energiepolitik spielt dabei eine große Rolle", sagte Omiya. Sicherheit habe aber Vorrang : Dafür müssten die Reaktorhersteller alles tun.

Anzeige

Die Liberal-Demokratische Partei (LDP) hat am Sonntag die vorgezogenen Parlamentswahlen gewonnen . Die Partei hat in der Vergangenheit stark auf die Atomenergie gesetzt. Ihr Wahlsieg gab den Aktien von Stromversorgern Auftrieb. Dagegen hatte die bisherige Regierung unter Yoshihiko Noda vor einigen Monaten langfristig die Abkehr des Landes von der Atomenergie beschlossen.

Erste Reaktoren sind wieder in Betrieb

Im Juli hatte Kansai Electric Power zwei der 50 kommerziellen Reaktoren Japans wieder in Betrieb genommen. Dieser Schritt hatte zu heftigen Protesten in der Bevölkerung geführt.

Mit der Inbetriebnahme weiterer Reaktoren wird nicht vor Sommer 2013 gerechnet. Zunächst müssen neue Sicherheitsbestimmungen in Kraft treten.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Zu erwarten ist auch, dass sich die skupellos Atomlobby durchsetzt. Schließlich geht es um sehr viel Geld.

    Wahrscheinlich werden auch die Sicherheitsvorschriften wieder reduziert oder nur auf dem Papier eingehalten.

    Die Chance dieser Leute, auf diese Weise sehr viel Geld zu machen, ist wesentlich höher, als das Risiko selbst verstrahlt zu werden.

    Im Falle eines Falles können sie es sich auch leisten, die japanischen Inseln zu verlassen und an irgendeinem schönen Ort auf der Welt ihren Reichtum zu genießen. Reiche Leute sind in vielen Ländern der Welt sehr gern gesehen und werden mit offenen Armen aufgenommen und sogar noch mit Steuervergünstigungen angelockt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • scoty
    • 17. Dezember 2012 20:36 Uhr

    die haben den Schaden und machen so weiter als ob nichts wäre und wir müssen bluten.

    • scoty
    • 17. Dezember 2012 20:36 Uhr

    die haben den Schaden und machen so weiter als ob nichts wäre und wir müssen bluten.

    Antwort auf "Das war zu erwarten"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Thema Umwelt ist in Japan politisch nicht ausreichend vertreten. Es gibt dort weder eine starke grüne Partei wie in Deutschland, noch starke NGO-Strukturen wie in den USA. Zwar hat sich nach der Dreifach-Katastrophe im Nordosten des Landes eine Bewegung in Gang gesetzt und es wurde sogar eine grüne Partei gegründet, allerdings sind die Hürden für eine neue Partei in Japan deutlich höher als in Deutschland.
    Darüberhinaus is es nichts Neues, dass die LDP sehr eng mit der Wirtschaft vernetzt ist und häufig deren Interessen verteidigt (was eigentlich gegen die außenpolitischen Vorstellungen von Abe spricht).

    Aber zu schreiben, "die haben den Schaden und machen so weiter als ob nichts wäre und wir müssen bluten", geht überhaupt nicht.

    Die Leute aus der Region Fukushima sowie die Bevölkerung aus anderen Teilen des Landen haben genügend für die Fehler der politischen und wirtschaftlichen Eliten geblutet. Auch deshalb werden die Wahlberechtigten so schnell einen Ausstieg aus dem Atomausstieg nicht zu lassen.

  2. da fordert diese Atommafia schon wieder Vergünstigungen.

    Die Schadensschätzung beläuft sich aktuell auf ca 100 Mrd Euro. Aber das wird gerne verstaatlicht, die Gewinne nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • zamm
    • 18. Dezember 2012 6:46 Uhr

    - Lungenkrebs & Kreislaufkrankheiten durch Feinstaub: Kohle, Holz
    - Umweltverpestung: Biomasse
    - Unfälle: Holz, Wind, Solardächer (jedes Jahr… erneuerbar!)
    - Umverteilung arm -> reich

    Das "Lustigste" (wenn man bei dieser Tragik schreiben darf): Solarmonteuren werden tatsächlich mehr verstrahlt als AKW-Arbeiter:
    http://www.geldtipps.de/v...

    Auch im Nachhinein ist es nützlich, sich wieder den Unsinn anzuschauen, der beim Unfall in den deutschen Medien zu lesen war (ist inzwischen auch nicht besser geworden…):
    http://www.welt.de/gesund...
    "Die Hälfte sterben am akuten Strahlentod": Ist schlicht NICHT passiert!

  3. Das Thema Umwelt ist in Japan politisch nicht ausreichend vertreten. Es gibt dort weder eine starke grüne Partei wie in Deutschland, noch starke NGO-Strukturen wie in den USA. Zwar hat sich nach der Dreifach-Katastrophe im Nordosten des Landes eine Bewegung in Gang gesetzt und es wurde sogar eine grüne Partei gegründet, allerdings sind die Hürden für eine neue Partei in Japan deutlich höher als in Deutschland.
    Darüberhinaus is es nichts Neues, dass die LDP sehr eng mit der Wirtschaft vernetzt ist und häufig deren Interessen verteidigt (was eigentlich gegen die außenpolitischen Vorstellungen von Abe spricht).

    Aber zu schreiben, "die haben den Schaden und machen so weiter als ob nichts wäre und wir müssen bluten", geht überhaupt nicht.

    Die Leute aus der Region Fukushima sowie die Bevölkerung aus anderen Teilen des Landen haben genügend für die Fehler der politischen und wirtschaftlichen Eliten geblutet. Auch deshalb werden die Wahlberechtigten so schnell einen Ausstieg aus dem Atomausstieg nicht zu lassen.

    Antwort auf "echt verrückt "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Japan braucht keine Grünen. Die neu begründete jap. Grünen, die aus Deutschland stark gemacht wurde, ist aufgelöst. Es gibt bereits vor Fukuschima zwei Parteien, die sich lange und stark mit Umwelt beschäftigen und konsequent gegen AKW sind: Kyosantou (Kommnisten) und Shamintou (Sozialdemokraten).Auch Komeitou (Buddhisten), der Partner von LDP, ist auch gegen AKW. Innerhalb LDP gibt auch Atomgegner, z.B. Taro Kono. Japan erlebte Ende 19.Jahrhundert eine große industrielle Umweltverschmutzung durch den Abbau vom Kupfer, den man damals nach Europa exportierte.Da begann bereits ein starkes Umweltbewußtsein und seitdem eine konstante sozialistische Gedanke.Seit 1922 existiert eine kommunistische Partei, die aber erst 1945 als politische Partei anerkannt ist. Nach 2.WK regierte zuerst die Sozialisten. Im Palarment sitzen immer Kommunisten.

  4. Japan braucht keine Grünen. Die neu begründete jap. Grünen, die aus Deutschland stark gemacht wurde, ist aufgelöst. Es gibt bereits vor Fukuschima zwei Parteien, die sich lange und stark mit Umwelt beschäftigen und konsequent gegen AKW sind: Kyosantou (Kommnisten) und Shamintou (Sozialdemokraten).Auch Komeitou (Buddhisten), der Partner von LDP, ist auch gegen AKW. Innerhalb LDP gibt auch Atomgegner, z.B. Taro Kono. Japan erlebte Ende 19.Jahrhundert eine große industrielle Umweltverschmutzung durch den Abbau vom Kupfer, den man damals nach Europa exportierte.Da begann bereits ein starkes Umweltbewußtsein und seitdem eine konstante sozialistische Gedanke.Seit 1922 existiert eine kommunistische Partei, die aber erst 1945 als politische Partei anerkannt ist. Nach 2.WK regierte zuerst die Sozialisten. Im Palarment sitzen immer Kommunisten.

    Antwort auf "Zynismus"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wann ist die "Midori no tô" aufgelöst worden? Der letzte Eintrag auf deren Seite (http://greens.gr.jp/) stammt vom 14.12. Die "Midori no mirai" wurde allerdings aufgelöst und durch die oben genannte Partei ersetzt.

    Darüber hinaus haben sowohl die Komeitô, die Sozialisten wie auch die Kommunisten den Naturschutz/ Atomausstieg natürlich nicht als oberstes Ziel, sondern haben andere Prioritäten. Dadurch hat das Thema "Umweltschutz/ Atomausstieg" eben keinen unmittelbaren Befürworter im Parlament wie es in Deutschland der Fall ist. Und starke NGOsM, die Parteien mit hohen Spenden politisch "steuern" können, wie es diesen in den USA gibt, gibt es in Japan auch nicht.

    Davon abgesehen: Die Sozialisten sowie die Kommunisten spielen in Japan überhaupt keine politische Rolle mehr.

  5. Wann ist die "Midori no tô" aufgelöst worden? Der letzte Eintrag auf deren Seite (http://greens.gr.jp/) stammt vom 14.12. Die "Midori no mirai" wurde allerdings aufgelöst und durch die oben genannte Partei ersetzt.

    Darüber hinaus haben sowohl die Komeitô, die Sozialisten wie auch die Kommunisten den Naturschutz/ Atomausstieg natürlich nicht als oberstes Ziel, sondern haben andere Prioritäten. Dadurch hat das Thema "Umweltschutz/ Atomausstieg" eben keinen unmittelbaren Befürworter im Parlament wie es in Deutschland der Fall ist. Und starke NGOsM, die Parteien mit hohen Spenden politisch "steuern" können, wie es diesen in den USA gibt, gibt es in Japan auch nicht.

    Davon abgesehen: Die Sozialisten sowie die Kommunisten spielen in Japan überhaupt keine politische Rolle mehr.

    Antwort auf "Umweltpartei"
    • Felefon
    • 18. Dezember 2012 1:29 Uhr

    Nach Erdbeben und Tsunami hat die japanische Bevölkerung für europäische Verhältnisse in einer unglaublich solidarischen Leistung, mit hohem Einsatz und oftmals vielfältigem privaten Verzicht den Wiederaufbau der Küstenregionen des Landes angepackt.

    Eine gute Quelle vor Ort ist "the mainichi" mit einer englischen Website:
    http://mainichi.jp/englis...

    Der erwachende ( und berechtigte ! ) Nationalstolz dieses Landes spiegelt sich natürlich in den Wahlergenissen wider.

    Der Schadensanteil der Fukushima-Reaktor-Havarie war, realistisch gesehen, vernachlässigendbar klein.

    Ein gutes Dutzend Gasspeicher, hunderte Gasleitungen, einige Chemiefabriken sind havariert und haben tausende Tote gefordert.
    Die primäre Flutwelle hat nahezu 20000 Menschenleben hinweggefegt.

    Die in Deutschland immer gerne zitierten Dekontaminationskosten für die Fukushima-Daiichi-Havarie machen nur einstelligen Prozent-Anteil der Gesamtschadenshöhe aus.

    Die japanische Industrie und die Bürger dieses Landes benötigen eine zuverlässige und preisgünstige Energieversorgung.

    Solardächer und Windspielmaschinen können weder die japanische Industrie, noch die Privathaushalte dauerhaft mit Energie versorgen.

    Die heutige Entscheidung der japanischen Wähler ist verständlich.
    Sie wird sich an der künftigen Entwicklung messen lassen müssen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Solardächer und Windspielräder können den Energiebedarf der Japaner nicht leisten".

    Gott sei Dank hat man vor 60 Jahren die Atomkraft entdeckt, sonst müßten die Japaner (und auch die Europäer) immer noch auf Bäumen leben oder in HÖhlen hausen.

    Solange das Problem mit dem Atommüll nicht gelöst ist, sollte man die Atomkraft verbieten. Der Gewinnm heute für einige wenige zählt doch mehr, als alles, was den zukünfigen Generationen droht. Die Atomkraft ist die einzige Kraft, die 1000e Jahre in die Zukunft wirkt. Alles was Menschen bis heute getan haben, hat seine Auswirkungen im Heute und Jetzt. Aber nicht der Atommüll. Und das, nur das, unterscheidet diese Art der Energiegewinnung von allen anderen Arten.
    Was passiert denn, wenn "die Wirtschaft" nur noch 0,5 Prozent wächst? Von mir aus weltweit. Die Kapitalhalter werden weniger Profit erzielen. Davon geht die Welt nicht unter. Davon nicht.

    Die sehr große Mehrheit ist nach wie vor gegen Atomkraft.

    http://www.taz.de/Energiepolitik-zur-Wahl-in-Japan/!107445/

    Die neue Regierung wurde nicht gewählt, weil sie für Atomkraft ist. Insofern ist Ihr Beitrag grottenfalsch. Die Japaner haben die bisherige Regierung abgewählt, weil deren Krisenmanagement nach Fukushima verheerend war und sie mit deren Steuerpolitik nicht einverstanden waren.

    http://www.tagesspiegel.d...

    Natürlich jubelt jetzt trotzdem die Atomindustrie und ihre Befürworter, wie auch Ihr Beitrag zeigt. Dass hier massive Geldinteressen im Spiel sind, zeigt auch, dass die Aktien der unsäglichen Firma Tepco, die bisher insbesondere durch ihre Unfähigkeit zum Betrieb von Atomkraftwerken und ihre ausgeprägte Fähigkeit, den Staat um Hilfe anzubetteln, aufgefallen ist, um satte 33 % gestiegen sind.

    Die neugewählten Politiker hoffen, dass das Volk jetzt ziemlich schnell seine ablehnende Haltung zur Atomkraft vergisst, damit mit der anrüchigen Atomindustrie wieder große Geschäfte gemacht werden können.

    Da die Halbwertzeit der japanischen Regierungen dramatisch niedriger liegt, als die Spaltprodukte der Atomkraftwerke rate ich trotzem vom Kauf von Tepco-Aktien ab.

    • zamm
    • 18. Dezember 2012 6:46 Uhr

    - Lungenkrebs & Kreislaufkrankheiten durch Feinstaub: Kohle, Holz
    - Umweltverpestung: Biomasse
    - Unfälle: Holz, Wind, Solardächer (jedes Jahr… erneuerbar!)
    - Umverteilung arm -> reich

    Das "Lustigste" (wenn man bei dieser Tragik schreiben darf): Solarmonteuren werden tatsächlich mehr verstrahlt als AKW-Arbeiter:
    http://www.geldtipps.de/v...

    Auch im Nachhinein ist es nützlich, sich wieder den Unsinn anzuschauen, der beim Unfall in den deutschen Medien zu lesen war (ist inzwischen auch nicht besser geworden…):
    http://www.welt.de/gesund...
    "Die Hälfte sterben am akuten Strahlentod": Ist schlicht NICHT passiert!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber Sie haben natürlich Recht. Da fehlen noch ein paar Schäden, wie Bodenerosion, Vogelsterben etc.. Hier jedoch soviel Geld verdient, dass die Folgen egal sind.

    Wer soll denn noch auf diese komischen Vergleiche hereinfallen? Der Dachdecker kann sich durch normale Arbeitskleidung schützen, wogegen wohl niemand im Primärbereich eines Kernkraftwerks ohne Vollschutz herumläuft. Warum wohl??

    Ihre zweite Quelle (Die Welt, warum nicht gleich die Bild?) schreibt auch nur von einem "wenn-dann" Szenario. Da das "wenn" nicht eingetreten ist, weil man die Belastungszeiten deutlich reduziert hat, ist es wohl logisch das die "dann" Folge auch nicht eintritt.

    Übrigens, sind schon alleine die Kosten der Kernenergie nicht tragbar. Nicht umsonst möchte niemand mehr "Neu" investieren, sondern nur seine Altanlagen ausquetschen.

    Nur darum geht es den KKW Betreibern und um das zu erreichen ist denen fast jedes Mittel recht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, sk
  • Schlagworte Parlamentswahl | Bevölkerung | AKW | Aktie | Atomenergie | Atomindustrie
Service