Schönere Weihnachtsgeschenke hätten Pjöngjang und Peking den japanischen Nationalisten nicht machen können. Wenige Tage vor einer Parlamentswahl, die bereits stark von nationalistischen Themen geprägt ist, sorgt Nordkorea mit seinem Raketenstart für internationalen Aufruhr, während China ein Überwachungsflugzeug über die umstrittenen Senkaku/Diaoyu-Inseln fliegen lässt. Das ist genau das, was sich die Rechtspopulisten Japans wünschen.

Die Angst vor einer militärischen Eskalation könnte nun den Nationalisten helfen, eine Verfassungsreform durchzuboxen, auf deren Grundlage Japan zum ersten Mal am globalen Rüstungswettlauf teilnehmen dürfte. Laut Artikel neun der 1947 unter US-Maßgaben verabschiedeten Verfassung darf Japan weder eine Rüstungsindustrie noch Streitkräfte besitzen. In Japan redet man daher nicht von einer Armee, sondern von “Selbstverteidigungskräften” .

Zwar hinderte Artikel neun die japanischen Soldaten nicht daran, am internationalen Einsatz in Afghanistan teilzunehmen. Selbst die USA , die Japan in der Nachkriegszeit unter ihrem Verteidigungsschutz hielten, fordern das Land seit mehreren Jahren auf, sich militärisch selbstständig zu machen. Die Debatte um den neunten Artikel der Verfassung ist daher mehr symbolisch als juristisch. Auf der linken Seite des politischen Spektrums wird er als Symbol für das friedliche Japan der Nachkriegszeit angesehen. Für das rechte Lager ist er ein Symbol für die Niederlage und eine Schande.

Rechtspopulisten könnten zweitstärkste Partei werden

Jahrzehntelang zogen die japanischen Rechtsextremisten mit ihren schwarzen Transportern durch die Städte und ließen aus ihren Lautsprechern Militärmärsche krächzen, um für die Rückkehr zur militärischen Größe der Vorkriegszeit zu plädieren. Nun könnten ihre Forderungen den Weg ins Parlament finden. Nach den jüngsten Umfragen kann das Abgeordnetenhaus bald von Konservativen und Nationalisten dominiert sein. Die konservative Liberaldemokratische Partei, die mehr als 60 Jahre lang fast ununterbrochen das Land regierte, soll mit rund 300 von 480 Parlamentssitzen die Mehrheit deutlich zurückgewinnen.

Ihr Kandidat Shinz ō Abe hat bereits klargemacht, wie Japan künftig auf Nordkoreas Provokationen reagieren wird: "Wir müssen uns wappnen, um hart gegen solche Angriffe vorzugehen." Abe war bereits 2006 Premierminister, allerdings nur für ein Jahr. Obwohl er in der Partei als "Falke" gilt, erwies er sich damals als gemäßigter Realpolitiker. Diesmal könnte es anders sein, denn die zweitstärkste Partei wird möglicherweise die rechtspopulistische Partei der Restauration sein. Sie wurde 2010 vom Gouverneur der Präfektur Osaka , T ō ru Hashimoto, gegründet und wird von einem anderen mächtigen Gouverneur, dem Tokioter Shintar ō Ishihara, geführt.

Hashimoto und Ishihara sind die zwei Gesichter des modernen japanischen Nationalismus. Der achtzigjährige Ishihara wurde bekannt als Schriftsteller und Kritiker der politischen Zurückhaltung Japans. Der etwa halb so alte Hashimoto ist im Gegenteil ein individualistischer Rechtsliberaler , der seinen Erfolg einer schillernden Karriere als TV-Persönlichkeit verdankt.

Was sie vereint, ist eine starke Neigung zu extremen Gesten und Äußerungen. So behauptete Hashimoto zum Beispiel auf einer Parteiveranstaltung in Osaka dass "die japanische Politik dringend eine Diktatur benötigt". Um nicht im Schatten des jüngeren Kollegen zu stehen, versuchte Ishihara mithilfe einiger Geschäftsmänner, die von China beanspruchten Senkaku-Inseln zu kaufen. Die Initiative führte zu einer der heftigsten diplomatischen Krisen seit Jahrzehnten.