Japan steht nach der vorgezogenen Parlamentswahl vor einem Regierungswechsel. Die konservativen Liberaldemokraten (LDP) haben die Wahl nach ersten Prognosen deutlich gewonnen. Die Fernsehsender NHK und NTV berichteten, die Partei des rechtskonservativen Expremiers Shinzō Abe habe eine absolute Mehrheit von bis zu 310 der 480 Sitze errungen. Zusammen mit ihrem traditionellen Juniorpartner Komeito erreichten sie die Zweidrittelmehrheit. Damit kehrt die LDP nach drei Jahren wieder an die Macht zurück, nachdem sie zuvor mehr als 50 Jahre die Regierung gestellt hatte.

Die Demokratische Partei (DPJ) von Regierungschef Yoshihiko Noda erlitt eine klare Niederlage. Die Partei kann nur noch mit etwa 50 bis 77 Sitzen rechnen, meldete NHK. Noda gestand die Niederlage seiner Regierungspartei ein. "Ich nehme dieses Ergebnis ernst", sagte er. Er entschuldige sich aufrichtig, dass es ihm nicht gelungen sei, bessere Resultate zu erzielen. Die größte Verantwortung dafür liege bei ihm als Parteichef der DPJ, sagte Noda weiter. Er werde daher von diesem Amt zurücktreten.

Es war die erste nationale Wahl seit der Atomkatastrophe in Fukushima infolge des verheerenden Erdbebens und Tsunamis vom 11. März vergangenen Jahres. Premier Noda hatte versucht, das Thema Atomkraft zum Wahlkampfthema zu machen, und beteuert, seine DPJ wolle anders als die LDP von Atombefürworter Abe bis 2040 aus der Kernenergie aussteigen. Zudem warnte Noda eindringlich vor einem Rückfall in die alte Politik der LDP, die Japan zu einem Schuldenstaat gemacht hat.

Die Konservativen hatten eine härtere Haltung gegenüber China , eine Atomkraft-freundliche Energiepolitik und hohe Staatsausgaben im Kampf gegen Deflation und den hohen Yen angekündigt.

1.500 Kandidaten stellten sich auf

Noda wurde vorgeworfen, die Wahlversprechen nicht gehalten zu haben. Die Umfragewerte für seine Partei waren zuletzt noch schlechter als die für Abes LDP. Die Hoffnungen auf einen politischen Neuanfang sind nach drei Jahren DPJ-Regierung inzwischen Desillusion gewichen. Japan kämpft mit einer Staatverschuldung von mehr als 200 Prozent seiner Jahreswirtschaftsleistung. Das Land befindet sich seit 2000 zum vierten Mal in einer Rezession.

Ungefähr 110 Millionen Wähler waren aufgerufen, bis zur Schließung der Wahllokale um 20.00 Uhr Ortszeit (12.00 MEZ) ihre Stimmen abzugeben. Zwölf Parteien traten bei der Wahl an. Eine Rekordzahl von etwa 1.500 Kandidaten wetteiferte dabei um den Einzug ins Parlament. Medienberichten zufolge könnte der neue Ministerpräsident am 26. Dezember auf einer Sondersitzung des Parlaments gewählt werden. Abe wird dann der siebte Regierungschef innerhalb von sechs Jahren .