ParlamentswahlIn Japan regiert jetzt ein Falke

In Tokio herrscht zukünftig der außenpolitische Hardliner Abe. Auch Peking ist nationalistischer geworden. In Ostasien sind die Falken obenauf, kommentiert B. Voigt. von Benedikt Voigt

Wahlgewinner Shinzo Abe auf einer Pressekonferenz am 17. Dezember

Wahlgewinner Shinzo Abe auf einer Pressekonferenz am 17. Dezember  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

Gut möglich, dass demnächst der Premierminister Japans die Nachbarländer China und Südkorea mit einem Besuch des Yasukuni-Schreins empören wird. Der 58 Jahre alte rechtskonservative Shinzo Abe hat einmal erklärt, er bereue es, 2007 in seiner kurzen ersten Amtszeit als Premierminister Japans den Schrein nicht besucht zu haben. In dieser Gedenkstätte ehren die Besucher verstorbene Militärangehörige, darunter allerdings auch 14 japanische Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg. Nun erhält Shinzo Abe eine zweite Gelegenheit zur Provokation.

Am Sonntag bei den Unterhauswahlen des japanischen Parlaments haben die Wähler dem Parteichef der Liberaldemokraten (LDP) nach übereinstimmenden Prognosen mit überwältigender Mehrheit zu einer zweiten Amtszeit als Premierminister verholfen . Der Populist und außenpolitische Hardliner Shinzo Abe, so erhoffen es sich Japans Wähler, soll die Wirtschaft des Landes aus der Rezession holen und Chinas wachsenden Machtansprüchen in der Region selbstbewusst entgegentreten. Für Ostasien verheißt seine Rückkehr ins japanische Machtzentrum allerdings eine Verschärfung der Schwierigkeiten.

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Abes Ziele kollidieren mit Chinas Ansprüchen

Die Spannungen in der Region dürften sich unter dem japanischen Falken weiter verstärken. Ein möglicher Besuch des Yasukuni-Schreins zählt dabei nur zu den kleineren Übeln. Vor allem der Konflikt mit China um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer steht vor einer Zuspitzung. Auch mit Südkorea , wo am Mittwoch Präsidentschaftswahlen stattfinden, streitet Japan um eine Insel. Shinzo Abe hat angekündigt, die japanischen Streitkräfte sowie die Küstenwache verstärken zu wollen. Auch tritt er für eine Überarbeitung der pazifistischen Verfassung ein. Er will Japan als Führungsmacht in Fernost etablieren und kollidiert damit automatisch mit Chinas Ansprüchen.

Sowohl Japan als auch China werden nun von nationalistisch gesinnten Politikern geführt. Xi Jinping , der neue Chef der Kommunistischen Partei Chinas, schlägt mit seinen Reden von der "großen Wiedererweckung der chinesischen Nation" nationalistische Töne an. Er soll nach westlichen Medienberichten seit September hinter den antijapanischen Protesten und der Zuspitzung des Konflikts um die Inseln im Ostchinesischen Meer stehen. Auch Chinas Streit mit den Philippinnen, Vietnam , Malaysia und Taiwan um Gebiete im Südchinesischen Meer eskaliert.

Und nun hat Nordkorea mit seinem überraschenden Raketenstart erneut sein Bedrohungspotenzial für Frieden und Sicherheit in der Region unter Beweis gestellt. Dieser Start dürfte Shinzo Abe bei der Wahl sogar genützt haben. Für die Region Fernost aber bedeutet es: Noch mehr Falken haben das Sagen.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. gekommen ist, muss man natürlich auf der chinesischen Seite auch sofort nationalistische Tendenzen orten.

    Sorry, Herr Voight, da haben Sie wohl eher schlecht geträumt.

    Die Aufkündigung des einvernehmlichen Status der Diaoyu/Senkaku-Inseln ist aus Japan gekommen.
    Wahrscheinlich war Herr Noda nur zu verzweifelt, vielleicht auch nur zu dämlich, um eine solche Provokation durchgehen zu lassen - nun ist er erstmal Geschichte.

    Abe hat vor der Wahl klar gesagt, wo's langgeht: Aufrüstung, Umstellung der bislang verschämt "Selbstverteidifgungsstreitkräfte" genannten Streitzmacht auf offensiveres Auftreten, Stärke gegenüber Chine usw.

    Ach ja, noch etwas, was Sie nicht so richtig mitbekommen haben, Herr Voight: im Yasukuni-Schrein war Shinzo Abe schon - vor ein paar Wochen, schön mit Kamerateam, damit das auch keinem seiner potentiellen Wählern entgeht.

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  2. Es ist nicht unüblich, dass dort die ü70 Generation noch(mal) am Ruder ist und das Land steuert: Die Generation danach ist noch am arbeiten und die Enkelgeneration hat versagt und das Land an die Wand gefahren. Gleichzeitig gibts demografisch einen massiven Altenüberhang, der sich auch in politischen Entscheidungen niederschlägt.
    Insgeaamt also nicht allzuviel anders als hier in Deutschland...

    Der große Unterschied allerdings ist, dass die ü70 Generation aka die "Flakhelfer" eher negative Erinnerungen an nationalistisches Gedöns hat und sich daher etwas zurückhält beispielsweise mit der Rückforderung von Danzig, oder der Besetzung von Griechenland, bis es wieder läuft. InJapan dagegen war die Entnazifizierung bzw. Entkaiserisierung nicht ganz so tiefgreifend, weshalb man immer mal wieder seltsame Dinge von dort hört. In neuester Zeit das mit den Inseln/Felsbrocken, wo man sich den Schneid nicht abkaufen lassen will.

    Unterm Strich: Mit den G***tkrallen am Steuerknüppel ahne ich nichts gutes für Japan.

    2 Leserempfehlungen
    • fenris
    • 17. Dezember 2012 14:24 Uhr

    Fühlt sich noch jemand an die Zeit in Europa Anfang des letzten Jahrhunderts erinnert? Mehrere aufstrebende Industrienationen streben nach der Vorherrschaft und schieben den Nationalismus vor.

    Ich hoffe inständig die Asiaten sind intelligenter als wir Europäer, denn wohin das in Europa geführt hat wissen wir alle aus dem Geschichtsuntersicht.

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    • vonDü
    • 17. Dezember 2012 15:13 Uhr

    bieten den Machthabern in Peking gute Gelegenheiten, innenpolitischen Druck nach außen abzuleiten und das eigene Volk auf Kurs zu bringen. Was gegen Japan einfacher sein dürfte, als gegen jedes andere Land.

    Auf Verbündete auf dem Festland sollte Japan nicht hoffen. Man respektiert das Land und seine Wirtschaftsmacht, aber beliebt sind Japaner in dieser Region der Welt nicht.

    Wirklich anlegen mit China, könnten sie sich nur mit amerikanischer Rückendeckung. Was ein hochriskantes Spiel für die USA wäre, auf das sich Washington nicht leichtfertig einlassen wird. Schon gar nicht für japanische Machtspielchen und Provokationen. Und das weiß auch China.

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  3. ist eine Provokation? Hört sich für mich eher nach Kindergarten an.

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    also macht nicht wissen nichts?

    Wenn man weiß, das in diesen "Schrein zum Gedenken der Toten" im Jahre des Herrn 1978 (das war acht Jahre nach dem Kniefall Willi Brandts in Warschau, Gallenstein!) heimlich, still und leise die Namen der verurteilten und hingerichteten japanischen Kriegsverbrecher eingeschmuggelt wurden,

    dann ist der Besuch eines hohen politischen Repräsentanten dortselbst für die Nachkommen derer, die seinerzeit unter diesen Kriegsverbrechern gelitten haben, schon eine Provokation, ja doch.

    Zumal Shinzo Abe auch vorher schon aus seiner Überzeugung nie einen Hehl gemacht hat, das, was die Japaner seinerzeit in China so angerichtet haben sollen, sei erstens völlig übertrieben dargestellt, zweitens sowieso nicht so schlimm und dritten, verdammt noch mal, schon so lange her.

    Gratulieren wir uns dazu, dass die "Geisterberuhigung" in Deutschland keine so große Rolle spielt. Erinnert sich übrigens noch jemand daran, wie Helmut Kohl Ronald Reagan auf den Soldatenfriedhof von Bitburg nötigte? Dabei hatte Reagan noch Glück: er musste nicht nochmal wiederkommen.

    • uwabami
    • 17. Dezember 2012 19:19 Uhr

    Was mir in westlichen Medien immer fehlt bei der Darstellung, ist die Bedeutung des Geisterkults. Schreine, wie auch der Yasukuni einer ist, dienen nicht zuletzt der "Besänftigung" unruhiger Geister, die - würden sie nicht ruhig gestellt - die Lebenden heimsuchen würden. Es geht also nicht ausschließlich um die Verehrung der Kriegstoten, aber eine wichtige Rolle spielt sie insbesondere für die Nationalisten (wie auch etwa den Ultra Shintaro Ishihara, dem ehemaligen Governeur) natürlich schon. Wer selbst einmal dort gewesen ist wird die Unbelehrbaren in Tarnanzügen nicht übersehen haben...

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  4. also macht nicht wissen nichts?

    Wenn man weiß, das in diesen "Schrein zum Gedenken der Toten" im Jahre des Herrn 1978 (das war acht Jahre nach dem Kniefall Willi Brandts in Warschau, Gallenstein!) heimlich, still und leise die Namen der verurteilten und hingerichteten japanischen Kriegsverbrecher eingeschmuggelt wurden,

    dann ist der Besuch eines hohen politischen Repräsentanten dortselbst für die Nachkommen derer, die seinerzeit unter diesen Kriegsverbrechern gelitten haben, schon eine Provokation, ja doch.

    Zumal Shinzo Abe auch vorher schon aus seiner Überzeugung nie einen Hehl gemacht hat, das, was die Japaner seinerzeit in China so angerichtet haben sollen, sei erstens völlig übertrieben dargestellt, zweitens sowieso nicht so schlimm und dritten, verdammt noch mal, schon so lange her.

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    "also macht nicht wissen nichts?"
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    Da bin ich aber froh, dass der Allwissende sich zur Antwort herablässt. Gelcihwohl kann ich

    A: Nicht erkennen, was Willy Brandt und sein überbewerteter Kniefall damit zu tun hat
    B. Warum das Gedenken an Tote (und wenn es Verbrecher waren, es waren doch Landsleute) jemanden provozieren soll.

    Ich fände Versuche, Shinzo Abe vom Besuch ab zu halten provokanter.

  5. Gratulieren wir uns dazu, dass die "Geisterberuhigung" in Deutschland keine so große Rolle spielt. Erinnert sich übrigens noch jemand daran, wie Helmut Kohl Ronald Reagan auf den Soldatenfriedhof von Bitburg nötigte? Dabei hatte Reagan noch Glück: er musste nicht nochmal wiederkommen.

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  • Schlagworte Japan | Shinzo Abe | Parlamentswahl | China | Gedenkstätte | Kommunistische Partei
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