Denn nach wie vor macht keines der beiden Lager irgendwelche Anstalten, in dem brisanten Machtkampf nachzugeben. Für die Opposition hatte tags zuvor Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei in einer Rede auf dem Tahrir-Platz die Forderungen noch einmal präzisiert. Präsident Mursi solle seine Dekrete gegen die Judikative zurücknehmen, verlangte er, einen nationalen Dialog mit der Opposition suchen, die gegenwärtige Verfassungsgebende Versammlung auflösen und ein neues, wirklich repräsentatives Plenum berufen.

Doch der Staatschef denkt gar nicht daran. Stattdessen nahm er am Samstagnachmittag unbeirrt und feierlich den zuvor in 15-stündiger Nachtsitzung durchgepaukten Verfassungsentwurf im Präsidentenpalast entgegen. Bis Mitte Dezember muss Mursi nun das neue Grundgesetz dem Volk zum Referendum vorlegen.

Wer dann die Oberhand behält, daran haben die demonstrierenden Islamisten keinen Zweifel. "Der Tahrir, das ist wie ein Tropfen im Meer", spottet ein junger Jurastudent, der mit seinen Freunden gekommen ist. "Wir sind die Mehrheit – die anderen dagegen haben alle Wahlen verloren, erst beim Parlament, dann beim Präsidenten", mischt sich ein anderer ein. Und ein dritter meint lakonisch. "Wir wollen keine Gewalt, lassen wir doch einfach die Urnen entscheiden."