US-KabinettJohn Kerry steht vor dem Sprung ins Außenamt

Nach der Absage von Susan Rice läuft alles auf John Kerry als nächstem Außenminister der USA zu. Präsident Obama hat sich offenbar bereits festgelegt. von afp, dpa und reuters

John Kerry

John Kerry  |  ©Kevin Lamarque/Reuters

Der demokratische Senator John Kerry soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge der nächste Außenminister der USA werden. Präsident Barack Obama wolle Kerry zum Nachfolger von Hillary Clinton machen, verlautete aus Kreisen, die mit den Plänen zur Kabinettsbildung vertraut sind. Die offizielle Nominierung werde in der kommenden Woche erfolgen, berichteten die Washington Post und der TV-Sender CNN . Nach unbestätigten Angaben haben die Republikaner ihre Unterstützung im Senat zugesichert.

Die Entscheidung für Kerry werde noch nicht in den nächsten Tagen verkündet, meldete der Sender ABC. Zunächst stünden die nationale Trauer wegen des Massakers in Newtown sowie weitere Personalentscheidungen für Obamas künftiges Kabinett im Vordergrund.

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Kerry ist derzeit Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat. 2004 hatte er als demokratischer Kandidat für das Präsidentenamt kandidiert, verlor aber gegen George W. Bush. In Obamas Umfeld wird Kerry als äußerst sachkundiger Außenpolitiker bezeichnet. "Er will die Probleme lösen und ist auch bereit, dafür gewisse Risiken in Kauf zu nehmen", zitierte die Washington Post ein früheres Regierungsmitglied. Nach fast drei Jahrzehnten als Senator zählt der Vietnam-Veteran zu Amerikas profiliertesten Außenpolitikern.

Spitzendiplomatin Susan Rice hatte am Donnerstag ihre Kandidatur für den Posten zurückgezogen. Rice war nach dem Attentat auf das US-Konsulat in Bengasi am 11. September unter Druck geraten. Nach ihren umstrittenen Äußerungen zu dem Anschlag hatten die Republikaner signalisiert, dass sie sich einer Nominierung von Rice für das Außenministerium widersetzen würden. Mit Kerry hingegen sind sie aufgrund seiner Expertise einverstanden.

Durchsichtiges Lob der Republikaner

Allerdings haben die Republikaner auch ein strategisches Interesse an einem Karrieresprung für John Kerry: Wird sein Platz im Senat vakant, käme es zu einer Nachwahl im US-Bundesstaat Massachusetts , bei der der populäre Republikaner Scott Brown den Sitz erobern könnte.

Als Kandidat für die Nachfolge von Verteidigungsminister Leon Panetta wird der frühere republikanische Senator Chuck Hagel (66) genannt. Sowohl Kerry als auch Hagel gelten in außenpolitischen Fragen als ähnlich pragmatisch wie Obama. Zu den schwierigsten Aufgaben dürften Syrien und der Iran sowie der Truppenabzug aus Afghanistan zählen. Zudem steht die amerikanische Haltung im Nahen Osten sowie gegenüber China auf dem Prüfstand.

Hillary Clinton hatte bereits vor der Präsidentschaftswahl angekündigt, sie wolle im Falle einer Wiederwahl Obamas nicht erneut als Außenministerin antreten. Der ehemaligen First Lady werden eigene Ambitionen für das Präsidialamt bei der Wahl 2016 nachgesagt.

Clinton muss in der kommenden Woche eine Auszeit nehmen, nachdem sie infolge einer Ohnmacht eine Gehirnerschütterung erlitt. Sie sei infolge eines Magenvirus dehydriert gewesen, sagte ein Mitarbeiter. Auf ärztlichen Rat wird die 65-Jährige zu Hause bleiben und von dort aus arbeiten.

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Leserkommentare
  1. Daß Frau Clinton nach ihrer live bei CNN übertragenen Jubelnummer über den Lynchmord an Oberst Gaddafi nur noch eine Belastung für den Präsidenten war, ist offensichtlich.

    http://www.youtube.com/wa...

    Frau Rice' Verwicklungen in den unpopulären Irak-Krieg ebenfalls. Es wäre zu hoffen, daß diese beiden Damen nie wieder ein politisches Amt bekleiden dürfen.

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    • Slin88
    • 16. Dezember 2012 16:42 Uhr

    @ O. Denker

    Bitte nicht Susan Rice mit Condoleeza Rice verwechseln. Susan Rice hat nichts mit dem Irak Krieg zu tun gehabt.

    mfg

  2. Zeit- Zitat"In Obamas Umfeld wird Kerry als äußerst sachkundiger Außenpolitiker bezeichnet. "Er will die Probleme lösen und ist auch bereit, dafür gewisse Risiken in Kauf zu nehmen"."

    Es könnte eine gute Wahl sein, möglicherweise ein Schwenk auch in der Syrien- Politik. Im Gegensatz zu den bisherigen Vertretern des State Department hat er für eine ausgewogenere Vorgehensweise plädiert, was ihm von seinen Gegner vorgeworfen wurde. Auch kennt er Assad aus vielen früheren Gesprächen, als dieser noch nicht als "Schlächter" tituliert wurde.

    In den letzten Monaten scheint er sich aber deutlich gegen Assad auszusprechen.

    "Rice Withdraws; Secretary of State John Kerry Coming Soon?"
    http://www.nationalreview...

    Ein bedeutender Vorteil
    "Kerry is also an independent thinker on foreign policy,.." .
    "Still, for most supporters of Israel, Kerry is viewed as one of the few Washington politicians who has a deep understanding of the region. "

    http://forward.com/articl...

    Nachdem Mrs. Nuland, Sprecherin des State Department sich für eine Unterstützung Brahimis auf der Grundlage der Genfer Erklärung ausgesprochen at, scheint Bewegung in die Politik der USA zu kommen. Dafür scheint Kerry der richtige Mann zu sein.

    http://www.state.gov/r/pa...

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    oder nicht eher an Russland und Iran, das es zu keiner Verhandlungslösung und friedlichen Lösung kommt?
    Die Opposition sagte verbissen, dass es keine Verhandlungen mit Assad gibt, obwohl diese schon viel früher hätten stattfinden müssen, naja. Wäre es dann nicht besser, wenn man mit Assad bricht und dadurch Verhandlungen mit der Opposition ins laufen kommen und man so schlimmeres Verhindert?

    Ich denke auch das Kerry vielleicht etwas Schwung in die Syrienpolitik bringt und einen positiven Beitrag zum Frieden dort leisten könnte.
    Meine Erwartungen liegen da eher bei Russland und Iran, da diese Staaten den nötigen Einfluss haben die Krise durch einem gewissen Bruch mit Assad zu beenden.

    • Slin88
    • 16. Dezember 2012 16:42 Uhr

    @ O. Denker

    Bitte nicht Susan Rice mit Condoleeza Rice verwechseln. Susan Rice hat nichts mit dem Irak Krieg zu tun gehabt.

    mfg

    3 Leserempfehlungen
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    da lag ich wirklich personell daneben.
    Allerdings nicht inhaltlich, denn Susan Rice ist offenbar eine ebenso gewissenlose Person wie C. Rice. So belegt wikipedia, daß Frau S. Rice als UN-Botschafterin der USA die Viagra-Lüge über die libysche Armee weiterverbreitet hat.

  3. In den USA bestimmt der außenpolitische Ausschuss des Senats die Außenpolitik, der Außenminister führt sie lediglich aus. Kerry ist derzeit Vorsitzender dieses Ausschusses. Auch Obama, Biden und Hagel dienten auf diesem Ausschuss.

  4. oder nicht eher an Russland und Iran, das es zu keiner Verhandlungslösung und friedlichen Lösung kommt?
    Die Opposition sagte verbissen, dass es keine Verhandlungen mit Assad gibt, obwohl diese schon viel früher hätten stattfinden müssen, naja. Wäre es dann nicht besser, wenn man mit Assad bricht und dadurch Verhandlungen mit der Opposition ins laufen kommen und man so schlimmeres Verhindert?

    Ich denke auch das Kerry vielleicht etwas Schwung in die Syrienpolitik bringt und einen positiven Beitrag zum Frieden dort leisten könnte.
    Meine Erwartungen liegen da eher bei Russland und Iran, da diese Staaten den nötigen Einfluss haben die Krise durch einem gewissen Bruch mit Assad zu beenden.

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    gedulden Sie sich, die Lunten wurden bereits gezündet.

    • SuR_LK
    • 16. Dezember 2012 20:56 Uhr

    Man kann nur hoffen das zu der Sache mal ein Wikileaks oder Whistleblower den PoS unter der Haube ans Licht der Öffentlichkeit bringt, was sich die USA da erlaubt ist wieder einmalig. Selbst H.Clinton kriegt Bauchweh bevor sie zu dem 11.9.2012 bezeugen muss, Rice kriegt wackelige Knie, und das Petraeus nur wegen der Geliebten weg ist, jaja...

  5. gedulden Sie sich, die Lunten wurden bereits gezündet.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, sc
  • Schlagworte Barack Obama | John Kerry | CNN | Susan Rice | Bill Clinton | Washington Post
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