NationalparksIm Kongo ist Umweltschutz lebensgefährlich

Für die Artenvielfalt in Kongos Nationalparks riskieren Aktivisten viel. Sie kämpfen gegen Rebellen, Wilderer und Korruption. Nun soll es auch noch Öl geben. von 

Kongos Schätze liegen nicht nur unter der Erde. Im Osten des Landes befinden sich zwei der schönsten Nationalparks des afrikanischen Kontinents: der Kahuzi-Biega-Park in Süd-Kivu und der Virunga-Park in Nord-Kivu, zu deren enormer Artenvielfalt Elefanten und Gorillas zählen. Beide Parks gehören zum UN-Weltnaturerbe. Beide könnten die Grundlage für einen ökologischen Tourismus bilden und dringend benötigte Einnahmen ins Land bringen. Könnten.

Statt Magneten für sanften Tourismus sind die Nationalparks seit Jahren bevorzugte Reviere für bewaffnete Gruppen, wie zuletzt der Virunga-Park für die Rebellen der M23-Bewegung . Darüber hinaus haben korrupte Staatsbeamte, Wilderer und Holzfäller in den vergangenen Jahren große Schäden angerichtet. Dem Virunga-Park droht nun zusätzliche Gefahr , seit die Regierung in Kinshasa dem britischen Energiekonzern Soco International dort die Lizenz zur Öl-Exploration erteilt hat.

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Wildhüter und Umweltaktivisten stemmen sich gegen weitere Zerstörung und riskieren dafür oft ihr Leben. Erst Ende Oktober wurden wieder zwei Ranger im Virunga-Park von Kämpfern einer Mai-Mai-Miliz getötet .

Bantu Lukambo ist Direktor der kongolesischen NGO Innovation pour le development et la protection de l'environment (IDPE) in Goma , Nord-Kivu. IDPE engagiert sich für den Schutz des Virunga-Nationalparks und für die Rechte seiner Bewohner und Anrainer. IPDE-Mitglieder sind in der Vergangenheit immer wieder bedroht worden. Während der Rebellion von M23 geriet Lukambo zwischen alle Fronten und musste nach Uganda fliehen.

ZEIT ONLINE: Wann und wie ist Ihre Organisation entstanden?

Bantu Lukambo: IDPE wurde im Jahr 2000 von Anwohnern des Nationalparks gegründet. Hintergrund waren die schlimmen Verhältnisse im Park: Wasser und Boden wurden verschmutzt, der Handel mit Elfenbein und Baby-Affen blühte – und wurde von den Behörden mit organisiert. Gleichzeitig interessierte sich niemand für die Lage und die Rechte der Bevölkerung in dieser Gegend. Also gründeten wir IDPE. Unser Hauptsitz ist in Goma. Wir haben zehn Zweigstellen in der Region. Wir klären die Menschen, die im und am Rande des Parks leben, über ihre Rechte und über die Bedeutung des Umweltschutzes auf. Um Viehseuchen besser bekämpfen zu können, haben wir eine mobile Veterinärklinik für Haus- und Nutztiere der Anwohner aufgebaut. Außerdem beobachten und dokumentieren wir Zerstörungen und Schäden am Ökosystem.

ZEIT ONLINE: Wie ist es Ihnen während der Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee (FARDC) und den M23-Rebellen ergangen?

Lukambo: Mit am schlimmsten war es kurz vor dem Einmarsch von M23. Da schlug eine Granate nur sechs Meter von unserem Haus ein und tötete drei Menschen. Etwa in der Zeit begann die FARDC, aus der Stadt abzuziehen. Ich selbst fühlte mich von beiden Seiten bedroht und habe mich mehrmals versteckt. Die lokalen Behörden haben mich im Visier, weil wir gegen die Förderung von Erdöl im Virunga-Park mobilisieren. M23 wiederum hat mich im Visier, weil wir immer wieder gegen ihre Präsenz im Park protestiert haben – und dagegen, dass sie offenbar auch mit Soco, dem Erdöl-Konzern, kooperieren.

Ich erhielt in diesen Tagen mehrfach Anrufe und Textnachrichten von M23-Angehörigen. Mal sagten sie, wenn ich mich öffentlich gegen sie äußern würde, sei mein Leben zu Ende. Dann verlangten sie, ich solle mich ihrer Bewegung anschließen und die Bevölkerung auffordern, das Gleiche zu tun. Meine Mitstreiter haben ähnliche Drohungen erhalten. Nach einer gemeinsamen Analyse der Sicherheitslage beschlossen wir, es wäre für uns besser, die Stadt mit Unterstützung der UN-Mission bis auf Weiteres zu verlassen. Die UN-Mission wusste um unsere Gefährdung. Wir wurden ja schon häufiger bedroht.

Leserkommentare
    • tonder
    • 07. Dezember 2012 20:03 Uhr
    1. [...]

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik und werden Sie differenzierter. Danke, die Redaktion/se

    • jasm
    • 07. Dezember 2012 20:25 Uhr

    Die Ignoranz, die hier gegenüber dem Kongo und seinen Problemen herrscht, ist bedenklich. Wenn man den Menschen or Ort helfen will, sollte man nicht Öl fördern, denn die Einheimischen haben nichts davon, s. z. B. Nigeria. Ökotourismus wäre eine viel bessere und nachhaltige Variante. Das Potenzial dafür wäre da. Damit ginge es Menschen und der Natur besser. Nicht nur wir brauchen diese Natur, sondern noch viel mehr die Menschen im Kongo, s. http://www.welt.de/vermis...

  1. Dass es die Weltgemeinschaft, die EU oder auch eine gutwillige westliche Regierung nicht fertig bringen diese letzten lächerlichen Fleckchen Erde zu schützen, ist nicht nachvollziehbar. Es geht doch nur um Geld. Um Landrechte, Ranger, Hilfsprogramme für die Bevölkerung dort, die schon über ein paar Euro froh wäre. Wenn es sein muss auch Zahlungen an Regierungsstellen und sonstige Akteure dort. Es ist unser Erbe, ich will das behalten!
    Man sollte SOCO auch mal auf den Pelz rücken. Solche Vertreter unserer glorreichen freien Marktwirtschaft fressen alles auf der Erde kahl und nur hinterlassen Sch...

  2. um die Aufweichung des UNESCO-Naturerbes durch die - in diesem Falle westliche - Wirtschaft und ihre Gier nach dem letzten Tropfen Öl in dieser Welt zu stoppen?

    Lesenswert dazu ist das Positionspaper, das die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, WWF, Greenpeace und andere gemeinsam in die Tagung des UNESCO-Welterbe-Komitees bereits im Juni 2012 eingebracht haben. Der Originaltext ist neben der Zusammenfassung hier verlinkt:

    http://www.zgf.de/?id=72&...

    Wie ich meine, ein wichtiger Appell an diejenigen Regierenden, die die UNESCO-Abkommen durch Unterzeichnung mittragen - und endlich einmal ein gemeinsamer Auftritt sonst eher zerstrittener Naturschutzorganisationen. Offenbar ist der Druck allerdings noch nicht groß genug.

    Deshalb finde ich es wichtig, dass dieses Thema in die Öffentlichkeit getragen wird. Es hat hier leider sehr lange gedauert bis zu obigem Beitrag. Dank nun an Frau Böhm und ihren derzeitigen mutigen Einsatz in der Konfliktregion.

    Die Idee Bantu Lukambos, "Grünhelme" der internationalen Gemeinschaft (hier sicher als Naturschutzmiliz im Sinne einer Ranger-Gruppe der UNESCO gemeint, falls dieser Begriff bereits anders besetzt ist) einzusetzen finde ich als Konsequenz zum Schutz von UNESCO-Naturerbe vernünftig, sie sollte mit Nachdruck verfolgt und in der DRC als Pilotprojekt auch für andere Regionen (z.B. Indonesien und die Orangs) gestartet werden. So viel sollte es der Welt wert sein.

    Blog der Ranger: http://gorillacd.org/blog/

  3. dass die Europäische Union im Virunga-NP engagiert ist:

    "The European Union (EU) is the primary institutional donor to Virunga National Park, and has been collaborating with the Congolese Wildlife Authority since the 1980s."

    http://europeanunion.gori...

    Müsste es da nicht selbstverständlich sein, dass die EU politischen Druck auf jene europäischen Ölfirmen ausübt, die den Schutz dieses weltweit einzigartigen Gebietes untergraben wollen?

    Ich hoffe, die EU erweist sich hier nicht als janusköpfig im Widerstreit zwischen Umwelt- und Wirtschaftspolitik.

  4. 6. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit Argumenten am konkreten Artikelinhalt. Danke. Die Redaktion/kvk

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Tourismus | Artenvielfalt | NGO | Nutztier | Uganda | Goma
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