Krisenpolitik"Das Ungeplante ist der Normalfall"
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"Wir brauchen die Fähigkeit, schnell interministerielle Task Forces zu schaffen"

ZEIT ONLINE: Warum wurden alle vom arabischen Frühling so überrascht? Was lief da schief bei unseren Frühwarnsystemen?

Perthes: Wir sind nicht davon überrascht worden, dass es stattfindet, sondern vom Zeitpunkt, vom Ort und davon, wie es abgelaufen ist. Aber wir liegen natürlich auch immer mal wieder daneben: Anfang 2011 haben wir geschrieben, dass es unwahrscheinlich sei, dass sie sich die Protestwelle über Tunesien, Ägypten und Libyen ausweiten würde…

ZEIT ONLINE: Ein anderes Beispiel: 2010 formulierten die Chinesen eine Hegemonialanspruch auf das Südchinesische Meer . Niemand hat damit gerechnet. Sind die genannten Frühwarninstitutionen womöglich zu sehr mit sich selbst beschäftigt?

Perthes: Zumindest wir als politikorientierter Think Tank weisen unsere Partner – Parlament und Regierung – darauf hin, das wir mit dem Ungeplanten als Normalfall der politische Realität umgehen müssen.

ZEIT ONLINE: Aber wie soll man mit dem Ungeplanten umgehen?

Perthes: Dafür brauchen wir flexible Instrumente. Das sind freie Kapazitäten und Mittel, um schnell handeln zu können. Zum Beispiel im Fall der arabischen Unruhen, Schiffe zu schicken, um Flüchtlinge aus Libyen rauszuholen. Oder zügig Geld frei zu machen, um Staaten bei der Transformation zu helfen. Oder die Kapazität zu haben, im Außenministerium mal 30 zusätzliche Leute zu beschäftigen, weil in der arabischen Welt plötzlich so viele neue Akteure auftauchen. Oder schließlich die Fähigkeit, sehr schnell interministerielle Task Forces zu schaffen.

ZEIT ONLINE: Was erwartet die Politik von ihnen?

Perthes: Die Politiker oder Institutionen wie der BND wollen von uns Sicherheiten haben, aktuell war es zum Beispiel die Frage: "Was geschieht, wenn in China und Japan die neuen Regierungen im Amt sind?" Unsere Antwort ist dann immer: Das wissen wir auch nicht! Wir können aber auf Interessensstrukturen, auf potenzielle Krisen, auf unangenehme Akteure und deren Agenden hinweisen. Wir sagen den Politikern, dass sie lernen müssen, mit der Unsicherheit umzugehen. Das Gleiche gilt für die arabische Welt oder die Eurokrise.

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Leserkommentare
  1. sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

    Eine Leserempfehlung
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    • postit
    • 21. Dezember 2012 15:55 Uhr

    wenn sie die unknown Unknowns betreffen.

    Fröhliche Weihnachten
    postit

    • postit
    • 21. Dezember 2012 15:55 Uhr

    wenn sie die unknown Unknowns betreffen.

    Fröhliche Weihnachten
    postit

    Antwort auf "Prognosen ..."
  2. Warum nur? Ist wahrscheinlich alles zu wage.

    Oft genug kann weder Politik noch Wissenschaft erklären was in der Vergangenheit passiert ist und da ist die Datenlage noch etwas klarer.

    Das Thema wird in den Staaten etwas anders angegangen. Da versucht man nicht zu erraten (educated guess) was denn wann passieren kann, sondern durch gezielt Beeinflußung ein eben etwas gewünschteren Outcome zu erzielen.

    Macht in soweit Sinn, als das ein Zuschauer nur reagieren kann, ein Spieler aber noch die Chance hat Einfluß auszuüben.

    Aber wie gesagt - geiss ist nur die Ungewissheit.

  3. 4. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

  4. fragt man sich, warum diese Stiftung nicht aufgelöst wird. Welchen Nutzen haben Voraussagen, die manchmal eintreffen? Oder noch besser gefragt: Welchen Schaden verursachen solche Voraussagen, wenn sie denn nicht eintreffen?

    Vielleicht treffen manche Voraussagen auch nur ein, weil sie vorausgesagt wurden (Selffulfilling Prophecy http://de.wikipedia.org/w...).

    Wenn man würfelt oder Karten legt oder eine Hellseherin einschaltet, kommt wahrscheinlich kein schlechteres Ergebnis heraus.

    Wenn tatsächlich auf Grund solcher Analysen Politik gemacht werden sollte, darf man sich über deren verheerendes Ergebnis nicht mehr wundern.

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