Die schiitischen Muslime haben bei der Parlamentswahl in Kuwait deutlich an Sitzen hinzugewonnen. Den am Sonntag veröffentlichten Ergebnissen zufolge entfallen auf die Schiiten, die 30 Prozent der Bevölkerung in dem Golfemirat ausmachen, 17 der 50 Mandate. Bei der vorangegangenen Wahl im Februar waren es nur sieben gewesen.

Die sunnitischen Oppositionsgruppen hatten zum Boykott der Abstimmung aufgerufen. Nach Angaben der Wahlkommission schrumpfte die Abgeordnetengruppe der sunnitischen Islamisten auf vier Mitglieder. Im Februar hatten noch 23 ihrer Vertreter ein Mandat gewonnen. Im neuen Parlament sitzen außerdem drei Frauen.

Die Opposition wertete ihren Boykott als Erfolg und bezeichnete die Wahl als "verfassungswidrig". "Auf Grundlage der von der Opposition zusammengestellten Statistik lag die Wahlbeteiligung bei 26,7 Prozent", sagte der frühere Abgeordnete Chaled al-Sultan nach einer Dringlichkeitssitzung der Opposition.

Das Informationsministerium sprach auf seiner Website von 38,8 Prozent Wahlbeteiligung, die Wahlkommission machte dazu keine Angaben. Die Opposition hatte sich erhofft, dass bis zu 70 Prozent der Wähler den Wahlbüros fernbleiben.

Es war bereits die zweite Parlamentswahl in dem Emirat in diesem Jahr. Die Wahl der im Februar gewählten Volksvertreter, unter denen die regierungskritischen Gruppen die Mehrheit hatten, war vom Verfassungsgericht des Landes im Juni annulliert worden. Daraufhin wurde das vorherige Parlament wieder eingesetzt, die Regierung änderte das Wahlgesetz . Aus Sicht der Opposition wollte sie damit den Ausgang der Parlamentswahl zu ihren Gunsten beeinflussen.