WestafrikaMalis Regierungschef tritt nach Festnahme zurück

In Mali hat das Militär womöglich erneut gegen die Regierung geputscht: Soldaten nahmen Regierungschef Diarra fest. Der trat darauf mit seiner gesamten Regierung zurück. von afp, dpa und reuters

Malis Regierungschef Cheick Modibo Diarra (Archiv)

Malis Regierungschef Cheick Modibo Diarra (Archiv)  |  © Thierry Gouegnon/Reuters

Wenige Stunden nach seiner Festnahme durch Soldaten ist Malis Regierungschef Cheick Modibo Diarra zurückgetreten. Diarra gab seinen Rücktritt sowie den Rücktritt seiner gesamten Regierung im nationalen Fernsehen bekannt. Wie die afrikanische Agentur apanews berichtete, fand die Festnahme auf Befehl von Hauptmann Amadou Haya Sanogo statt. Sanogo war bereits vor einigen Monaten in einen Militärputsch verwickelt, in dessen Folge radikale Islamisten und Tuareg-Rebellen den Norden des Landes unter ihre Kontrolle brachten.

Ein Grund für die Festnahme von Diarra war zunächst nicht bekannt. Nach Angaben von Mitarbeitern Diarras wollte der bisherige Regierungschef in der Nacht nach Frankreich reisen, um sich in Paris einem Gesundheitscheck zu unterziehen. Diarra gilt als Befürworter eines militärischen Einsatzes gegen die Islamisten, Hauptmann Sanogo lehnt dies nach Angaben von apanews ab.

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Das Militär hatte im März nach einem Staatsstreich die Macht übernommen, sie aber kurz darauf unter dem Druck der Nachbarländer an eine zivile Regierung übergeben. Der Putsch richtete sich gegen Aufständische, die einen eigenen Staat ausgerufen hatten, der aber international nicht anerkannt wird.

Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas bereitet derzeit auf Bitten der Regierung in Malis Hauptstadt Bamako einen Militäreinsatz mit bis zu 5.000 Soldaten vor, um die Islamisten aus dem Norden des Landes zu vertreiben. Auch die EU will Mali militärisch unterstützen. Zwischen 200 und 250 Militärausbilder sollen nach Bamako geschickt werden.

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Leserkommentare
    • SonDing
    • 11. Dezember 2012 9:50 Uhr

    Ich gehe davon aus, dass in unserem technisierten Zeitalter, auch in Mali die Errungenschaften des Internets keinen Halt gemacht haben und entsprechende Hintergründe und Informationen, sich hartnäckig ihren Weg bahnen.

    Englisch
    Mali, Al Qaeda, and the US Neo-Colonial Agenda
    http://article.wn.com/view/2012/07/16/Mali_Al_Qaeda_and_the_US_NeoColoni...

    Deutsch
    Mali, Al Qaida und die US-Neokolonialen Pläne
    http://einarschlereth.blogspot.de/2012/07/mali-al-qaida-und-die-us-neoko...

  1. Mali galt als Musterland und Beispiel für eine gelungene Demokratisierung. Nun werden wir sehen, ob demokratische Prinzipien nachhaltig in den Köpfen der Menschen verankert wurden, oder ob es nur eine Farce war, um den Westen, der sein System so gern exportiert sieht, zu beruhigen.

    Aber wieder einmal zeigt sich der unheilvolle Zusammenhang zwischen der Armee und Macht in Afrika. Meines Wissens ist Südafrika das einzige Land auf dem Kontinent ohne Militärputsch oder Bürgerkrieg - gerade historisch zählt es ja zu einem besonderen Kulturraum innerhalb Afrikas und trotzdem stand es zwei Mal schon kurz davor.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, afp, Reuters, tok
  • Schlagworte Europäische Union | Militär | Mali | Putsch | Regierung | Regierungschef
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