MaliIslamisten zerstören Heiligtümer in Timbuktu

Die UN planen einen Militäreinsatz in Nord-Mali. Wohl als Reaktion darauf haben islamistische Rebellen Mausoleen in Timbuktu zerstört, die zum Weltkulturerbe gehören. von dpa

Ein Mausoleum in Timbuktu

Ein Mausoleum in Timbuktu  |  © Adama Diarra/Reuters

Wenige Tage nach der Entscheidung des UN-Sicherheitsrates für einen Militäreinsatz in Mali haben Islamisten im Norden des afrikanischen Landes weitere Heiligtümer zerstört. "Die zerstörten Mausoleen gehören zum Unesco-Weltkulturerbe und befinden sich in der Medina (Altstadt) von Timbuktu", sagte Bagna Wangara, ein Bewohner der historischen Wüstenstadt. "Sie haben alles verwüstet, was sie finden konnten." Bei den Tätern habe es sich nicht um Bürger Timbuktus, sondern um Fremde gehandelt, sagte Wangara.

Ein Sprecher der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine bestätigte die Zerstörung. "Die Mausoleen dienen der Heiligenverehrung, und es ist nicht gut, wenn Menschen Gebäude oder Gräber wie einen Gott verehren", sagte Sanda Ould Boumama. Die Kulturstätten beherbergen die sterblichen Überreste islamischer Gelehrter.

"Zerstörung ist eine Tragödie"

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich "tief schockiert von der brutalen Zerstörung von Mausoleen und heiligen Schreinen in Timbuktu". Ashton rief zum Schutz der Stätten auf. "Ihre Zerstörung ist eine Tragödie nicht nur für das Volk von Mali, sondern für die ganze Welt." Sie mahnte Verhandlungen zur Regierungsbildung an.

Bereits im Sommer hatten Extremisten in Timbuktu mehrere berühmte und von der Unesco geschützte Heiligengräber zertrümmert . Die Islamisten hatten den Norden Malis nach einem Militärputsch im März erobert und kontrollieren mittlerweile zwei Drittel des Landes.

Erst am Samstag hatte Ansar Dine angekündigt, gemeinsam mit den Tuareg-Rebellen der MNLA Friedensverhandlungen mit der Regierung in Bamako aufzunehmen. Die jüngsten Verwüstungen könnten eine Reaktion auf die Entscheidung des UN-Sicherheitsrates sein, eine militärische Intervention zur Befreiung des Nordens zu autorisieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Ansar Dine | UN-Sicherheitsrat | Unesco | Catherine Ashton | Gebäude | Intervention
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