ItalienMontis radikal-gemäßigte Erneuerung
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Abgeordnete desertieren

Die Demokratische Partei steht allerdings der CGIL sehr nah. Eine derartige Kritik an den Gewerkschaften wäre in einer künftigen großen Koalition nicht möglich. Viele Kommentatoren bezeichneten Montis Rede am Fiat-Standort in Melfi in der vergangenen Woche deshalb als Fehltritt. In einem Werk, das für die strenge Verhandlungspolitik mit den Gewerkschaften bekannt ist, lobte der Ministerpräsident Fiats Umgang mit der Krise, während vor dem Eingangstor einige Dutzend Gewerkschaftler heftig protestierten.

Doch selbst in der Demokratischen Partei herrscht Unruhe wegen Montis Koalitionsplänen. Fünf Abgeordnete, die die Allianz zwischen der PD und der linksliberalen "Linke, Umwelt und Freiheit" verurteilten, traten aus der Partei aus und sagten dem Professor ihre volle Unterstützung zu. Einer von ihnen ist der Arbeitsrechtler Pietro Ichino, der als eigentlicher Verfasser von Montis Programm gilt. Das allerdings scheint nicht Teil dessen Plans zu sein. In einem informellen Gespräch mit dem Kolumnisten Eugenio Scalfari hatte Monti am Samstag zugegeben, dass er die Möglichkeit einer direkten Konfrontation mit der PD eher fürchte.

Auch in Berlusconis PDL führte Montis Aufruf zu Desertionen. Sechs Abgeordnete – unter anderem der ehemalige Außenminister Franco Frattini – verließen die Partei, um sich dem Monti anzuschließen.

Berlusconi stichelt gegen Merkel

Seit Berlusconis Rückkehr in die Politik ist die Linie der PDL aber eindeutig: Monti und seine Vision eines "Deutschland-zentristischen Europa " müssen mit allen Mitteln bekämpft werden. Unermüdlich wiederholt Berlusconi in Fernseh- und Radiosendungen: "Monti will im Auftrag Merkels die Steuern erhöhen."

Der scheidende Ministerpräsident geht seinerseits nicht sanft mit dem Cavaliere um. "Ich habe große Probleme, Berlusconis Gedankengängen zu folgen", sagte Monti während einer Pressekonferenz am Sonntag. Eine nachvollziehbare Kritik: Denn erst stürzt Berlusconi Montis Regierung, dann bietet er ihm an, für die PDL zu kandidieren, schließlich bezeichnet er die Regierungserfahrung seines Nachfolgers als katastrophal.

Berlusconis Hin und Her scheint seine Parteifreunde nicht zu stören. Selbst diejenigen, die seine Rückkehr als Fehler bezeichneten, haben wieder eingelenkt und fügen sich. Doch seine Auftritte sind längst nicht mehr so selbstsicher wie im vorigen Wahlkampf 2008. Als am Sonntag ein Moderator einen seiner Monologe zu unterbrechen versuchte, rastete Berlusconi aus und drohte damit, das Studio zu verlassen.

"Sich zu beschweren hilft nicht"

Die Beklemmung Berlusconis ist spürbar. Aktuelle Umfragen zeigen, dass seine Rückkehr der Partei nur vorübergehend geholfen hat. Die PDL liegt in den Umfragen mit etwa 20 Prozent knapp über der populistischen antieuropäischen Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo. Die PD kann mit etwa zehn bis 15 Prozentpunkten mehr rechnen. Zu wenig, um eine Regierung zu bilden. Aber genug, um gewissermaßen als Hauptaktionär einer Koalition mit Montis "radikal Gemäßigten" beizutreten.

Berlusconi gibt sich sicher, dass ihm eine flächendeckende Medienkampagne bis zu den Wahlen am 24. Februar zusätzliche zwanzig Prozentpunkte einbringen wird. In diesem Fall könnte eine prompte Regierungsbildung schwierig werden.

Inzwischen freundet sich aber auch Monti mit den Werkzeugen des Wahlkampfs an. In einem Tweet am Weihnachtstag rief er seine Unterstützer auf, "die Politik zu erneuern." "Sich zu beschweren hilft nicht! Sich zu engagieren aber schon!", schrieb er. Und schloss mit einer Anspielung auf Berlusconis " Discesa in campo " (Antritt, aber auch Abstieg in die Politik): "Wir müssen nun zur Politik hinaufsteigen!"

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Leserkommentare
  1. das bei diesem Klüngel Italien noch funktioniert ohne grosse Hilfe von aussen.

    Her Monti und Herr Berluscini könnten bequem in Rente gehen und einmal eine frische Politik zulassen beide haben doch bereit Mengen an Geld und ihre Macht bereits gezeigt und ausprobiert, jetzt sollte gut sein.

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    wir können das nur mit Klüngel, anders können und kennen wir das nicht.

  2. Man stelle sich vor, wie entspannt die Politik ohne Parteien wäre, die Menschen müssten nur über Programme abstimmen und diese sinnfreien Politsprechblasen würden platzen wie Luftballons

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  3. Nicht könnte, es wird so sein. Leider haben unter Mario Monti zu viele Menschen Arbeit verloren und diese Menschen (sehr viele) werden mir Sicherheit nicht Monti wählen.

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    "Die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Hore schrieb, Monti hinterlasse keine Spuren. Seine Amtszeit sei Stückwerk gewesen, hunderte hektisch beschlossene Verordnungen hätten mehr Konfusion als Regeln gebracht – alles sei „ohne Geist und Richtung“ gewesen. Er habe ohne Parlament regiert, weil sich die gewählten Mandatare während der vergangenen Monate ausschließlich mit ihrem eigenen, nun bevorstehenden Wahlkampf beschäftigt hätten."
    http://deutsche-wirtschaf...

    Il Sole 24 Hore gehört übrigens dem größten italienischen Arbeitgeberverband.

    Die sind von seiner Politik genauso „begeistert“, wie die bösen, bösen Gewerkschaften.

    Montis Politik ist ausschließlich gegen die 99% gerichtet.

    Die Tränen der Elsa Fornero - das ist Montis Politik:

    Die italienische Arbeitsministerin Elsa Fornero wurde bei der Verkündung des italienischen Sparpakets von ihren Emotionen übermannt. Die Reform sieht drastische Einschnitte im Sozialsystem vor.
    http://www.deutsche-mitte...

    Warum man im deutschen Mainstream so einen Narren an ihm gefressen hat, möchte ich gern mal wissen.

    ich weiß das zu gut ;). Dennoch heisst die Zeitung Il sole 24 ore (ohne h), die Sonne 24 Stunden lang.

    Grüße

  4. wir können das nur mit Klüngel, anders können und kennen wir das nicht.

    Antwort auf "ein Wunder"
  5. ... er stünde aber bereit.
    Und jetzt, ein Neugestalter der italienischen Politik - Monti?

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  6. "Die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Hore schrieb, Monti hinterlasse keine Spuren. Seine Amtszeit sei Stückwerk gewesen, hunderte hektisch beschlossene Verordnungen hätten mehr Konfusion als Regeln gebracht – alles sei „ohne Geist und Richtung“ gewesen. Er habe ohne Parlament regiert, weil sich die gewählten Mandatare während der vergangenen Monate ausschließlich mit ihrem eigenen, nun bevorstehenden Wahlkampf beschäftigt hätten."
    http://deutsche-wirtschaf...

    Il Sole 24 Hore gehört übrigens dem größten italienischen Arbeitgeberverband.

    Die sind von seiner Politik genauso „begeistert“, wie die bösen, bösen Gewerkschaften.

    Montis Politik ist ausschließlich gegen die 99% gerichtet.

    Die Tränen der Elsa Fornero - das ist Montis Politik:

    Die italienische Arbeitsministerin Elsa Fornero wurde bei der Verkündung des italienischen Sparpakets von ihren Emotionen übermannt. Die Reform sieht drastische Einschnitte im Sozialsystem vor.
    http://www.deutsche-mitte...

    Warum man im deutschen Mainstream so einen Narren an ihm gefressen hat, möchte ich gern mal wissen.

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  7. ich weiß das zu gut ;). Dennoch heisst die Zeitung Il sole 24 ore (ohne h), die Sonne 24 Stunden lang.

    Grüße

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    Ich hab das etwas ausführlicher dargestellt, weil viele in Deutschland das schon längst wieder vergessen haben, oder gar nicht wahrgenommen haben, wie Monti in Italien regiert hat.

    Frei nach dem Motto: Hauptsache Berlusconi ist weg, alles andere ist egal, bzw. wird gut.

    Wurde es aber leider nicht.

  8. Ich hab das etwas ausführlicher dargestellt, weil viele in Deutschland das schon längst wieder vergessen haben, oder gar nicht wahrgenommen haben, wie Monti in Italien regiert hat.

    Frei nach dem Motto: Hauptsache Berlusconi ist weg, alles andere ist egal, bzw. wird gut.

    Wurde es aber leider nicht.

    2 Leserempfehlungen
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    fühlte mich irgendwie angesprochen ;).

    Quo vadis bella Italia? Tja, wissen wir nicht genau, mal sehen;). Sehen wir das positive. Italien hat schon viele Krisen überlebt, ist eines der höchst entwickelten Länder der Welt mit einer beeindruckenden Bilanz. 1945 war Italien ein agrarisches Drittweltland. Heute ist es in weiten Teilen ein modernes Industrieland. Es gibt solide Privatfinanzen. 85 % der Italiener leben in abbezahltem Wohneigentum. Die italienischen Banken haben sich an der Spekulation kaum beteiligt, weil gesetzlich verboten.

    Was ist Mario Monti gelungen? Italien erreicht in seinem Staatshaushalt einen Primärüberschuss. Ok, not bad. Es haben aber Zigtausenden Arbeit verloren, ja man kann auf Berlusconi schimpfen (sollte man auch), aber er hat Arbeit geschafft, bei ihm sind ca. 20.000 Menschen beschäftigt.. und das ist nicht wenig, das sehen die Leute. Bei Monti sitzen Zigtausenden zuhause, auch das sehen die Leute. Va bene? ;)

    Grüße

    • annotio
    • 28. Dezember 2012 2:20 Uhr

    Frei nach dem Motto: Hauptsache Berlusconi ist weg, alles andere ist egal, bzw. wird gut.

    Wurde es aber leider nicht.
    Leider ist Berlusconi noch nicht weg, er hat auch die ganze Zeit durch Ihre Mehrheit in Parlament die Politik Monti's stark reaktionaer beeinflusst besser gesagt prokorrupte. Das Problem Italien's ist die Korruption. So lange der symbol der korruption noch eine chance hat gewaehlt zu werden und zu regieren, kann man in Italien noch nicht frische Luft einatmen. Also immer noch gilt..Hauptsache Berlusconi(und was dahinter stekt) weg, alles andere wird gut! Das ist die eigentliche Arbeit von Monti, er kann nur darueber noch nicht offen reden solange er unparteilich als Regierungschef die kommende Wahl verwalten, aber wer ihn verstehen will versteht ihn trotzdem!

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