Demonstranten in Kairo © Gianluigi Guercia/AFP/Getty Images

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi wird nach seiner Rede am Donnerstagabend für seine Gegner mehr und mehr untragbar. Das im Staatsfernsehen geäußerte Gesprächsangebot an seine Kritiker lehnte das wichtigste ägyptische Oppositionsbündnis mittlerweile ab.

Mursi ignoriere die Forderungen der Opposition, erklärte die Nationale Hilfsfront. Der Bewegung unter Führung des Friedensnobelpreisträgers Mohammed ElBaradei gehören mehrere linke und liberale Oppositionsgruppen an. Das Treffen sollte am Samstag als "Nationaler Dialog" im Präsidentenpalast stattfinden.

Obwohl selbst wichtige Religionsautoritäten der Sunniten Mursi zum Machtverzicht aufforderten , hatte er in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede keine nennenswerten Zugeständnisse an die Opposition gemacht. Die Opposition verlangt, dass der Präsident die von ihm per Dekret erweiterte Macht wieder abgibt.

Tausende folgen neuem Protestaufruf

Die Dekrete sichern Mursi vor allem großen Einfluss auf die Justiz. Der Präsident will auch den für den 15. Dezember festgesetzten Volksentscheid über den im Eilverfahren durchgesetzten islamistisch geprägten Verfassungsentwurf nicht zurücknehmen.

Deshalb protestierten in den vergangenen Tagen Zehntausende seiner Kritiker gegen ihn . Seine Gegner stießen mit seinen Unterstützern zusammen, mindestens sechs Menschen starben bisher, Hunderte erlitten Verletzungen.

Mursi steht den islamistischen Muslimbrüdern nahe, die ihn als Präsidentschaftskandidaten nominiert und ins Amt gebracht hatten. Die Reaktionen der Opposition auf seine Rede waren zumeist verheerend ausgefallen.

Tausende Menschen folgten am Freitag in Kairo wieder einem Aufruf des Oppositionsbündnis' um Friedensnobelpreisträger ElBaradei. Sie zogen in einem Protestmarsch zum Präsidentenpalast. Dort hatte es am Mittwoch die Auseinandersetzungen von Anhängern und Gegnern Mursis gegeben.

Zugleich sammelten sich Tausende islamistische Anhänger des Präsidenten zur Beisetzung von zwei der Getöteten an der Al-Aksa-Moschee. Dabei beschimpften sie die Mursi-Gegner als Verräter und Mörder.