Syrien-Konflikt : Nato stationiert Patriot-Raketen in der Türkei

Der Nato-Einsatz an der syrisch-türkischen Grenze ist beschlossen: Patriot-Abwehrraketen, zum Teil aus Deutschland, werden in wenigen Wochen in der Türkei eintreffen.

Die Nato stationiert Patriot-Flugabwehrraketen im türkischen Grenzgebiet zu Syrien . Das beschlossen die Außenminister der 28 Nato-Staaten in Brüssel . Mit dem Waffensystem soll das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad an Angriffen auf türkisches Gebiet gehindert werden. Deutschland, die Niederlande und die USA sollen die Raketen und deren Bedienmannschaften innerhalb weniger Wochen in die Türkei schicken.

Noch in dieser Woche werde das Bundeskabinett einen Beschluss zur Entsendung der Patriot-Raketen fassen und den Bundestag um Zustimmung bitten , sagte Außenminister Guido Westerwelle . Über die genaue Zahl der Raketen und deren Stationierungsorte wurde noch nicht entschieden.

Die Abwehrraketen sollen nur zum Schutz und zur Verteidigung des Bündnispartners Türkei dienen. Sie dürften beispielsweise nicht eingesetzt werden, um eine Flugverbotszone über Syrien zu kontrollieren.

Nato warnt Assad vor Einsatz von Chemiewaffen

Die internationale Gemeinschaft warnte al-Assad zudem eindringlich vor einem Einsatz von Chemiewaffen . Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte, ein solcher Einsatz würde "eine unverzügliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft" auslösen. "Wir wissen, dass Syrien Raketen hat, wir wissen, dass sie chemische Waffen haben. Und natürlich muss das in unsere Kalkulationen einfließen", sagte Rasmussen. "Das ist auch der Grund, warum es dringlich ist, die wirksame Verteidigung und den Schutz unseres Bündnismitgliedes Türkei sicherzustellen."

Auch die USA drohten dem syrischen Regime mit Konsequenzen. US-Präsident Barack Obama sagte, "der Einsatz von chemischen Waffen ist und wäre völlig inakzeptabel". Die Welt schaue auf Syrien. "Wenn sie den tragischen Fehler begehen, diese Waffen einzusetzen, wird dies Konsequenzen haben und sie werden dafür zur Verantwortung gezogen", sagte Obama. Bereits im August hatte er für diesen Fall mit einem Militärschlag gedroht .

Westerwelle sagte, Berichte über Diskussionen zum Einsatz von Chemiewaffen in Syrien würden sehr ernst genommen. "Das Regime Assad muss wissen: Der Einsatz von Chemiewaffen wäre in gar keiner Weise akzeptabel. Das wäre eine rote Linie, wie wir es alle gemeinsam im Bündnis sehen."

Das Außenministerium in Damaskus hatte zuvor versichert, dass Chemiewaffen, falls vorhanden, niemals gegen das syrische Volk benutzt würden. Wenige Stunden später wurde bekannt, dass sich der Sprecher des Ressorts, Dschihad Makdissi, nach London abgesetzt hat. Dass der Schritt in einem Zusammenhang mit dieser Erklärung steht, gilt aber als eher unwahrscheinlich.

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Die Aggression liegt hier ganz klar auf Seiten der Türkei

Erinnern wir uns, was Syrien hat verlauten lassen: "Wir werden Chemiewaffen NIE innerhalb Syriens gegen die Syrer einsetzen. Nur wenn wir vom Ausland angegriffen werden, könnten wir diese Waffen einsetzen."

Dann nehmen wir die Tatsache zur Kenntnis, dass die Türkei schon sehr lange aktiv eingreift in den Konflikt. Es werden militante Gegner der Regierung Assad beherbergt, trainiert und bewaffnet. Man hat im Grenzgebiet großflächige Artillerieangeriffe auf syrische Stellungen auf syrischem Boden durchgeführt. Man befindet sich faktisch schon im Krieg. Und zwar schon lange.

Die Patriots sind auch effektiv gegen Raketen. Ich könnte mir vorstellen, die Türkei plant Syrien anzugreifen und die Patriots sollen verhindern, dass Syrien Chemieraketen als Antwort auf die Türkei abschiesst. Gerne mit einer vorgeschoben False Flag Aktion der syrischen Vollbart-Milizen.

Die Aggression liegt hier ganz klar auf Seiten der Türkei und meiner Meinung nach werden deutsche Soldaten und deutsche Waffen in einem ewaigen Angriffskrieg ohne UN-Mandat eingesetzt.

Wenn mich nicht alles täuscht, verstößt das auch gegen unser Grundgesetz. Wie kann die deutsche Regierung sowas nur zustimmen?

Nicht so klar

Syrien hat immerhin schon ein Flugzeug abgeschossen und ein paar Granaten auf Türkisches Gebiet abgefeuert. Hätte Erdogan gewollt wäre das alles schon am Laufen.
Er hätte sogar den NATO-Bündisfall ausrufen können und damit Assad wohl in wenigen Minuten plätten könnnen.

Also der Sachverhalt ist deutlich komplexer. Ich finde "das macht nur sinn wenn.." Argumentetionen im Allgemeinen immer sehr anstrengend, da sie versucht komplexe Sachverhalte in Schwarz/Weiss abzubilden und dabei Axiome festlegt, die nicht unbedingt auf der Realität fußen.

sie irren sich

"Die Aggression liegt hier ganz klar auf Seiten der Türkei und meiner Meinung nach werden deutsche Soldaten und deutsche Waffen in einem ewaigen Angriffskrieg ohne UN-Mandat eingesetzt."
Es wurde bereits desöfteren von Assads Seite über die Grenze geschossen was eine Aggression darstellt. Inwieweit man die Rebellen unterstützt ist fraglich und darauf sollte man auch einwirken, aber nur wenn sich Assad auch vernünftig verhällt und den Verhandlungsweg sucht.

"Wenn mich nicht alles täuscht, verstößt das auch gegen unser Grundgesetz. Wie kann die deutsche Regierung sowas nur zustimmen?"
Gegen das Grundgesetzt verstößt diese Verteidigungshaltung sicher nicht und die Entscheidung ist Richtig, da man nicht weis wie ein außer Fassung geratener Diktator sich im Ernstfall benimmt(siehe Libyen). Falls es sich zu einer angreifenden Handlung entwickeln würde wäre das womöglich mit UN Mandat gedeckt aber darum geht es schlicht nicht an dieser Stelle anderweitig wird man sich ziemlich sicher zurückhalten also kommt eine Grundgesetzverletzung nicht infrage.

@Spinndoktor

Ihre Kommentar ist unglaublich verantwortungslos.

Die Aggression liegt nach ihrer Fassung in der Türkei, weil Sie humanitäre Hilfe leistet. 110 Tausend Flüchtlinge, die Sie als Terroristen bezeichnen, suchen derzeit Zuflucht in der Türkei. Das sind Alte, Frauen und Kinder, tolle Terroristen.

Wollen Sie mir ihre Assad-Probpaganda auf schwätzen oder wie?

Ein Assad der nicht davor zurück schreckt seine Luftwaffe gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, hat keine Legitimation der Vernunft mehr.
Aus diesem Grund scheint auch der Einsatz Chemischer Skuds, die Syrien zweifellos besitzt nicht sehr abwegig.

Die Türkei muss sich schützen und für den schlimmsten Fall gewappnet sein.

Die Türken haben als Nachbar zu Syrien bei einem eventuellen Angriff sehr viel zu verlieren. Es gibt mehrere Großstädte in unmittelbarer Grenze.

Nur ein Idiot würde das schlimmste Szenario nicht einkalkulieren.

Die Türken sind nicht auf die Patriot angewiesen, dennoch stellen Sie eine zusätzliche Abschreckung dar.

Denn wenn das Schlimmste eintritt, was glauben Sie das dann die NATO inkl. Deutscher Soldaten zu tun bekommt oder tun muss?

Oder was glauben Sie, wie vernichtend die Türkische Reaktion ausfallen würde?

Wie man es dreht die Stationierung von Patriot Raketen dient einer effektiven Abschreckung, die Billiger ist als alle anderen Szenarien.

Zudem gehen keine Bundeswehrsoldaten in die Türkei, sondern NATO Soldaten und NATO Material der Deutschen, Holländer und der USA in die Türkei.

Und Sie, homeenter, irren sich nicht, Sie wiederholen Falschmeldungen.

"Es wurde bereits desöfteren von Assads Seite über die Grenze geschossen was eine Aggression darstellt." ist so eine.

Hätte Sie geschrieben, dass von syrischer Seite geschossen wurde, dass es sich bei dem Beschuss um Mörsergranaten gehandelt hat, und dass absolut nicht klar ist, wer die Dinger abgeschossen hat, dann hätten Sie Recht gehabt.

So ist das wieder nur Propaganda.

Gegenfrage

Was wird da unten geplant, dass man sich vor einer syrischen Reaktion in Form von Giftgasraketen fürchtet?

Patriot Raketen hat die Türkei selber, nur nicht die Version womit man auch Raketen abschießen kann und genau die wurden ja nun angefordert.

Also, was möchte man diesem Land noch alles antun, damit es völlig verzweifelt mit solchen Waffen um sich wirft?

Schild, nicht Schwert

Nach dem was ich darüber gelesen habe, ist es ein defensives Instrument.
Das heisst, es sichert die Türkei für den Fall einer Rakete aus Syrien ab. Eventuell ist es vorsicht, eventuell auch nur ein Zeigen der Stärke.

Ich sehe jedenfalls keinen Grund dafür der Türkei - einem Nato-Partner - ein defensives Instrument vorzuenthalten. Insbesondere deswegen, da die Türkei ja schon aus Syrischer Richtung (von wem auch immer) ausversehen oder absichtlich beschossen wurde.

Mir kommt diese -Schmierenkomödie- schon

recht bekannt vor,denn hier wird schon ein Punkt anvisiert,der einen Angriff unausweichlich macht.Man treibt mit massiver Hilfe der -Freunde Syriens- das Assad-Regime derart in die Enge ,unterstellt ihm u.U.den Gebrauch von Chemiewaffen und schon hat man die lange gesuchte Begründung zum Eingreifen von Außen ? Danach spielt es dann auch keine Rolle mehr ,ob am Ende nicht die Rebellen als erstes Chemiewaffen eingesetzt haben,denn Sieger schauen nach vorn und halten wenig von Aufarbeitung.Warum wir als Natomitglied nun die -starke Türkei-gegen eine fast darniederliegende Nation verteidigen müssen ist doch kein Bündnisfall,sondern schlicht und einfach ,eine absichtliche Ausweitung und Vorbereitung auf einen künftigen Waffengang gegen den Iran.Was hier abläuft ist mal wieder eine weitere Täuschung im Kampf gegen den Terror,der ja laut Aussage unserer -Schutzmacht- u.U. noch Jahrzehnte dauern kann.

Fehlt nur noch der Bundestag

Man darf hoffen, denn wenn Herr Rasmussen auf der Bühne auftaucht und sich zu politischen Stellungnahmen hinreissen lässt, geht normalerweise kurz darauf die Hilfsmission los. Und auch Obama hat sich schon klar geäussert. Fehlt nur noch der deutsche Bundestag, aber der hat sich mit seiner auf den Sankt Nimmerleinstag verschobenen Astimmung mal wieder zur Unwesentlichkeit degradiert.