Netanjahu in BerlinEin Essen unter unbequemen Freunden

Zum Auftakt von Netanjahus Besuch gab es ein Abendessen im Kanzleramt. Ein "Gespräch unter Freunden" sei es gewesen, heißt es – und da redet man bekanntlich Tacheles. von dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt Israels Premier Benjamin Netanjahu vor dem Kanzleramt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt Israels Premier Benjamin Netanjahu vor dem Kanzleramt.  |  © Guido Bergmann/Bundesregierung - Pool via Getty Images

Zu Beginn der deutsch-israelischen Regierungsgespräche hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den israelischen Premier Benjamin Netanjahu im Kanzleramt empfangen. Eigentlich war für ein gemeinsames Abendessen nur etwa eine Stunde eingeplant, doch das erste Treffen dauerte schließlich mehr als drei Stunden.

Über den genauen Inhalt des Gesprächs wurden zunächst keine Einzelheiten bekannt. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es jedoch, es habe einen "ausführlichen und vertrauensvollen Meinungsaustausch in gegenseitigem Respekt" gegeben. Zu den zentralen Themen gehörten demnach die Sicherheitslage und die Sicherheitsinteressen Israels sowie die politische Lage in der gesamten Region.

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In Netanjahus Umgebung hieß es, das Treffen sei ein "Gespräch unter Freunden" gewesen. Die Sicherheitsaspekte hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt.

Netanjahu von Merkel persönlich "enttäuscht"

In gänzlicher Harmonie dürfte das Treffen jedoch nicht abgelaufen sein. In einem Interview mit der Zeitung Die Welt hatte sich Netanjahu vor Beginn seiner Reise von Merkel persönlich "enttäuscht" gezeigt und die deutsche Enthaltung bei der Abstimmung über die Aufwertung des Palästinenserstatus' bei den Vereinten Nationen in New York kritisiert. Diese habe den Friedensprozess "zurückgeworfen". Wegen des geplanten Baus von 3.000 weiteren Siedlerwohnungen in den Palästinensergebieten steht Israel allerdings selbst stark in der Kritik.

Merkel wollte das Thema auch bei dem Essen mit Netanjahu ansprechen. Ebenso wie zahlreiche andere Staaten versucht Deutschland, Netanjahu von den Siedlungsplänen abzubringen. Befürchtet wird, dass der Nahost-Friedensprozess ansonsten keine Chance hat. Zugleich weist Merkel immer wieder auf die besondere deutsche Verantwortung für Israel hin als Folge des Holocaust.

Heute beginnen die deutsch-israelischen Regierungsgespräche offiziell. Dabei soll es insbesondere um eine engere Zusammenarbeit in den Gebieten Bildung und Wissenschaft gehen. Begleitet wird Netanjahu in Deutschland von sechs israelischen Ministern. Außenminister Avigdor Lieberman sagte seine Teilnahme jedoch kurzfristig ab. Begründet wurde dies mit Gesundheitsproblemen. Die SPD nannte dies ein "schlechtes Omen". Grüne und Linkspartei forderten Merkel auf, gegenüber Netanjahu Klartext zu reden.

Die Konsultationen finden inzwischen zum vierten Mal statt, immer abwechselnd in einer der beiden Hauptstädte. Während des Netanjahu-Besuchs sind in Berlin bis zu 2.400 Polizisten zusätzlich im Einsatz, darunter Scharfschützen und Bombenexperten. Es gilt die höchste Sicherheitsstufe.
 

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Leserkommentare
    • sharia
    • 06. Dezember 2012 8:30 Uhr

    und wissenschaft...
    ob da die zusammenarbeit auf dem gebiet der konfliktforschung und -lösung intensiviert wird?

    3 Leserempfehlungen
    • khasar
    • 06. Dezember 2012 8:30 Uhr
    2. warum

    Glaube ich nicht das Frau Merkel mit netanjahu Tacheles geredet hat ?
    Die Politik Deutschlands ist doch eine bedingungslose und eine uneingeschränkte Unterstützung Israels .
    Egal ob die Regierung Israels recht oder Unrecht hat.

    via ZEIT ONLINE plus App

    16 Leserempfehlungen
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    ansonsten hätte Deutschland auch pro Palästina gestimmt. Durchaus mit der Begründung, dass es für Israel aufgrund der Holocaustgeschichte nach wie vor Verantwortung trägt. Mit dieser Abstimmung würde es Israel einen Schritt davor bewahren, ähnliche Fehler, wie sie damals in Deutschland macht wurden, auf palästinensischem Gebiet zu begehen.

    (Mal sehen, ob dieser Kommentar gelöscht wird)

    "Tacheles reden" sieht anders aus und hört sich anders an.

    In einem dramatischen Moment der Mittelost-Politik kommt der Staatschef des Landes, der die Ursache/Lösung des Problems ist, zu seiner Hauptunterstützerin in Europa. Sie essen. Es gibt ein Foto, und dann gehen sie auseinander. OHNE Pressekonferenz, OHNE Fragen von Journalisten ????? Hat das wenigstens Essen gut geschmeckt und tranken sie gemeinsam Glühwein? Brennende Fragen der Zeit.

  1. Klare Worte unter Freunden ?

    So (schon wieder neue Siedlungen)
    wird Israel nie Frieden bekommen !

    Entweder ihr stoppt dieses Projekt,
    oder wir unterstützen euch nicht mehr
    (finanziell, diplomatisch + auch keine U-Boote)

    PUNKT

    11 Leserempfehlungen
  2. Wenn ich Freunde besuche, gibt's Kuchen und Wein. Bombenexperten und Scharfschützen sind da nicht dabei. Was sind wir für ein ungastliches Land...

    5 Leserempfehlungen
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    2000 Polizisten. Wasserwerfer. Hubschrauber in der Luft. Mehrere Straßen abgesperrt.

    Wegen den verdammten Hubschraubern konnte ich nicht schlafen. Der ganze Affentanz für einen Besuch eines Freundes. Was wird dann erst beim Besuch eines "Feindes" veranstaltet? Selbstschussanlagen und Napalm?

  3. Mensch, Deutschland muss ja eine menge Terroristen haben, wenn solche Sicherheitsvorkehrungen wie auf dem Video gezeigt getroffen werden: Abwasserschacht verriegeln, Innenstadt abgrenzen und über 2500 Polizisten im Einsatz. Also wenn Netanjahu die USA besucht, geht das viel einfacher!!!!

    Deutschland hat echt ein riesen Problem!!!

    4 Leserempfehlungen
  4. " die besondere deutsche Verantwortung für Israel hin als Folge des Holocaust" darf nicht so interpretiert werden, dass, unabhängig vom Verhalten der politischen Führung Israels, diese unterstützt wird.
    Manchmal kommt mir die Situation vor wie auf einem Schulhof, auf dem ein kleiner Junge ständig andere Kinder schikaniert im Vertrauen auf den Schutz des grossen Bruders (USA) und der grosse Schwester (Deutschland).
    Übrigens ist "Israel" nicht die "Regierung Israels", das ist meines Erachtens dringend zu unterscheiden.

    8 Leserempfehlungen
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    Das ist schon mal absolut falsch;-)Denn Netanjahu wurde von über 65% der Israelis gewählt, es ist, falls sie es noch nicht wissen- ein demokratischer Staat!!! Also ist Israel zum grossen Teil die "Regierung Israel`s".

  5. Das ist schon mal absolut falsch;-)Denn Netanjahu wurde von über 65% der Israelis gewählt, es ist, falls sie es noch nicht wissen- ein demokratischer Staat!!! Also ist Israel zum grossen Teil die "Regierung Israel`s".

    7 Leserempfehlungen
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    Das sehe ich anders. So unterstützt unter anderen der ehemalige Ministerpräsident Olmert den Palästinenserantrag. ("Die Zeit", 29.11.2012 "Israels Expremier Olmert befürwortet Palästinenser-Antrag "). Zählt der dann nicht ?

    Das hört man immer wieder: "Israel sei eine Domokratie"!

    Als ob das - wenn man diesen Begriff "Demokratie" sehr flexible auslegt - allein Israel von ihren gesetzwidrigen Aktionen absolviert. Wie schlimm die "demokratische" Gehirnwäsche unter den "demokratischen" Israelis ist, berichtet Gideon Levy, hier:

    http://www.independent.co...

    • sharia
    • 06. Dezember 2012 9:13 Uhr

    gehört auch die zusammenarbeit auf dem gebiet: was bedeutet rule of law in einer demokratie?

    auf dass solches, wie hier
    http://972mag.com/demolit...
    beschrieben, nicht mehr vorkommt.

    4 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Angela Merkel | Benjamin Netanjahu | Grüne | Die Linke | SPD | Vereinte Nationen
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