Der Internationale Strafgerichtshof hat in seinem ersten Mordprozess den Angeklagten freigesprochen. Am Ende des mehrjährigen Prozesses sahen die Richter der Zweiten Kammer die Vorwürfe gegen den früheren Milizenführer Mathieu Ngudjolo Chui nicht zweifelsfrei belegt. Die Anklage hatte ihm Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgehalten – darunter Rekrutierung von Kindersoldaten, sexuelle Versklavung und Angriffe gegen die Zivilbevölkerung.

Konkret ging es um ein Massaker im ost-kongolesischen Dorf Bogoro. 2003 ermordeten Gewalttäter dort 200 Bewohner und vergewaltigten Hunderte von Frauen.

Ngudjolo war damals Kriegsherr im Bezirk Ituri im Nordosten des Kongo . Dort führte er als Stabschef die Front für Nationale Integration (FNI), eine überwiegend aus Angehörigen der Lendu bestehenden Miliz.

In einem Krieg der Lendu gegen bewaffnete Gruppen der Hema starben zwischen 1999 und 2003 mindestens 50.000 Menschen.

Ein Schädel auf einem Feld nahe Bogoro, Demokratische Republik Kongo, wo der Kriegsverbrecher Mathieu Ngudjolo Chui seine Milizionäre kämpfen ließ © Lionel Healing/AFP/Getty Images

Nach Ende dieses Krieges 2003 verhafteten UN-Soldaten Ngudjolo. Die Regierung in Kinshasa beschuldigte ihn, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Während seiner Haftzeit im Makala-Gefängnis der Hauptstadt brach er aus und gründete 2005 die Rebellentruppe Kongolesische Revolutionäre Bewegung. 2007 griffen ihn Fahnder auf und vollstreckten einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofes.

In Den Haag saß auch schon Ngudjolos damaliger Erzfeind Thomas Lubanga ein . Der frühere Chef der Hema-Milizen war der Rekrutierung von Kindersoldaten angeklagt. Er erhielt 2012 eine Gefängnisstrafe von 14 Jahren.