Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hat vor einem Abgleiten Ägyptens in eine Diktatur gewarnt. Es besteht die Gefahr, dass unter Präsident Mohammed Mursi und der Muslimbruderschaft das autoritäre System des gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak wieder auflebe, nur diesmal mit anderen Personen, sagte Niebel der Frankfurter Rundschau . Angesichts der unsicheren Lage in Nachbarländern wie Syrien , Libanon und Jordanien bedeute ein instabiles Ägypten ein enormes Sicherheitsrisiko über die Region hinaus.

Laut Niebel schränkte die Bundesregierung bis auf Weiteres die Regierungskontakte zu Kairo ein. Er selbst habe die eigentlich für Mitte Dezember geplanten Regierungsverhandlungen über die Entwicklungskooperation abgesagt. Auch der geplante teilweise Schuldenerlass von bis zu 240 Millionen Euro werde verschoben, sagte der Minister. Wenn Ägypten sich hin zu mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entwickeln wolle, werde Deutschland das Land dabei unterstützen. "Es liegt in der Hand der ägyptischen Regierung", sagte Niebel.

Ägypten steckt in einer politischen Krise . Am Samstag fand die erste Runde des Referendums über einen umstrittenen Verfassungsentwurf statt. Die Opposition lehnt den mehrheitlichen von Islamisten entworfenen Entwurf ab. Unter dem Druck der Opposition hatte Mursi zudem ein umstrittenes Dekret außer Kraft gesetzt, mit dem er sich Sondervollmachten gegeben hatte. An den Referendum hielt er jedoch fest. Gegner und Befürworter des Verfassungsentwurfs reklamierten am Sonntag bereits den Sieg für sich .