Möglicherweise kann er sich damit aber auch den Rücken etwas frei halten, um bereits vorbereitete simple Reformen der verstaatlichten Landwirtschaft zu beginnen. Demnach sollen die großen landwirtschaftlichen Brigaden auf Gruppen von vier bis sechs Mann verkleinert werden, die dann auch einen etwas größeren Anteil der Ernte einbehalten dürfen. Die Schritte ähneln den der Chinesen Ende der 1970er Jahre. Im Sommer hatten Kim und sein mächtiger Kim-Onkel Jang Song Taek extra einen zuvor degradierten Wirtschaftsfunktionär ins Amt geholt, der einst für vorsichtige Wirtschaftsreformen verantwortlich war. Die desaströse Wirtschaftslage des Landes verlangt ökonomische Korrekturen, die bislang stets verschoben wurden, aus Angst vor den damit einhergehenden Freiheiten, die Märkte, und seien sie noch so klein, mit sich bringen.

Der einfachste und einleuchtendste Grund für den Raketenstart ist aber immer noch ihr Drohungs- und Abschreckungspotenzial, vor allem gegenüber Südkorera, den USA und Japan . Bekanntlich hat Nordkorea auch schon erfolgreich an etwas Atomwaffenartigem gearbeitet. Zwar gehen Experten davon aus, das Pjöngjang noch Jahre davon entfernt ist, einen funktionstüchtigen Atomsprengkopf zu bauen. Doch immerhin soll genug Plutonium für mindestens fünf Atombomben da sein. Zudem hat das Regime mit der Anreicherung von Uran begonnen und baut es im Land auch ab.

Kurzum: Der international weiterhin isolierte Diktator Kim Jong Un brauchte diesen Raketenstart. Auch sein Vater und sein Großvater (und Vor-Vorgänger) Kim Il Sung hätten diese Rakete gezündet. Sie trägt dazu bei, dem Regime Sicherheit zu schaffen, wenn auch auf einem fatalen Weg.