Großer Auftritt für Wladimir Putin: Im Kreml hielt er eine Rede an die Nation – die erste seit seiner Rückkehr ins Präsidentenamt vor sieben Monaten. Darin umriss er die große historische Bedeutung des Vaterlands und verlangte auch deshalb eine "Wiedergeburt des Nationalstolzes" der Russen.

Russland leide an einem "Mangel an geistiger Stütze", konstatierte Putin. Deshalb sei es nötig, die moralischen und geistigen Grundlagen der Gesellschaft zu stärken.

Beruhigende Worte hatte er für seine nationalen und internationalen Kritiker. Sein Land werde nicht den Weg des Totalitarismus mit einer Vielzahl gesetzlicher Verbote einschlagen. "Wir teilen die universellen demokratischen Prinzipien, die überall in der Welt anerkannt sind." Gleichwohl verwies er auf die eigene Souveränität: "Russische Demokratie bedeutet die Macht eben des russischen Volkes", sagte Putin.

Mit Blick auf die pro-westliche Opposition signalisierte er seine Bereitschaft zum politischen Dialog – und schränkte umgehend ein: nur mit denjenigen, die ihre Forderungen auf zivilisierte Art und Weise stellen. "Politiker, die vom Ausland finanziert werden, haben keinen Platz in der russischen Gesellschaft."

Beobachter kritisierten die Rede als blutleer mit vielen schönen Worten, aber ohne konkrete Initiativen. Russlands größte Probleme wie Korruption und Behördenwillkür streifte Putin,der seit mehr als 13 Jahren an der Macht ist,nur am Rande.